Seit 2019 im DACH-RaumSeit 2019
50+ Statistik-Experten50+ Experten
Über 1.200 Projekte1.200+ Projekte
Alle StatistikprogrammeAlle Programme
Express möglichExpress
Statistik-Ratgeber

Was sind empirische Daten in einfachen Worten?

Statistische Auswertung · Maximilian Fuchs · 10. Mai 2026 · 7 Min. Lesezeit

Die einfache Antwort: Was sind empirische Daten?

Empirische Daten sind Informationen, die durch systematisches Beobachten, Befragen, Messen oder Experimentieren gewonnen werden – also aus der Wirklichkeit, nicht aus dem Kopf. Das Wort empirisch stammt aus dem Griechischen (empeiria) und bedeutet so viel wie „Erfahrung“ oder „Wahrnehmung durch die Sinne“.

Anders gesagt: Wenn Sie etwas nicht einfach annehmen oder logisch herleiten, sondern tatsächlich nachschauen, messen oder fragen – dann arbeiten Sie empirisch. Die Daten, die dabei entstehen, sind empirische Daten.

Einfach erklärt Eine Behauptung wie „Studierende schlafen im Durchschnitt weniger als sieben Stunden“ ist erst dann eine empirische Aussage, wenn jemand das tatsächlich gemessen hat. Solange sie nur auf Vermutungen basiert, ist sie keine empirische Aussage – egal wie plausibel sie klingt.

Woher kommen empirische Daten?

Entscheidend für empirische Daten ist die Methode ihrer Gewinnung. Forschung, die auf beobachteten und gemessenen Phänomenen beruht, leitet Wissen aus tatsächlicher Erfahrung statt aus Theorie oder reinem Nachdenken ab. Das klingt abstrakt, lässt sich aber an konkreten Erhebungsformen gut zeigen.

Typische Wege zur empirischen Datengewinnung

  • Befragungen: Fragebögen, Interviews, Online-Umfragen
  • Beobachtungen: Verhaltensbeobachtung in natürlichen oder kontrollierten Situationen
  • Experimente: Gezielte Manipulation einer Variable unter kontrollierten Bedingungen
  • Messungen: Reaktionszeiten, Testergebnisse, physiologische Werte
  • Dokumentenanalysen: Systematische Auswertung von Texten, Protokollen oder Archivmaterial

Allen diesen Methoden ist gemeinsam: Die Daten entstehen nicht am Schreibtisch, sondern im Kontakt mit dem Forschungsgegenstand. Das APA Dictionary der Psychologie betont dabei, dass die empirische Methode auf Experimenten und systematischer Beobachtung beruht – nicht auf rein theoretischen Argumenten.

Gut zu wissen Das Schlüsselwort ist systematisch. Ein zufälliger Eindruck – „Ich habe das Gefühl, dass meine Kommilitonen oft müde sind“ – ist kein empirisches Datum. Erst wenn dieser Eindruck mit einer dokumentierten Methode erhoben wird, zum Beispiel durch einen Fragebogen mit einer Stichprobe von 200 Personen, entsteht ein empirisches Datum.

Zahlen oder Texte: Zwei Arten empirischer Daten

Viele Studierende setzen empirisch automatisch mit statistisch oder zahlenbasiert gleich. Das ist ein verbreiteter Irrtum. In der Methodenliteratur wird ausdrücklich unterschieden: quantitative Forschung arbeitet mit Daten in Zahlenform, qualitative Forschung mit empirischen Daten, die nicht in Zahlenform vorliegen – beides ist gleichermaßen empirisch.

Quantitative empirische Daten

Quantitative Daten sind in Zahlen ausdrückbar und lassen sich statistisch auswerten. Typische Beispiele sind Skalenwerte aus Fragebögen (z. B. Likert-Skalen von 1 bis 5), Testergebnisse, Reaktionszeiten oder Häufigkeiten. Sie eignen sich für die quantitative Datenanalyse – also für Mittelwertvergleiche, Korrelationen, Regressionen und ähnliche Verfahren.

Qualitative empirische Daten

Qualitative Daten bestehen aus Sprache, Bildern oder Bedeutungen – zum Beispiel Interviewtranskripte, Beobachtungsprotokolle oder offene Antworten in Fragebögen. Sie sind genauso empirisch wie Zahlen, weil auch sie durch eine systematische Methode erhoben wurden. Der Unterschied liegt lediglich in der späteren Auswertung: Statt Statistik kommen interpretative Verfahren zum Einsatz.

Quantitative vs. qualitative empirische Daten im Überblick
Merkmal Quantitative Daten Qualitative Daten
Form Zahlen, Messwerte, Skalen Texte, Aussagen, Beschreibungen
Erhebung Fragebogen, Experiment, Test Interview, Beobachtung, Dokument
Auswertung Statistische Verfahren Inhaltsanalyse, Kodierung
Empirisch? Ja Ja

Was empirische Daten von anderen Daten unterscheidet

Nicht alles, was wie eine Tatsache klingt, ist ein empirisches Datum. Es lohnt sich, hier klar zu trennen – gerade wenn Sie eine wissenschaftliche Arbeit schreiben.

Empirisch vs. theoretisch

Theoretische Aussagen entstehen durch logisches Schlussfolgern, Modellbildung oder die Interpretation bestehender Literatur. Sie sind wertvoll, aber eben nicht empirisch. Ein empirisches Datum hingegen geht immer auf eine konkrete Erhebung zurück.

Empirisch vs. anekdotisch

Ein einzelnes persönliches Erlebnis oder eine Einzelbeobachtung ist keine empirische Grundlage. Empirische Daten sind systematisch und nachvollziehbar erhoben – sie müssen in ihrer Methode beschreibbar und im Prinzip wiederholbar sein.

Empirisch vs. normativ

Normative Aussagen bewerten, was sein soll. „Studierende sollten mehr schlafen“ ist normativ. „Studierende schlafen im Durchschnitt 6,4 Stunden pro Nacht (N = 350, gemessen mit einem standardisierten Schlafprotokoll)“ ist empirisch.

Häufiger Fehler In Bachelorarbeiten und Masterarbeiten wird der Theorieteil manchmal mit empirischen Befunden vermischt. Achten Sie darauf, klar zu trennen: Was stammt aus Ihrer eigenen Datenerhebung (empirisch), und was haben andere Forschende herausgefunden (Literatur)? Beides hat seinen Platz – aber an unterschiedlichen Stellen Ihrer Arbeit.

Konkrete Beispiele aus der Forschungspraxis

Um das Konzept greifbar zu machen, hier einige Beispiele aus verschiedenen Fächern – jeweils mit dem konkreten empirischen Datum und der Erhebungsmethode dahinter.

Psychologie

Eine Studie misst das Stresserleben von Studierenden vor und nach einer Prüfungsphase mit einem validierten Fragebogen (z. B. dem PSS, Perceived Stress Scale). Die Skalenwerte jeder Person sind empirische Daten. Warum Psychologen dabei so viel Wert auf systematisch erhobene Belege legen, erklärt unser Beitrag zum Thema empirische Belege in der Psychologie.

Medizin

In einer klinischen Studie wird der Blutdruck von Probandinnen und Probanden vor und nach einer Intervention gemessen. Die gemessenen Millimeter-Hg-Werte sind empirische Daten – erhoben mit einem standardisierten Messgerät unter dokumentierten Bedingungen.

Wirtschaftswissenschaften

Eine Befragung von 500 Konsumentinnen und Konsumenten erhebt deren Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Produkte. Die Antworten auf einer fünfstufigen Skala sind empirische Daten, die sich statistisch auswerten lassen.

Sozialwissenschaften

In einem qualitativen Forschungsprojekt werden 20 leitfadengestützte Interviews mit Geflüchteten geführt und transkribiert. Die Transkripte sind empirische Daten – sprachlich, aber systematisch erhoben und dokumentiert.

Empirische Daten in Ihrer Abschlussarbeit

Wenn Sie eine empirische Abschlussarbeit schreiben, erheben Sie selbst Daten – das ist der Kern des empirischen Vorgehens. Der Forschungsprozess folgt dabei einer klaren Abfolge: von der Fragestellung über die Methodenwahl und Datenerhebung bis hin zur Auswertung und Interpretation. Einen Überblick über die einzelnen Schritte liefert unser Beitrag zu den fünf Phasen des Forschungsprozesses.

Entscheidend ist dabei nicht nur, dass Sie Daten erheben, sondern wie Sie das tun. Hochschulrichtlinien verlangen in der Regel eine transparente Beschreibung der Methode: Wer wurde befragt oder beobachtet? Wie wurde vorgegangen? Wie wurden die Daten gesichert und ausgewertet? Nur wenn diese Fragen beantwortet sind, gelten Ihre Daten als methodisch fundiert und damit als empirisch belastbar.

Was bedeutet das für die Auswertung?

Empirische Daten müssen nach ihrer Erhebung ausgewertet werden – und das erfordert die passende Methode. Quantitative Daten werden statistisch analysiert, qualitative Daten mit interpretativen Verfahren. Welche Auswertungsmethoden dabei infrage kommen, hängt von Ihrem Forschungsdesign, dem Skalenniveau Ihrer Variablen und Ihrer Fragestellung ab.

Wer dabei Unterstützung benötigt, findet auf unserer Seite zur statistischen Auswertung für empirische Abschlussarbeiten einen Überblick über mögliche Formen der methodischen Begleitung – von der Planung bis zur Ergebnisdarstellung.

Checkliste: Sind Ihre Daten empirisch?

  • Die Daten basieren auf einer konkreten Erhebung (Befragung, Beobachtung, Experiment oder Messung)
  • Die Erhebungsmethode ist dokumentiert und nachvollziehbar
  • Die Daten entstammen dem Kontakt mit dem Forschungsgegenstand – nicht nur der Literatur
  • Die Erhebung erfolgte systematisch, nicht zufällig oder anekdotisch
  • Die Daten sind grundsätzlich durch andere Forschende wiederholbar erhebbar
Empirische Daten Forschungsmethoden Datenerhebung Quantitative Forschung Qualitative Forschung Abschlussarbeit Wissenschaftliches Arbeiten

Ihr persönlicher Ansprechpartner

Maximilian Fuchs, M. Sc.

Teilen Sie uns mit, wie wir Ihnen helfen können.

  • Persönlicher Ansprechpartner
  • Schnelle Rückmeldung
  • Transparente Preise
  • Schutz Ihrer Daten

Fragen? Einfach anrufen!