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Statistik-Ratgeber

Wie führt man eine Regressionsanalyse für eine BWL-Arbeit durch?

BWL / VWL · Maximilian Fuchs · 6. Juni 2026 · 12 Min. Lesezeit

Was ist eine Regressionsanalyse – und warum eignet sie sich für BWL-Arbeiten?

Die Regressionsanalyse ist eines der meistgenutzten statistischen Verfahren in empirischen BWL-Abschlussarbeiten. Sie erlaubt es, den Zusammenhang zwischen einer Zielgröße – etwa Umsatz, Kundenzufriedenheit, Kaufabsicht oder Aktienrendite – und einer oder mehreren erklärenden Variablen systematisch zu quantifizieren.

Der entscheidende Vorteil gegenüber einer einfachen Korrelationsanalyse: Die Regression erlaubt es, den Einfluss einer einzelnen Variable zu schätzen, während andere Einflussfaktoren statistisch konstant gehalten werden. Genau das ist die sogenannte Ceteris-paribus-Logik, die in der Ökonometrie eine zentrale Rolle spielt. Ein Regressionskoeffizient beschreibt also nicht einfach einen bivariaten Zusammenhang, sondern den bereinigten Effekt einer Variable unter Kontrolle aller anderen im Modell enthaltenen Größen.

Für eine BWL-Arbeit bedeutet das: Sie können beispielsweise untersuchen, ob Werbeausgaben den Umsatz steigern – und dabei gleichzeitig für Faktoren wie Saisonalität, Unternehmensgröße oder Marktanteil kontrollieren.

Gut zu wissen: Zwischen einfacher linearer Regression (eine unabhängige Variable) und multipler linearer Regression (mehrere unabhängige Variablen) ist der praktische Unterschied gering – das Grundprinzip ist identisch. In BWL-Arbeiten ist die multiple Regression der Standard, weil wirtschaftliche Phänomene selten durch einen einzigen Faktor erklärt werden.

Voraussetzungen prüfen, bevor Sie das Modell schätzen

Ein häufiger Fehler in Abschlussarbeiten: Das Regressionsmodell wird in der Software geschätzt, ohne vorher zu prüfen, ob die Methode überhaupt auf die Daten anwendbar ist. Die OLS-Regression (Ordinary Least Squares) setzt bestimmte Bedingungen voraus, die Sie vor der Auswertung dokumentieren sollten.

Die wichtigsten Voraussetzungen im Überblick

  • Metrische abhängige Variable: Die Zielgröße muss kontinuierlich und metrisch skaliert sein (z. B. Umsatz in Euro, Rendite in Prozent). Bei binären Outcomes wie „Kauf: ja/nein“ ist eine logistische Regression das geeignetere Verfahren.
  • Lineare Beziehung: Der Zusammenhang zwischen den unabhängigen Variablen und der Zielgröße sollte annähernd linear sein. Streudiagramme helfen hier bei der Einschätzung.
  • Keine perfekte Multikollinearität: Die unabhängigen Variablen dürfen nicht zu stark miteinander korrelieren. Wie Sie damit umgehen, erklärt der Beitrag zur Multikollinearität in der Regressionsanalyse.
  • Homoskedastizität: Die Varianz der Residuen sollte über alle Ausprägungen der Prädiktoren hinweg konstant sein.
  • Normalverteilung der Residuen: Nicht die Rohdaten, sondern die Fehlerterme sollten annähernd normalverteilt sein – wichtig für Signifikanztests bei kleinen Stichproben.
  • Keine bedeutsamen Ausreißer: Einzelne extreme Werte können das gesamte Modell verzerren. In kleinen Stichproben – wie sie in Bachelor- oder Masterarbeiten oft vorkommen – kann ein einziger einflussreicher Datenpunkt die Koeffizienten erheblich verschieben.
Häufiger Fehler: Viele Studierende überspringen die Voraussetzungsprüfung und berichten direkt die Regressionsergebnisse. Prüfer erwarten in einer empirischen BWL-Arbeit aber explizit, dass Sie diese Annahmen getestet und dokumentiert haben – zumindest in einem kurzen Methodenabschnitt.

Schritt für Schritt: Das Regressionsmodell aufbauen

Eine Regressionsanalyse beginnt nicht in der Software, sondern am Schreibtisch. Die Modellformulierung, Variablenauswahl und Annahmenprüfung kommen vor der eigentlichen Schätzung – und bestimmen maßgeblich, wie aussagekräftig Ihre Ergebnisse am Ende sind.

Schritt 1: Zielgröße definieren

Legen Sie zunächst fest, was Sie erklären möchten. Typische abhängige Variablen in BWL-Arbeiten sind:

  • Umsatz, Gewinn oder Wachstumsrate
  • Kundenzufriedenheit oder Net Promoter Score
  • Kaufabsicht oder Zahlungsbereitschaft
  • Aktienrendite oder Tobin’s Q
  • Mitarbeiterzufriedenheit oder Kündigungsabsicht

Diese Variable muss klar operationalisiert und im Fragebogen oder Datensatz eindeutig messbar sein.

Schritt 2: Unabhängige Variablen theoretisch begründen

Wählen Sie Ihre Prädiktoren nicht nach dem Prinzip „was ich habe, nehme ich rein“, sondern auf Basis Ihrer theoretischen Literatur. Jede Variable im Modell sollte mit einem Argument aus der Forschungsliteratur begründet werden können.

Üblich ist die Unterscheidung zwischen Hauptprädiktoren (die Variablen, die Ihre Hypothesen testen) und Kontrollvariablen (Störfaktoren, die Sie statistisch herausrechnen wollen, z. B. Unternehmensgröße, Branche oder demographische Merkmale).

Schritt 3: Hypothesen formulieren

Leiten Sie aus dem theoretischen Rahmen konkrete, gerichtete oder ungerichtete Hypothesen ab. Ein Beispiel:

H1: Höhere Werbeausgaben gehen ceteris paribus mit einem höheren Umsatz einher.

Welche Hypothesentests für BWL-Abschlussarbeiten relevant sind, hängt von Ihrer Fragestellung und Datenstruktur ab – der Regressionsansatz ist aber in den meisten Fällen gut geeignet.

Schritt 4: Datenstruktur klären

Bevor Sie mit der Schätzung beginnen, sollten Sie wissen, welche Art von Daten Sie analysieren. Handelt es sich um:

  • Querschnittsdaten (einmalige Befragung, ein Zeitpunkt)?
  • Zeitreihendaten (ein Unternehmen über mehrere Jahre)?
  • Paneldaten (mehrere Unternehmen über mehrere Jahre)?

Datenstruktur und Forschungsfrage bestimmen die Methode – Querschnittsdaten, Paneldaten und Zeitreihen erfordern unterschiedliche Annahmen und häufig unterschiedliche Fehlerstrukturen. Wie Paneldaten in der VWL analysiert werden, ist ein eigenes Thema, das über die klassische OLS-Regression hinausgeht.

Das Regressionsmodell (multiple OLS)

Dabei steht für die abhängige Variable, für die Konstante (Intercept), für die Regressionskoeffizienten der Prädiktoren und für den Fehlerterm.

Modell schätzen – Welche Software nutzen Sie?

Für die Durchführung einer Regressionsanalyse stehen in BWL-Arbeiten mehrere Programme zur Verfügung. Die Wahl hängt von Ihrer Vorerfahrung, den Anforderungen Ihrer Hochschule und der Komplexität des Modells ab. Eine ausführlichere Übersicht bietet der Beitrag zur Software für die statistische Auswertung in BWL.

SPSS

Der häufigste Einstieg für Studierende ohne Programmierkenntnisse. Den Menüpfad finden Sie unter Analysieren → Regression → Linear. Dort wählen Sie die abhängige Variable, fügen Prädiktoren ein und können im Reiter „Statistiken“ Konfidenzintervalle, Kollinearitätsstatistiken und Residuenplots anfordern.

R

Für komplexere Modelle oder wenn Ihre Hochschule R voraussetzt, ist die Funktion lm() der Standard. Ein einfaches Beispiel:

R
# Modell schätzen
modell <- lm(umsatz ~ werbeausgaben + unternehmensgroesse + branche, data = meine_daten)

# Ergebnisse ausgeben
summary(modell)

# Konfidenzintervalle
confint(modell)

# Diagnostikplots (Residuen, Ausreißer, Homoskedastizität)
par(mfrow = c(2, 2))
plot(modell)

Stata

In wirtschaftswissenschaftlichen und ökonometrischen Arbeiten weit verbreitet. Der Befehl lautet regress umsatz werbeausgaben unternehmensgroesse i.branche. Stata bietet komfortable Optionen für robuste Standardfehler (, robust) und Fixed-Effects-Modelle.

Excel

Für sehr einfache Regressionen mit wenigen Variablen ist Excel über Daten → Datenanalyse → Regression nutzbar – für wissenschaftliche Abschlussarbeiten aber kaum empfehlenswert, da diagnostische Möglichkeiten stark eingeschränkt sind.

Ergebnisse interpretieren: Koeffizienten, R², p-Werte

Nach der Schätzung erhalten Sie eine Regressionstabelle mit mehreren Kennzahlen. Hier sind die zentralen Größen, die Sie verstehen und berichten müssen.

Zentrale Kennzahlen einer OLS-Regression und ihre Bedeutung
Kennzahl Bedeutung Typische Interpretation
β (Regressionskoeffizient) Steigung der Regressionsgerade für diesen Prädiktor „Steigt X um 1 Einheit, verändert sich Y um β Einheiten – ceteris paribus."
Standardisiertes β Koeffizient in Standardabweichungseinheiten Ermöglicht Vergleich der relativen Stärke verschiedener Prädiktoren
p-Wert Wahrscheinlichkeit, den beobachteten Effekt unter H₀ zu erhalten p < 0,05 → statistisch signifikant (α = 5 %)
Konfidenzintervall (95 %) Bereich, der den wahren Koeffizienten mit 95 % Wahrscheinlichkeit enthält Schließt das Intervall die Null ein, ist der Effekt nicht signifikant
R² (Bestimmtheitsmaß) Anteil der erklärten Varianz in Y R² = 0,45 → das Modell erklärt 45 % der Varianz in Y
Korrigiertes R² R² bereinigt um die Anzahl der Prädiktoren Bevorzugt bei Vergleich von Modellen mit unterschiedlich vielen Variablen
F-Statistik Gesamtsignifikanz des Modells Testet, ob das Modell insgesamt besser erklärt als das Nullmodell

Die Ceteris-paribus-Interpretation richtig anwenden

Ein Koeffizient von β = 0,32 für „Werbeausgaben" bedeutet: Steigen die Werbeausgaben um eine Einheit, erhöht sich der Umsatz um 0,32 Einheiten – unter der Bedingung, dass alle anderen Variablen im Modell konstant bleiben. Diesen Zusatz müssen Sie in der Ergebnisinterpretation explizit nennen.

Wie Sie Regressionskoeffizienten für wirtschaftswissenschaftliche Fragestellungen korrekt deuten, erklärt der weiterführende Beitrag zur Interpretation von Regressionskoeffizienten in der VWL ausführlich.

Kausalität vs. Assoziation

Das ist einer der kritischsten Punkte: Eine statistisch signifikante Regression beweist keine Kausalität. Regressionskoeffizienten dürfen nur dann kausal interpretiert werden, wenn das Forschungsdesign und die theoretischen Annahmen dies tragen. Bei Beobachtungsdaten – dem häufigsten Fall in BWL-Abschlussarbeiten – beschreibt das Modell in der Regel bedingte Zusammenhänge, keine kausalen Effekte. Formulieren Sie Ihre Interpretation entsprechend vorsichtig.

Häufige Fehler in BWL-Regressionen – und wie Sie sie vermeiden

Gerade in Abschlussarbeiten treten immer wieder dieselben Probleme auf. Kennen Sie diese im Vorfeld, können Sie sie gezielt vermeiden.

Zu viele Variablen, zu wenig Theorie

„Ich nehme einfach alle Variablen aus dem Fragebogen" – das führt zu Overfitting und inhaltlich nicht interpretierbaren Modellen. Jede Variable braucht eine theoretische Begründung. Welche statistischen Methoden in BWL-Abschlussarbeiten am häufigsten verwendet werden und wie man sie begründet, lohnt sich vorab zu lesen.

Fehlende Voraussetzungsprüfung

Homoskedastizität, Normalverteilung der Residuen und Multikollinearität müssen geprüft werden. Plotten Sie Residuen gegen geschätzte Werte und berechnen Sie den VIF (Variance Inflation Factor) für Multikollinearität. Ein VIF über 10 ist in der Regel problematisch.

Signifikanz mit Relevanz verwechseln

Ein statistisch signifikanter Koeffizient ist nicht automatisch praktisch bedeutsam – und umgekehrt kann ein nicht signifikanter Effekt bei kleiner Stichprobe trotzdem inhaltlich relevant sein. Berichten Sie deshalb neben p-Werten auch die Effektgröße und Konfidenzintervalle.

Datenstruktur ignorieren

Wenn Sie Unternehmens- oder Branchendaten über mehrere Jahre analysieren, ist eine einfache OLS-Regression oft nicht angemessen. Panelstrukturen erfordern Fixed- oder Random-Effects-Modelle. Auch das Thema Ökonometrie und wann man sie braucht gibt hier Orientierung.

Ergebnisse in der Arbeit darstellen

Die Regressionstabelle ist das zentrale Element Ihres Ergebnisabschnitts. Achten Sie auf folgende Punkte:

Checkliste: Regressionstabelle in der BWL-Arbeit

  • Alle Prädiktoren mit unstandardisierten und standardisierten Koeffizienten (β und β*)
  • Standardfehler oder Konfidenzintervalle für jeden Koeffizienten
  • p-Werte oder Signifikanzsterne (mit Legende: * p < 0,05, ** p < 0,01, *** p < 0,001)
  • R², korrigiertes R² und F-Statistik für das Gesamtmodell
  • Stichprobengröße N
  • Hinweis auf verwendete Kontrollvariablen
  • Dokumentation der Voraussetzungsprüfungen (zumindest im Methodenteil)

Neben der Tabelle brauchen Sie im Text eine verbale Interpretation jedes Hauptprädiktors. Nennen Sie Richtung, Größe und Signifikanz des Effekts und ordnen Sie ihn in Ihre Hypothesen ein. Ergänzen Sie, ob die Hypothese angenommen oder abgelehnt wird.

Nicht nur Signifikanz sollte berichtet werden, sondern auch Richtung, Größe und praktische Bedeutung der Effekte – das entspricht dem Standard, den aktuelle Methodenrichtlinien für empirische Arbeiten vorsehen.

Wenn Sie unsicher sind, wie Sie Ihren gesamten Auswertungsplan für eine empirische BWL-Arbeit strukturieren sollen, lohnt sich ein Blick auf die Planungsgrundlagen – die Regression ist darin nur ein Schritt von mehreren.

Fazit: Worauf kommt es wirklich an?

Eine Regressionsanalyse für eine BWL-Arbeit ist kein reines Softwareproblem – sie ist in erster Linie ein konzeptionelles und theoretisches Vorhaben. Die Software übernimmt die Rechnung; Ihre Aufgabe ist es, das Modell sinnvoll zu formulieren, die Voraussetzungen zu prüfen und die Ergebnisse korrekt zu interpretieren.

Der Weg führt dabei immer in derselben Reihenfolge: Zielgröße definieren → Prädiktoren theoretisch begründen → Hypothesen ableiten → Daten prüfen → Modell schätzen → Ergebnisse vorsichtig interpretieren. Wer diesen Ablauf konsequent einhält, legt eine methodisch solide Grundlage für seine Arbeit.

Falls Sie methodische Unterstützung bei der Planung oder Durchführung Ihrer Regressionsanalyse benötigen, finden Sie bei der statistischen Beratung für BWL und VWL erfahrene Ansprechpartner, die den gesamten Prozess von der Hypothesenformulierung bis zur Ergebnisdarstellung begleiten können.

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