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Statistik-Ratgeber

Welche Abkürzungen werden in der Statistik verwendet?

Verschriftlichung / Ergebnisinterpretation · Maximilian Fuchs · 21. Mai 2026 · 8 Min. Lesezeit

Was sind statistische Abkürzungen?

In der Statistik gibt es ein System aus standardisierten Symbolen und Kürzeln, das international – vor allem im anglophonen Wissenschaftsraum – weit verbreitet ist. Anders als normale Abkürzungen (z. B. „bzgl.“ für „bezüglich“) müssen statistische Symbole wie M, SD oder p im Text nicht erst eingeführt werden. Sie gelten nach den gängigen Stilrichtlinien als standardisierte statistische Notation und sind für eingeweihte Lesende unmittelbar verständlich.

Wer einen Ergebnisteil schreibt, kommt um diese Kürzel nicht herum. Gut zu wissen: Welche Symbole zu verwenden sind und wie sie dargestellt werden, regelt in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften vor allem das APA-Zahlen- und Statistikformat – der de-facto-Standard an den meisten Hochschulen im DACH-Raum.

Gut zu wissen Die meisten Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz schreiben für empirische Abschlussarbeiten die Einhaltung der APA-Normen vor. Das betrifft auch die Schreibweise statistischer Kürzel – also ob sie kursiv gesetzt werden, welche Dezimalstellen angegeben werden und wie Testergebnisse im Fließtext zu formulieren sind.

Abkürzungen der deskriptiven Statistik

Die deskriptive Statistik beschreibt eine Stichprobe, bevor irgendwelche Tests berechnet werden. Die zugehörigen Kürzel tauchen in nahezu jedem Ergebnisteil auf.

Lage- und Streuungsmaße

  • M – arithmetischer Mittelwert (engl. mean); alternativ wird manchmal (X-Quer) verwendet
  • Mdn – Median
  • SD – Standardabweichung (engl. standard deviation)
  • – Stichprobenvarianz
  • SE – Standardfehler (engl. standard error)
  • CI – Konfidenzintervall (engl. confidence interval); z. B. 95% CI [2.34, 4.67]

Stichprobengrößen

Ein häufiger Stolperstein ist die Unterscheidung zwischen Groß- und Kleinschreibung:

  • N – Gesamtstichprobe (alle Fälle im Datensatz)
  • n – Teilstichprobe (z. B. eine Subgruppe oder Bedingung)

Diese Unterscheidung ist inhaltlich bedeutsam: Wenn Sie berichten, dass N = 120 Personen befragt wurden, davon n = 60 in der Experimentalgruppe, kommunizieren Sie auf einen Blick, wie sich die Stichprobe zusammensetzt. Eine ausführliche Erklärung, wie Sie Mittelwert und Standardabweichung korrekt im Fließtext angeben, finden Sie in einem eigenen Beitrag.

Abkürzungen der Inferenzstatistik

Sobald Sie Hypothesen testen, kommen die Kürzel der schließenden Statistik ins Spiel. Hier ist die Fehlerquote in Abschlussarbeiten besonders hoch – vor allem bei der korrekten Angabe von Freiheitsgraden und p-Werten.

Signifikanztests

  • t – Prüfgröße des t-Tests
  • F – F-Ratio (Fisher’s F), z. B. bei ANOVA oder Regressionsmodellen
  • χ² – Chi-Quadrat-Teststatistik
  • z – z-Wert (Normalverteilungstest oder standardisierter Wert)
  • U – Mann-Whitney-U-Teststatistik (nichtparametrisch)
  • H – Kruskal-Wallis-Prüfgröße (nichtparametrisch)

Freiheitsgrade und Signifikanzniveau

  • df – Freiheitsgrade (engl. degrees of freedom); werden direkt hinter der Teststatistik in Klammern angegeben: t(33) = 2.10
  • p – Wahrscheinlichkeitswert (p-Wert); gibt die Irrtumswahrscheinlichkeit an
  • α – Signifikanzniveau (griechisch: Alpha); typischerweise .05 oder .01
Häufiger Fehler Viele Studierende schreiben „p < .05″ pauschal, auch wenn die Software einen exakten p-Wert ausgibt. Korrekt ist: Bei verfügbarem exaktem Wert berichten Sie diesen – also z. B. p = .034. Nur wenn der Wert kleiner als .001 ist, gilt die Konvention p < .001. Für sehr kleine p-Werte empfehlen gängige Schreibrichtlinien einheitlich diese Untergrenze, um eine sinnlose Genauigkeit (z. B. p = .0000023) zu vermeiden.

Effektstärken und Zusammenhangsmaße

Effektstärken gehören zum modernen Standard der Ergebnisberichterstattung – wer nur einen p-Wert nennt, sagt wenig darüber aus, wie bedeutsam ein Befund tatsächlich ist. Die wichtigsten Kürzel:

  • d – Cohen’s d (Effektstärke für Mittelwertvergleiche); Richtwerte: klein = 0.20, mittel = 0.50, groß = 0.80
  • r – Pearson-Korrelationskoeffizient; auch als Effektstärkenmaß verwendbar
  • η² – Eta-Quadrat (Varianzaufklärung bei ANOVA)
  • ω² – Omega-Quadrat (weniger verzerrte Alternative zu η²)
  • f – Cohen’s f (Effektstärke für ANOVA)
  • g – Hedges‘ g (korrigiertes Cohen’s d bei unterschiedlichen Stichprobengrößen)
  • OR – Odds Ratio (Chancenverhältnis, z. B. in der logistischen Regression)

Cohen’s d – Formel

Effektstärken können direkt im Ergebnissatz berichtet werden: „Der Unterschied war statistisch signifikant, t(58) = 3.12, p = .003, d = 0.81.“ Wie Sie solche Sätze korrekt formulieren, erläutert der Beitrag zum Aufschreiben statistischer Ergebnisse.

Regressionsanalyse und verwandte Verfahren

Die Regressionsanalyse bringt ihr eigenes Abkürzungssystem mit. Besonders wichtig ist hier die Unterscheidung zwischen standardisierten und unstandardisierten Koeffizienten.

  • b – unstandardisierter Regressionskoeffizient (rohe Einheit der Variablen)
  • β – standardisierter Regressionskoeffizient (Beta; griechischer Buchstabe, daher nicht kursiv)
  • R – multiple Korrelation
  • – Determinationskoeffizient; Anteil erklärter Varianz am Kriterium
  • Δ – Änderung des R² beim schrittweisen Hinzufügen von Prädiktoren
  • B – in manchen Softwareausgaben der unstandardisierte Koeffizient (SPSS-Konvention)
  • SE – Standardfehler des Regressionskoeffizienten

In einer fundierten Ergebnisdarstellung gehört bei einer Regressionsanalyse immer die Angabe von und dem zugehörigen F-Test zum Standard – nur dann lässt sich beurteilen, wie gut das Modell insgesamt die Daten erklärt.

Schreibkonventionen: kursiv, groß, klein

Nicht alle statistischen Symbole werden gleich geschrieben. Die wichtigste Regel lautet: Statistische Symbole, die keine griechischen Buchstaben sind, werden kursiv gesetzt.

Kursiv vs. nicht kursiv

  • Kursiv: M, SD, N, n, t, F, p, r, R, , b, d, df
  • Nicht kursiv (griechische Buchstaben): α, β, χ², η², ω²
  • Nicht kursiv (Abkürzungen aus mehreren Buchstaben, wenn sie als Akronym gelten): OR, CI, ANOVA, AIC, BIC

Diese Regelung geht auf die APA-7-Konventionen zu Kursivschreibung statistischer Symbole zurück. Dort ist auch die Groß-/Kleinschreibung für Gesamtstichprobe (N) versus Teilstichprobe (n) als inhaltlich bedeutsame Unterscheidung festgehalten.

Dezimalstellen und Trennzeichen

Im englischsprachigen APA-Format wird ein Punkt als Dezimalzeichen verwendet (M = 3.47, nicht 3,47). In deutschsprachigen Arbeiten herrscht oft Uneinigkeit – prüfen Sie die Vorgaben Ihrer Hochschule. Viele Gutachtende akzeptieren bei Abschlussarbeiten das Komma als Dezimaltrennzeichen, sofern es konsequent verwendet wird.

Abkürzungen richtig im Fließtext verwenden

Statistische Kürzel entfalten ihren Nutzen erst, wenn sie in korrekte Berichtssätze eingebettet sind. Isoliert hingestellt – „p = .03″ ohne Teststatistik und Freiheitsgrade – liefern sie wenig Information.

Typische Berichtsformate

Die folgende Zusammenstellung zeigt, wie Testergebnisse in der Praxis formuliert werden:

  • t-Test: t(33) = 2.10, p = .034, d = 0.72
  • ANOVA: F(2, 87) = 4.53, p = .013, η² = .09
  • Korrelation: r(123) = .61, p = .011
  • Chi-Quadrat: χ²(1, N = 200) = 5.73, p = .017
  • Deskriptiv: (M = 3.47, SD = 0.82)

Deskriptive Kennwerte wie M und SD werden üblicherweise direkt hinter der beschriebenen Variable in Klammern gesetzt. Der Begriff „Mittelwert“ oder „Standardabweichung“ darf dabei im vorangehenden Satz ausgeschrieben bleiben – die Abkürzung dient dann nur der kompakten Werteangabe, was den Lesefluss erheblich verbessert.

Einfach erklärt Schreiben Sie im Fließtext: „Die Experimentalgruppe erzielte einen höheren Mittelwert (M = 4.12, SD = 0.65) als die Kontrollgruppe (M = 3.54, SD = 0.71).“ – So verbinden Sie Lesbarkeit und formale Korrektheit auf einen Schlag.

Wenn Sie unsicher sind, wie der gesamte Ergebnisteil aufgebaut sein sollte, gibt der Beitrag Wie schreibe ich den Ergebnisteil? einen strukturierten Überblick.

Kompakte Übersichtstabelle

Die folgende Tabelle fasst die gängigsten statistischen Abkürzungen thematisch zusammen:

Statistische Abkürzungen und ihre Bedeutung (APA 7)
Symbol Bedeutung Bereich Kursiv?
M Arithmetischer Mittelwert Deskriptiv Ja
Mdn Median Deskriptiv Ja
SD Standardabweichung Deskriptiv Ja
SE Standardfehler Deskriptiv Ja
Stichprobenvarianz Deskriptiv Ja
N Gesamtstichprobe Deskriptiv Ja
n Teilstichprobe Deskriptiv Ja
CI Konfidenzintervall Deskriptiv / Inferenz Ja
t t-Teststatistik Inferenzstatistik Ja
F F-Ratio (Fisher) Inferenzstatistik Ja
χ² Chi-Quadrat Inferenzstatistik Nein
df Freiheitsgrade Inferenzstatistik Ja
p p-Wert (Irrtumswahrscheinlichkeit) Inferenzstatistik Ja
α Signifikanzniveau Inferenzstatistik Nein
r Pearson-Korrelation Zusammenhangsmaß Ja
Determinationskoeffizient Regression Ja
b Unstandardisierter Regressionskoeffizient Regression Ja
β Standardisierter Regressionskoeffizient Regression Nein
d Cohen’s d (Effektstärke) Effektstärke Ja
η² Eta-Quadrat Effektstärke Nein
OR Odds Ratio Effektstärke / Logistik Nein

Wer statistische Ergebnisse nicht nur korrekt benennen, sondern auch inhaltlich einordnen möchte, findet beim Thema statistische Ergebnisse interpretieren weiterführende Orientierung – denn die Abkürzung allein sagt noch nichts darüber aus, ob ein Befund praktisch bedeutsam ist.

Checkliste: Abkürzungen im Ergebnisteil

  • Statistische Symbole (außer griechischen Buchstaben) kursiv gesetzt?
  • N für Gesamtstichprobe und n für Teilstichproben konsequent unterschieden?
  • p-Werte exakt angegeben (nicht pauschal „p < .05″), bei sehr kleinen Werten p < .001?
  • Freiheitsgrade direkt hinter der Teststatistik in Klammern angegeben?
  • Effektstärken (d, η², r) zusätzlich zum p-Wert berichtet?
  • Dezimaltrennzeichen konsequent und einheitlich verwendet?
  • Deskriptive Kennwerte (M, SD) direkt bei der beschriebenen Gruppe angegeben?
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