Wie erstellt man APA-konforme Grafiken?
In diesem Beitrag
- Was ist eine APA-Figure – und was nicht?
- Die Pflichtbestandteile einer APA-konformen Grafik
- Schritt für Schritt zur APA-konformen Grafik
- Figure Notes richtig einsetzen
- Gestaltungsprinzipien: Wie die Grafik selbst aussehen soll
- In welcher Software APA-Grafiken erstellen?
- Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
Eine APA-konforme Grafik besteht aus mehr als nur dem eigentlichen Diagramm. Sie umfasst zwingend eine Nummerierung, einen Titel, die Abbildung selbst und bei Bedarf eine Legende sowie eine Note – alles in einer festgelegten Reihenfolge und Formatierung. Wer diese Struktur kennt, kann Grafiken für Abschlussarbeiten schnell und sicher nach APA-Standard aufbauen.
Was ist eine APA-Figure – und was nicht?
Im APA-System gilt eine klare Unterscheidung: Alles, was kein Text und keine Tabelle ist, wird als Figure behandelt. Dazu zählen laut den offiziellen APA-Richtlinien zu Figures unter anderem:
- Balkendiagramme, Liniendiagramme und Kreisdiagramme
- Streudiagramme und andere statistische Plots
- Flowcharts und Prozessdiagramme
- Pfadmodelle und Strukturgleichungsmodelle
- Karten, Fotos und Illustrationen
- Infografiken und Studiendesign-Schemata
Tabellen sind ausdrücklich keine Figures und folgen einem eigenen Regelwerk. Wenn Sie also in Ihrer Abschlussarbeit ein Pfadmodell, ein CONSORT-Flowchart für Ihren Studiendesign-Abschnitt oder ein einfaches Balkendiagramm einbauen – all das sind Figures im Sinne von APA und werden entsprechend fortlaufend nummeriert.
Die Pflichtbestandteile einer APA-konformen Grafik
Eine vollständige APA-Figure besteht aus fünf Elementen, die in dieser Reihenfolge erscheinen:
| Element | Formatierung | Pflicht? |
|---|---|---|
| Figure Number | Fett, z. B. Figure 1 – fortlaufend nummeriert | Ja |
| Figure Title | Linksbündig, kursiv, in der Zeile unter der Nummer | Ja |
| Die Grafik selbst | Bild, Diagramm, Plot – optisch klar und lesbar | Ja |
| Figure Legend | Innerhalb der Grafik oder direkt darunter – erklärt Symbole und Farben | Nur wenn nötig |
| Figure Note | Unterhalb der Grafik, beginnend mit Note. in Kursivschrift | Nur wenn nötig |
Wichtig: Figure Number und Figure Title stehen oberhalb der Grafik, die Note steht unterhalb. Das ist ein häufiger Fehler – ausführlicher dazu im Abschnitt zu typischen Fehlern weiter unten.
Schritt für Schritt zur APA-konformen Grafik
1. Figure Number vergeben
Nummerieren Sie alle Figures in Ihrer Arbeit fortlaufend in der Reihenfolge, in der sie im Text erwähnt werden: Figure 1, Figure 2 usw. Im deutschsprachigen Raum ist auch Abbildung 1 üblich – prüfen Sie die Vorgaben Ihrer Hochschule. Die Nummer wird fett gesetzt und steht in einer eigenen Zeile oberhalb der Grafik.
2. Figure Title formulieren
Direkt unter der Nummer folgt der Titel der Abbildung – kursiv gesetzt, linksbündig. Ein guter Figure Title beschreibt, was die Grafik zeigt, ohne zu interpretieren. Beispiele:
- Mittelwertvergleich der Testergebnisse in den drei Bedingungsgruppen
- Streudiagramm des Zusammenhangs zwischen Studienzeit und Abschlussnote
- Pfadmodell zur Erklärung von Prüfungsangst durch Selbstwirksamkeit und Stressbewältigung
Der Titel soll präzise, aber knapp sein. Er ist kein vollständiger Satz mit Punkt am Ende.
3. Die Grafik gestalten
Die Grafik selbst sollte ohne Hintergrundfarbe, Gitternetzlinien oder dekorative Elemente auskommen. APA empfiehlt eine schlichte, klare Gestaltung – mehr dazu im Abschnitt zu Gestaltungsprinzipien.
4. Legend einbauen (wenn nötig)
Eine Legend erklärt Symbole, Farben oder Linienstile, die innerhalb der Grafik verwendet werden. Sie wird direkt in die Grafik integriert oder unmittelbar darunter platziert – vor der Note. Wenn Ihre Grafik selbsterklärend ist, brauchen Sie keine Legend.
5. Figure Note ergänzen (wenn nötig)
Die Note liefert ergänzende Informationen, die nicht in den Titel passen. Dazu zählen Abkürzungserklärungen, Signifikanzniveaus oder Quellenangaben bei übernommenen Daten. Die Note beginnt immer mit dem kursiv gesetzten Wort Note. – Näheres dazu im nächsten Abschnitt.
6. Im Text verweisen
Jede Figure muss im Fließtext erwähnt werden – bevor sie erscheint oder spätestens auf derselben Seite. Schreiben Sie zum Beispiel: „Wie in Figure 1 dargestellt, unterscheiden sich die Gruppen deutlich im Mittelwert.“ Wiederholen Sie dabei nicht alle Inhalte der Grafik im Text – weisen Sie stattdessen auf die zentrale Aussage hin.
Figure Notes richtig einsetzen
Die Figure Note ist optional – aber wenn Sie sie verwenden, gelten klare Regeln. Es gibt drei Arten von Notes, die auch kombiniert werden können:
- General Note: Gilt für die gesamte Abbildung. Erklärt allgemeine Abkürzungen, Maßeinheiten oder Stichprobeninformationen. Beginnt mit Note. in Kursivschrift.
- Specific Note: Gilt für ein bestimmtes Element der Grafik (z. B. eine einzelne Säule oder einen Datenpunkt). Wird mit einem hochgestellten Kleinbuchstaben gekennzeichnet.
- Probability Note: Erklärt Signifikanzniveaus, z. B. *p < .05. **p < .01.
Wenn Sie Daten oder Grafiken aus einer anderen Quelle übernehmen oder adaptieren, muss das zwingend in der Note dokumentiert werden – inklusive Quellenangabe im APA-Zitierstil. Das gilt auch für eigene Vorarbeiten. Diese Anforderung ist in der praxisorientierten Aufbereitung von APA-Figures für wissenschaftliche Arbeiten besonders klar herausgearbeitet.
Gestaltungsprinzipien: Wie die Grafik selbst aussehen soll
APA gibt nicht nur vor, wie Grafiken beschriftet werden – sondern auch, wie sie gestaltet sein sollen. Das Leitprinzip lautet: Klarheit vor Ästhetik.
Achsenbeschriftungen und Skalierung
Beide Achsen müssen beschriftet sein – inklusive Maßeinheit, wenn relevant. Die Skalierung soll die Daten nicht verzerren: Beginnt die y-Achse nicht bei null, muss das ersichtlich sein. Achsenbeschriftungen werden parallel zur jeweiligen Achse gesetzt.
Farbe und Graustufen
Für Printversionen empfiehlt APA, primär in Graustufen zu arbeiten – oder zumindest sicherzustellen, dass die Grafik auch in Schwarzweiß lesbar bleibt. Wenn Farbe eingesetzt wird, sollte sie bedeutungstragend sein, nicht dekorativ.
Schrift und Größe
Schriftgröße innerhalb der Grafik sollte zwischen 8 und 14 Punkt liegen und konsistent zur Schrift des übrigen Dokuments sein. Übermäßige Schriftvielfalt innerhalb einer Grafik ist zu vermeiden.
Keine dekorativen Elemente
3D-Effekte, Hintergrundbilder, Farbverläufe oder Schattierungen haben in APA-Figures nichts zu suchen. Gitterlinien werden nur eingesetzt, wenn sie das Ablesen der Werte tatsächlich erleichtern – und dann dezent.
Einen guten Überblick darüber, welche Grafiktypen für welche Fragestellungen und Datenniveaus geeignet sind, bietet der Artikel zum Thema passenden Diagrammtyp für statistische Daten wählen.
In welcher Software APA-Grafiken erstellen?
Die gute Nachricht: APA schreibt keine bestimmte Software vor. Die Anforderungen beziehen sich auf die Formatierung – nicht auf das Werkzeug. In der Praxis haben sich einige Optionen bewährt:
| Software | Stärken | Hinweise |
|---|---|---|
| R (ggplot2) | Hochwertige, reproduzierbare Grafiken; flexible APA-Themes verfügbar (z. B. jtools) |
Erfordert etwas Einarbeitungszeit |
| SPSS | Direkte Integration in den Analysefluss; Chart Editor für Nachbearbeitung | Standardgraiken oft nicht sofort APA-konform – manuelle Anpassung nötig |
| Excel | Weit verbreitet, einfach zu bedienen | 3D-Effekte und Standarddesigns deaktivieren; Hintergrundfarbe entfernen |
| Jamovi | Einfache Bedienung; Grafiken direkt aus der Analyse exportierbar | Eingeschränkte Anpassungsmöglichkeiten |
| Python (matplotlib / seaborn) | Sehr flexibel; APA-Styles programmierbar | Setzt Python-Kenntnisse voraus |
Unabhängig von der Software gilt: Die APA-Formatierung von Nummer, Titel und Note wird in der Regel im Textverarbeitungsprogramm (Word, LaTeX) ergänzt, nicht in der Grafiksoftware selbst. Die Grafik wird exportiert und im Dokument platziert – Nummerierung und Titel kommen dann als formatierter Text hinzu.
Einen ausführlichen Vergleich der gängigen Programme finden Sie im Artikel Grafiken erstellen mit SPSS, R oder Excel. Wer die professionelle Unterstützung bei Visualisierungen und statistischen Grafiken für die Abschlussarbeit sucht, findet dort auch einen Überblick über unsere Leistungen in diesem Bereich.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
In der Praxis tauchen immer wieder dieselben Probleme auf. Hier sind die häufigsten:
Fehlende Textreferenz
Grafiken, die im Text nicht erwähnt werden, haben in einer wissenschaftlichen Arbeit keine Daseinsberechtigung. Jede Figure braucht mindestens einen Verweis im Fließtext – in der Form „(siehe Figure 1)“ oder als direkten Bezug im Satz.
Dekorative statt informative Grafiken
Grafiken sollen Erkenntnisse vermitteln, nicht Seitenvolumen erzeugen. Visuelles Material muss notwendig sein – es darf nicht dazu dienen, schwache Ergebnisse hinter aufwendigen Darstellungen zu verbergen. Diese Anforderung ist in der offiziellen APA-Beispielsammlung für Figure-Typen implizit sichtbar: Alle gezeigten Figures transportieren eine klare inhaltliche Aussage.
Fehlende oder falsch formatierte Achsenbeschriftungen
Unbeschriftete Achsen sind ein klassischer Fehler, der von Betreuenden regelmäßig bemängelt wird. Achten Sie auf vollständige Beschriftung inklusive Einheit – zum Beispiel „Reaktionszeit (ms)“ statt nur „Zeit“.
Nicht nummerierte oder falsch nummerierte Figures
Die Nummerierung muss der Reihenfolge im Text entsprechen. Wenn Sie später Grafiken hinzufügen oder entfernen, prüfen Sie, ob die Nummerierung noch durchgehend korrekt ist.
Quellenangaben fehlen bei übernommenen Grafiken
Wer eine Grafik aus einer anderen Publikation übernimmt oder adaptiert, muss das zwingend in der Figure Note angeben – inklusive Zitatangabe und ggf. Copyright-Hinweis. Das gilt auch für adaptierte Darstellungen, nicht nur für 1:1-Übernahmen.
Checkliste: APA-konforme Grafik
- Figure Number vorhanden und fett formatiert (oberhalb der Grafik)
- Figure Title vorhanden, kursiv und linksbündig (direkt unter der Nummer)
- Beide Achsen vollständig beschriftet (inkl. Einheit)
- Keine 3D-Effekte, keine Hintergrundfarbe, kein dekorativer Schnickschnack
- Legend vorhanden, wenn Symbole oder Farben erklärt werden müssen
- Figure Note unterhalb der Grafik, beginnt mit kursivem Note.
- Quellenangabe in der Note, wenn Daten oder Grafik aus anderer Quelle
- Verweis auf die Figure im Fließtext des Manuskripts
- Nummerierung stimmt mit der Reihenfolge im Text überein
Wer bei der Abschlussarbeit unsicher ist, welche Grafiktypen sich für welche Ergebnisse eignen, findet im Artikel zu statistischen Grafiken in der Abschlussarbeit eine praxisnahe Orientierung. Für spezifische Visualisierungsformen – etwa Boxplots, Streudiagramme oder Diagramme mit Fehlerbalken – stehen jeweils eigene Ratgeber zur Verfügung.