Seit 2019 im DACH-RaumSeit 2019
50+ Statistik-Experten50+ Experten
Über 1.200 Projekte1.200+ Projekte
Alle StatistikprogrammeAlle Programme
Express möglichExpress
Statistik-Ratgeber

Kann man in JASP einen statistischen Test durchführen?

Jamovi / JASP · Maximilian Fuchs · 29. Mai 2026 · 7 Min. Lesezeit

Ja – JASP ist für statistische Tests gemacht

Ja, statistische Tests lassen sich in JASP problemlos durchführen. JASP wurde explizit für inferenzstatistische Verfahren entwickelt – also nicht nur für deskriptive Auswertungen, sondern gerade für die Überprüfung von Hypothesen mittels statistischer Tests.

Die Software richtet sich an Studierende und Forschende, die eine benutzerfreundliche Oberfläche ohne Programmierkenntnisse suchen. Wer beispielsweise eine Bachelorarbeit oder Masterarbeit mit empirischen Daten schreibt, findet in JASP einen direkten Einstieg in die statistische Analyse – ohne Code, ohne Lizenzkosten.

Gut zu wissen JASP ist vollständig kostenlos und open source. Ob sich JASP für Ihren Anwendungsfall lohnt und was die kostenlose Nutzung konkret bedeutet, erfahren Sie in unserem separaten Beitrag dazu.

Welche Tests stehen in JASP zur Verfügung?

JASP deckt die gängigsten statistischen Testverfahren ab, die in empirischen Abschlussarbeiten regelmäßig benötigt werden. Das Angebot geht dabei weit über einfache Mittelwertvergleiche hinaus.

Übersicht: Statistische Tests in JASP (Auswahl)
Testfamilie Verfahren in JASP Typischer Anwendungsfall
t-Tests Einstichproben-t-Test, unabhängiger t-Test, Messwiederholungs-t-Test Mittelwertvergleich zwischen zwei Gruppen
ANOVA Einfaktorielle ANOVA, mehrfaktorielle ANOVA, ANCOVA, MANOVA Vergleich von drei oder mehr Gruppen
Regression Lineare Regression, logistische Regression Vorhersage einer abhängigen Variable
Korrelation Pearson, Spearman, Kendall Zusammenhang zwischen zwei Variablen
Kontingenzanalysen Chi-Quadrat-Test, Fisher-Test Zusammenhang zwischen kategorialen Variablen
Nichtparametrische Tests Mann-Whitney-U, Wilcoxon, Kruskal-Wallis Ordinale Daten oder Verletzung der Normalverteilung

Diese Breite macht JASP für viele Fragestellungen in Psychologie, Sozialwissenschaften und Medizin geeignet. Wer wissen möchte, welche weiteren Stärken JASP im Vergleich zu anderen Programmen hat, findet dazu einen eigenen Überblick.

Beispiel: Unabhängiger t-Test Schritt für Schritt

Am besten lässt sich die Testdurchführung in JASP an einem konkreten Beispiel zeigen. Der unabhängige t-Test ist einer der häufigsten Tests in Abschlussarbeiten – er prüft, ob sich zwei Gruppen im Mittelwert einer metrischen Variable signifikant unterscheiden.

Daten laden und Menü aufrufen

Öffnen Sie JASP und laden Sie Ihre Datendatei (CSV oder SPSS-Format) über das Menü oben links. Anschließend navigieren Sie zum Bereich T-Tests in der oberen Menüleiste und wählen dort Independent Samples T-Test.

Variablen zuweisen

Ziehen Sie Ihre abhängige Variable (z. B. einen Testergebnis-Score) in das Feld Dependent Variables. Die Gruppierungsvariable (z. B. Geschlecht oder Behandlungsgruppe) kommt in das Feld Grouping Variable. JASP erkennt automatisch, welche Ausprägungen die Gruppen haben.

Der standardmäßig berechnete Test ist der klassische Student-t-Test in einer vollständig grafischen Umgebung – Sie müssen keine Syntax schreiben und erhalten die Ergebnisse sofort nach der Variablenzuweisung.

Ergebnisse ablesen

JASP zeigt das Ergebnis unmittelbar im rechten Ausgabefenster an: t-Wert, Freiheitsgrade, p-Wert und optional Effektstärken wie Cohens d. Das besondere an JASP ist die Live-Aktualisierung: Ändern Sie eine Option, passt sich die Ausgabe sofort an – ohne erneutes Ausführen.

Einfach erklärt Das Signifikanzniveau in JASP ist standardmäßig auf α = 0,05 gesetzt. Liegt der p-Wert darunter, gilt das Ergebnis als statistisch signifikant. Das Niveau lässt sich in den Einstellungen anpassen.

Annahmen prüfen vor dem Test

Wer einen statistischen Test durchführt, sollte vorher prüfen, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Das gilt für JASP genauso wie für jede andere Software. Für den t-Test sind dies vor allem Normalverteilung und Varianzhomogenität.

In JASP lassen sich diese Prüfungen direkt in derselben Analyse aktivieren:

  • Normalverteilung: Aktivieren Sie den Shapiro-Wilk-Test unter den Annahmentests. Ist der p-Wert > 0,05, gilt die Normalverteilungsannahme als nicht verletzt.
  • Varianzhomogenität: Der Levene-Test wird ebenfalls als Option angeboten. Fällt er signifikant aus, empfiehlt es sich, den Welch-korrigierten t-Wert mit angepassten Freiheitsgraden zu berichten.
  • Grafische Prüfung: Verteilungsplots und Boxplots lassen sich direkt in JASP anzeigen und geben einen schnellen visuellen Eindruck der Datenstruktur.

Wenn Normalverteilung oder Ordinalskalierung Probleme bereiten, bietet JASP innerhalb derselben Oberfläche nichtparametrische Alternativen an – etwa den Mann-Whitney-U-Test als direkten Ersatz für den unabhängigen t-Test.

Häufiger Fehler Viele Studierende führen den Test durch, ohne vorher die Testvoraussetzungen zu prüfen. Ein signifikantes Ergebnis verliert seine Aussagekraft, wenn die Annahmen des Verfahrens verletzt wurden. Aktivieren Sie deshalb immer die Annahmentests in JASP, bevor Sie Ergebnisse interpretieren.

Frequentistisch oder Bayesianisch – JASP bietet beides

Ein wesentliches Merkmal von JASP gegenüber klassischen Programmen ist die integrierte Unterstützung Bayesianischer Analysen. Für viele Tests – darunter t-Tests, ANOVA und Korrelationen – stehen Bayesianische Varianten direkt neben den klassischen Verfahren zur Verfügung.

Das bedeutet konkret: Sie können denselben Datensatz sowohl mit dem klassischen Hypothesentest (p-Wert, Konfidenzintervall) als auch mit dem Bayes-Faktor auswerten – und die Ergebnisse direkt vergleichen. Gerade in der Psychologie wird der Bayes-Faktor zunehmend als ergänzende oder alternative Kennzahl erwartet.

Ob JASP dabei mit SPSS vergleichbar ist oder sich grundlegend unterscheidet, hängt stark vom Anwendungsfall ab – ein Vergleich beider Programme lohnt sich vor der Methodenwahl.

Praktische Tipps für Studierende

JASP ist intuitiv, aber ein paar Punkte sollten Sie bei der Testdurchführung im Blick behalten:

  • Skalenniveau beachten: JASP erkennt Variablentypen zwar automatisch, aber nicht immer korrekt. Prüfen Sie in der Datentabelle, ob nominale, ordinale und metrische Variablen richtig gekennzeichnet sind – das beeinflusst, welche Tests angeboten werden.
  • Effektstärken aktivieren: p-Werte allein sagen wenig über die praktische Bedeutsamkeit aus. Aktivieren Sie in den Ausgabeoptionen die Effektstärke (z. B. Cohens d oder η²), damit Ihre Ergebnisse vollständig sind.
  • Ergebnisse exportieren: Die Ausgabe lässt sich als PDF oder als APA-formatierte Tabelle exportieren – das spart Zeit bei der Übernahme in die Arbeit.
  • Fragebogendaten: Bei Likert-Skalen aus Fragebögen müssen Sie vorab entscheiden, ob Sie die Items summieren oder mitteln. Wie man einen Fragebogen in JASP korrekt auswertet, erfordert einige zusätzliche Schritte.

Wenn Sie unsicher sind, welches Verfahren für Ihre konkrete Forschungsfrage das richtige ist, oder wenn Sie Schwierigkeiten bei der Interpretation der Ergebnisse haben, bietet QuantExpert methodische Begleitung für Auswertungen in JASP und verwandten Programmen an – von der Testwahl bis zur Ergebnisdarstellung.

Für einen direkten Einstieg in einen der häufigsten Tests finden Sie außerdem eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung im Beitrag zum t-Test in JASP sowie eine Anleitung zur Korrelationsanalyse in JASP.

JASP Statistischer Test t-Test ANOVA Hypothesentest Inferenzstatistik Statistiksoftware Abschlussarbeit

Ihr persönlicher Ansprechpartner

Maximilian Fuchs, M. Sc.

Teilen Sie uns mit, wie wir Ihnen helfen können.

  • Persönlicher Ansprechpartner
  • Schnelle Rückmeldung
  • Transparente Preise
  • Schutz Ihrer Daten

Fragen? Einfach anrufen!