Seit 2019 im DACH-RaumSeit 2019
50+ Statistik-Experten50+ Experten
Über 1.200 Projekte1.200+ Projekte
Alle StatistikprogrammeAlle Programme
Express möglichExpress
Statistik-Ratgeber

Was ist eine empirische Auswertung?

Statistische Auswertung · Maximilian Fuchs · 10. Mai 2026 · 8 Min. Lesezeit

Definition: Was bedeutet empirische Auswertung?

Eine empirische Auswertung ist die systematische Analyse von Daten, die durch Beobachtung, Befragung, Experiment oder andere Erhebungsverfahren gewonnen wurden. Kurz gesagt: Sie werten aus, was Sie tatsächlich gemessen oder erhoben haben – nicht, was Sie theoretisch erwarten würden.

Das Wort „empirisch“ leitet sich vom griechischen empeiria (Erfahrung, Beobachtung) ab und grenzt erfahrungsbasiertes Wissen von rein spekulativem oder theoretischem Wissen ab. Eine empirische Auswertung steht damit am Ende eines Forschungsprozesses, in dem zunächst Daten erhoben und anschließend mit geeigneten Methoden analysiert und interpretiert werden.

In wissenschaftlichen Abschlussarbeiten – ob Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation – ist die empirische Auswertung in der Regel das methodische Herzstück der Arbeit. Hier zeigt sich, ob Forschungsfragen und Hypothesen durch die erhobenen Daten gestützt oder widerlegt werden.

Gut zu wissen Der Begriff „empirische Auswertung“ wird im deutschsprachigen Raum teils synonym mit „empirischer Analyse“ oder „Datenauswertung“ verwendet. Gemeint ist immer: das methodisch geleitete Durcharbeiten realer Erhebungsdaten mit dem Ziel, belastbare Aussagen zu gewinnen. Mehr zum Unterschied zwischen empirischer Analyse und allgemeiner Analyse finden Sie in einem eigenen Beitrag.

Die wesentlichen Bestandteile einer empirischen Auswertung

Eine empirische Auswertung beschränkt sich nicht auf das bloße Berechnen eines statistischen Tests. Sie umfasst mehrere Schritte und Ebenen, die zusammen ein nachvollziehbares Gesamtbild ergeben. In universitären Leitfäden wird ausdrücklich gefordert, dass die Auswertung so dokumentiert wird, dass Auswahl der Methode, Datengrundlage und Interpretation für andere nachvollziehbar und prinzipiell replizierbar sind.

Typischerweise gliedert sich eine empirische Auswertung in folgende Kernbereiche:

  • Forschungsdesign: Welcher methodische Rahmen wurde gewählt (z. B. Querschnittstudie, Experiment, Fallstudie)?
  • Stichprobenbeschreibung: Wer oder was wurde untersucht, wie viele Fälle, welche Auswahlkriterien?
  • Datenerhebungsverfahren: Wie wurden die Daten gewonnen (Fragebogen, Interview, Beobachtung)?
  • Analyseverfahren: Welche statistischen oder qualitativen Methoden wurden angewendet und warum?
  • Ergebnisdarstellung: Wie werden die Befunde berichtet (Tabellen, Diagramme, deskriptive Kennwerte, Testergebnisse)?
  • Interpretation: Was bedeuten die Ergebnisse im Hinblick auf Forschungsfrage und Theorie?

Diese Struktur spiegelt sich auch in der Gliederung empirischer Abschlussarbeiten wider. Einen Überblick, in welchem Kapitel die Datenanalyse üblicherweise verankert wird, bietet der Beitrag Findet die Datenanalyse in Kapitel 3 oder 4 statt?

Quantitative vs. qualitative Auswertung

Empirische Auswertung ist kein einheitliches Konzept – sie unterscheidet sich grundlegend je nachdem, ob Ihre Daten quantitativer (Zahlen, Skalen, Messwerte) oder qualitativer Natur (Text, Sprache, Bedeutung) sind. Beide Ansätze gelten als empirisch, weil beide auf tatsächlich erhobenen Daten beruhen.

Quantitative Auswertung

Bei der quantitativen Auswertung werden numerische Daten mit statistischen Verfahren analysiert. Typische Schritte sind deskriptive Statistik (Mittelwerte, Häufigkeiten, Standardabweichungen), Hypothesentests (t-Test, ANOVA, Chi-Quadrat-Test) sowie Zusammenhangs- und Regressionsanalysen.

Das Ergebnis sind Kennzahlen und statistische Aussagen, die mit einer bestimmten Irrtumswahrscheinlichkeit verallgemeinert werden können. Für Ihre Masterarbeit oder Dissertation ist dieser Weg besonders dann sinnvoll, wenn Sie Zusammenhänge zwischen Variablen oder Unterschiede zwischen Gruppen quantifizieren möchten.

Qualitative Auswertung

Qualitative empirische Auswertung analysiert sprachliche oder visuelle Daten – etwa Interviewtranskripte, Fokusgruppenmitschriften oder offene Fragebogenantworten. Das Vorgehen ist methodisch genauso anspruchsvoll wie die quantitative Analyse, nur strukturell anders.

In der Praxis gilt qualitative Analyse als iterativer und interaktiver Prozess, der zu einer rigorosen und systematischen Interpretation textlicher Daten führt. Kernschritte sind das wiederholte Lesen der Materialien, das Codieren von Textpassagen und die Entwicklung übergreifender Themen. Dabei ist auf sogenanntes „shift and drift“ zu achten: Codes können sich im Zeitverlauf oder zwischen mehreren codierenden Personen verändern, weshalb ein standardisiertes Codebook unerlässlich ist.

Mixed Methods

Viele Forschungsprojekte kombinieren beide Ansätze. Dabei werden qualitative und quantitative Daten entweder sequenziell oder parallel erhoben und ausgewertet. Für Abschlussarbeiten bedeutet das oft erhöhten Aufwand, aber auch einen methodisch reichhaltigeren Befund.

Quantitative vs. qualitative empirische Auswertung im Vergleich
Merkmal Quantitativ Qualitativ
Datenbasis Zahlen, Skalen, Messwerte Text, Sprache, Beobachtungen
Typische Verfahren t-Test, Regression, ANOVA Inhaltsanalyse, Grounded Theory, thematisches Codieren
Ziel Hypothesen testen, Zusammenhänge quantifizieren Bedeutungen verstehen, Muster erkennen
Ergebnis Kennzahlen, p-Werte, Effektstärken Kategorien, Themen, Typologien
Stichprobengröße Meist größer (ab ca. 30–50 Fälle) Meist kleiner, theoretische Sättigung entscheidend

Ablauf einer empirischen Auswertung Schritt für Schritt

Wie geht man eine empirische Auswertung konkret an? Der Prozess lässt sich in fünf Phasen unterteilen, die aufeinander aufbauen. Einen tiefergehenden Blick auf die fünf Komponenten der Datenanalyse finden Sie in einem ergänzenden Beitrag.

1. Daten aufbereiten

Bevor Sie auswerten können, müssen Ihre Daten bereinigt und strukturiert vorliegen. Das bedeutet: fehlende Werte prüfen, Ausreißer identifizieren, Variablen korrekt kodieren und – bei Umfragedaten – Skalenniveaus festlegen. Dieser Schritt wird häufig unterschätzt, ist aber die Grundlage aller nachfolgenden Analysen.

2. Deskriptive Analyse durchführen

Beschreiben Sie zunächst Ihre Stichprobe und die zentralen Variablen: Häufigkeiten, Mittelwerte, Standardabweichungen, Median. Diese deskriptiven Kennwerte geben dem Lesenden einen ersten Überblick und sind in nahezu jeder empirischen Arbeit Pflicht – unabhängig davon, ob Sie quantitativ oder qualitativ vorgehen.

3. Analyseverfahren anwenden

Jetzt kommt das Kernstück: Sie wenden das Verfahren an, das Ihrem Forschungsdesign und Ihren Hypothesen entspricht. Bei quantitativen Designs sind das inferenzstatistische Tests oder multivariate Verfahren. Bei qualitativen Designs ist es etwa die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring oder ein thematisches Codierverfahren. Einen Überblick über wissenschaftliche Methoden für die Datenanalyse bietet ein weiterer Beitrag auf dieser Seite.

4. Ergebnisse darstellen

Gute Ergebnisdarstellung bedeutet: klar, präzise und dem Publikum angemessen. Tabellen und geeignete Diagrammtypen helfen dabei, Befunde visuell zugänglich zu machen. Wichtig ist, dass Sie Ergebnisse zunächst beschreiben, bevor Sie sie interpretieren.

5. Interpretieren und einordnen

Im letzten Schritt verbinden Sie Ihre Befunde mit Ihrer Forschungsfrage, Ihren Hypothesen und dem theoretischen Hintergrund. Was bedeuten die Ergebnisse? Werden Hypothesen bestätigt oder verworfen? Welche Einschränkungen hat Ihre Studie? Die Bedeutung empirischer Ergebnisse richtig einzuschätzen, ist eine eigenständige Kompetenz, die über das reine Rechnen hinausgeht.

Warum Transparenz und Dokumentation entscheidend sind

Eine empirische Auswertung ist nur dann wissenschaftlich valide, wenn sie nachvollziehbar dokumentiert ist. Das ist kein bürokratisches Detail, sondern ein Kernprinzip guter Wissenschaft.

Für die methodische Berichterstattung existieren inzwischen verbindliche Standards. In der Psychologie und Sozialforschung etwa unterscheiden sich die Anforderungen je nach Forschungsdesign erheblich: Für qualitative Studien gelten andere Dokumentationspflichten als für Mixed-Methods-Designs. Entsprechende Checklisten – etwa JARS-Qual oder Mixed Methods Article Reporting Standards – helfen dabei, die Nachvollziehbarkeit der Analyse für Gutachtende sicherzustellen.

Für Ihre Abschlussarbeit bedeutet das konkret: Beschreiben Sie nicht nur, was Sie gerechnet oder codiert haben, sondern auch warum Sie dieses Verfahren gewählt haben. Welche Voraussetzungen wurden geprüft? Welche Entscheidungen haben Sie beim Codieren getroffen? Solche Angaben erhöhen die Glaubwürdigkeit Ihrer Auswertung erheblich.

Einfach erklärt Stellen Sie sich vor, jemand anderes möchte Ihre Studie wiederholen. Ihre empirische Auswertung ist dann gut dokumentiert, wenn diese Person aus Ihrer Beschreibung heraus weiß: Welche Daten wurden erhoben, wie wurden sie aufbereitet, welche Methode wurde angewendet und wie wurden die Ergebnisse interpretiert – ohne bei Ihnen nachfragen zu müssen.

Wer professionelle Unterstützung bei der methodischen Planung und Durchführung sucht, findet auf der Seite zur statistischen Auswertung für empirische Abschlussarbeiten einen Überblick über die Möglichkeiten einer fachkundigen Begleitung.

Häufige Fehler bei der empirischen Auswertung

In der Praxis zeigt sich, dass bestimmte Fehler bei empirischen Auswertungen immer wieder auftreten – gerade bei Abschlussarbeiten. Die folgenden Punkte sollten Sie unbedingt im Blick behalten:

Häufiger Fehler Viele Studierende berichten nur p-Werte, ohne Effektstärken anzugeben. Ein signifikanter Befund sagt nichts darüber aus, wie bedeutsam ein Unterschied oder Zusammenhang in der Praxis ist. Ergänzen Sie Ihre Testergebnisse daher stets um geeignete Effektstärkemaße wie Cohens d, η² oder Cramers V.
  • Methode ohne Begründung: Es reicht nicht, ein Verfahren einfach anzuwenden. Erklären Sie, warum es für Ihre Fragestellung geeignet ist.
  • Voraussetzungen nicht geprüft: Viele Tests setzen Normalverteilung, Varianzhomogenität oder Unabhängigkeit voraus. Nicht geprüfte Voraussetzungen gefährden die Validität Ihrer Ergebnisse.
  • Interpretation mit den Daten verwechseln: Ergebnisse beschreiben, was gemessen wurde. Interpretation erklärt, was das bedeutet. Beides gehört klar getrennt.
  • Codierung ohne Codebook (qualitativ): Ohne standardisiertes Codebook sind qualitative Auswertungen schwer nachvollziehbar und anfällig für unbewusste Verzerrungen.
  • Stichprobe nicht beschrieben: Wer und wie viele Personen untersucht wurden, gehört in jede empirische Auswertung – ohne diese Angaben fehlt der methodische Kontext.

Wenn Sie wissen möchten, wie man empirische Daten methodisch korrekt analysiert, bietet der Beitrag Wie analysiert man empirische Daten? eine weiterführende Orientierung.

Fazit

Eine empirische Auswertung ist weit mehr als das Ausführen eines statistischen Tests oder das Codieren von Interviewpassagen. Sie ist ein strukturierter, methodisch begründeter Prozess, der von der Datenaufbereitung über die Analyse bis zur transparenten Interpretation reicht.

Ob quantitativ, qualitativ oder als Mixed-Methods-Design: Das Ziel ist immer dasselbe – aus erhobenen Daten belastbare, nachvollziehbare und für andere prüfbare Aussagen zu gewinnen. Wer diesen Prozess sauber dokumentiert, schafft die Grundlage für eine wissenschaftlich überzeugende Arbeit.

Einen umfassenden Einstieg in verschiedene Auswertungsmethoden sowie Beispiele für konkrete empirische Analysen finden Sie in den weiterführenden Beiträgen auf dieser Seite.

Empirische Auswertung Statistische Auswertung Datenanalyse Quantitative Methoden Qualitative Methoden Abschlussarbeit Forschungsdesign Mixed Methods

Ihr persönlicher Ansprechpartner

Maximilian Fuchs, M. Sc.

Teilen Sie uns mit, wie wir Ihnen helfen können.

  • Persönlicher Ansprechpartner
  • Schnelle Rückmeldung
  • Transparente Preise
  • Schutz Ihrer Daten

Fragen? Einfach anrufen!