Was kommt zuerst – Analyse oder Ergebnisse?
In diesem Beitrag
Die kurze Antwort: Was kommt wann?
Im fertigen Text kommen zuerst die Ergebnisse, danach die Analyse und Interpretation. Das gilt für Bachelorarbeiten, Masterarbeiten und wissenschaftliche Artikel gleichermaßen. Erst berichten Sie, was Ihre Daten zeigen – sachlich, vollständig, ohne Wertung. Danach erklären Sie, was diese Befunde bedeuten.
Die Reihenfolge beim Schreiben kann davon abweichen. Viele Forschende schreiben den Diskussionsteil erst, nachdem alle Ergebnisse vollständig aufbereitet sind – und das ist auch sinnvoll. Doch im Dokument selbst folgt die Diskussion immer auf die Ergebnisdarstellung.
Die IMRaD-Struktur als Orientierung
Die meisten empirischen Abschlussarbeiten und Forschungsberichte folgen der IMRaD-Struktur: Introduction – Method – Results – Discussion. Diese Gliederung ist in den Natur- und Sozialwissenschaften weit verbreitet und gibt die logische Abfolge eines wissenschaftlichen Berichts vor.
| Abschnitt | Inhalt | Frage, die er beantwortet |
|---|---|---|
| Introduction | Forschungsfrage, Hypothesen, Theoriehintergrund | Warum wurde die Studie durchgeführt? |
| Method | Design, Stichprobe, Instrumente, Analyseverfahren | Wie wurden die Daten erhoben und ausgewertet? |
| Results | Objektive Befunde, Tabellen, Abbildungen | Was wurde gefunden? |
| Discussion | Interpretation, Einordnung, Limitationen | Was bedeuten die Befunde? |
In der IMRaD-Logik ist die Abfolge eindeutig: Die Ergebnisse werden systematisch präsentiert, bevor die Diskussion ihre Bedeutung interpretiert. Der Ergebnisteil berichtet, was Sie gefunden haben – die Diskussion erklärt, warum das relevant ist.
Was gehört in den Ergebnisteil?
Der Ergebnisteil hat eine klare Aufgabe: Er macht Ihre Befunde nachvollziehbar, ohne sie bereits zu bewerten. Denken Sie an ihn als Bühne, auf der die Daten sprechen – Ihre eigene Stimme als Interpretierende kommt erst in der Diskussion dazu.
Typischer Aufbau eines Ergebnisteils
Ein gut strukturierter Ergebnisteil folgt in der Regel diesen Schritten:
- Kurze Einleitung: Bezug zu den Forschungsfragen oder Hypothesen herstellen
- Geordnete Darstellung der Befunde: Entweder thematisch (nach Hypothesen) oder chronologisch (nach Analyseabfolge)
- Abschließende Zusammenfassung: Zentrale Befunde knapp bündeln, bevor der Diskussionsteil beginnt
Tabellen und Abbildungen sind dabei willkommene Hilfsmittel – sie sollen die Ergebnisdarstellung unterstützen, aber nicht den Fließtext ersetzen. In der Fachliteratur wird empfohlen, Visualisierungen so einzusetzen, dass signifikante Muster und Trends für Lesende leichter erkennbar werden, während der Text die wichtigsten Zahlen benennt und kontextualisiert.
Wie Sie dabei statistische Ergebnisse im Text aufschreiben, folgt eigenen Konventionen – etwa wie Mittelwerte, Standardabweichungen und p-Werte zu formatieren sind.
Was nicht in den Ergebnisteil gehört
- Erklärungen, warum ein Befund so ausgefallen ist
- Vergleiche mit anderen Studien oder der Literatur
- Wertende Aussagen wie „überraschenderweise“ oder „leider“
- Schlussfolgerungen für die Praxis
All das gehört in die Diskussion – nicht in die Ergebnisse.
Analyse und Interpretation: Wo ist der Unterschied?
Die Begriffe Analyse, Ergebnisse und Interpretation werden im Alltag oft vermischt. Im wissenschaftlichen Schreiben bezeichnen sie aber unterschiedliche Schritte, die zeitlich und inhaltlich auseinandergehalten werden sollten.
| Begriff | Was passiert hier? | Wo im Text? |
|---|---|---|
| Analyse | Statistische Verfahren werden auf die Daten angewendet (z. B. t-Test, Regression) | Methodenteil (Vorgehen) + Ergebnisteil (Output) |
| Ergebnisse | Die Outputs der Analyse werden sachlich berichtet | Ergebnisteil |
| Interpretation | Die Befunde werden erklärt, eingeordnet und bewertet | Diskussionsteil |
Die Analyse ist also kein eigener Textabschnitt, sondern ein Prozessschritt, der sich auf zwei Abschnitte verteilt: Das Verfahren beschreiben Sie im Methodenteil, den Output berichten Sie im Ergebnisteil. Mehr dazu, wie Sie dabei vorgehen, erklärt der Ratgeber zur korrekten Interpretation statistischer Ergebnisse.
Wenn Sie sich fragen, wie man eine Interpretation formuliert, lohnt sich ein Blick auf den Unterschied zwischen beschreibenden und erklärenden Aussagen – beides hat seinen Platz, aber eben an unterschiedlichen Stellen im Text.
In welcher Reihenfolge sollten Sie schreiben?
Hier ist ein wichtiger Unterschied zwischen der Lesereihenfolge (wie das Dokument gelesen wird) und der Schreibreihenfolge (in welcher Reihenfolge Sie die Abschnitte verfassen) zu machen.
Die empfohlene Schreibreihenfolge
In der Praxis hat sich folgende Vorgehensweise bewährt:
- Methodenteil: Schreiben Sie diesen parallel zur Datenerhebung oder unmittelbar danach, solange die Entscheidungen noch frisch sind.
- Ergebnisteil: Sobald alle Analysen abgeschlossen sind, berichten Sie die Befunde systematisch. Visualisierungen entstehen hier oft als erstes.
- Diskussion: Erst wenn der Ergebnisteil vollständig ist, können Sie sinnvoll interpretieren – denn Sie brauchen das Gesamtbild aller Befunde.
- Einleitung und Fazit: Werden häufig zuletzt geschrieben oder überarbeitet, weil sie die Arbeit als Ganzes rahmen müssen.
In der Fachliteratur wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass viele Forschende mit den deskriptiven Abschnitten – Methode und Ergebnisse – beginnen, während die Diskussion erst nach abgeschlossener Analyse sinnvoll ausgearbeitet werden kann. Das entspricht auch der Erfahrung aus der Beratungspraxis: Wer versucht, Diskussion und Ergebnisse gleichzeitig zu schreiben, verliert schnell den Überblick darüber, was Befund und was Deutung ist.
Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden
Gerade in Abschlussarbeiten schleichen sich beim Verfassen des Ergebnisteils regelmäßig dieselben Fehler ein. Die häufigsten – und wie Sie sie umgehen:
Weitere häufige Probleme
- Ergebnisse ohne Bezug zu Hypothesen: Jeder Befund sollte erkennbar auf eine Forschungsfrage oder Hypothese einzahlen. Fehlende Querverweise machen den Ergebnisteil unlesbar.
- Tabellen ohne Textbeschreibung: Eine Tabelle allein reicht nicht. Der Fließtext muss die wichtigsten Werte benennen und hervorheben.
- Wichtige Kennwerte vergessen: Neben dem p-Wert gehören in der Regel auch Effektstärken und Konfidenzintervalle in die Ergebnisdarstellung. Was ein Signifikanzniveau von 0,05 bedeutet und wann ein Ergebnis als bedeutsam gilt, ist dabei nicht immer trivial – gerade Grenzfälle wie ein p-Wert von 0,055 sorgen häufig für Unsicherheit.
- Zu wenig Struktur: Ohne klare Gliederung nach Hypothesen oder Themenbereichen verlieren Lesende schnell den Überblick. Zwischenüberschriften helfen.
Wer unsicher ist, wie der Ergebnisteil vollständig und korrekt formuliert werden soll, findet in unserem ausführlichen Beitrag zum Schreiben des Ergebnisteils eine strukturierte Anleitung – inklusive typischer Formulierungsbausteine.
Die methodische Begleitung bei der Interpretation und Verschriftlichung statistischer Ergebnisse kann gerade dann sinnvoll sein, wenn die Grenze zwischen sachlicher Darstellung und Interpretation verschwimmt – ein Schritt, der in der Praxis schwieriger ist, als er auf den ersten Blick wirkt.