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Was macht man mit Stata?

Stata · Maximilian Fuchs · 27. Mai 2026 · 8 Min. Lesezeit

Was ist Stata – und wofür steht es?

Stata ist eine kommerzielle Statistiksoftware, die sich auf drei Kernaufgaben konzentriert: Daten verwalten, analysieren und grafisch darstellen. Das klingt zunächst abstrakt, beschreibt aber sehr präzise, was Studierende und Forschende in der täglichen Arbeit mit empirischen Daten tun müssen.

Laut der offiziellen Stata-Dokumentation ist die Software sowohl über eine grafische Benutzeroberfläche (GUI) als auch über eine Befehlszeile nutzbar – plattformübergreifend unter Windows, macOS und Linux. Gerade für den Einstieg ist die GUI praktisch: Sie können Befehle per Menü zusammenklicken und sehen gleichzeitig, welcher Stata-Befehl dabei erzeugt wird. Für komplexere Analysen und vor allem für die Dokumentation des Analyseprozesses ist die Befehlszeile der schnellere und nachvollziehbarere Weg.

Gut zu wissen Stata ist nicht „nur“ ein Statistikprogramm. Es vereint Datenmanagement, Modellschätzung, Visualisierung und Dokumentation in einer einzigen Umgebung – was es besonders für umfangreiche empirische Projekte attraktiv macht.

Daten importieren, prüfen und aufbereiten

Bevor in Stata auch nur eine einzige Regression gerechnet werden kann, muss der Datensatz in Form gebracht werden. Dieser Schritt – Datenbereinigung und -management – ist in der Praxis oft aufwändiger als die eigentliche Analyse.

Daten einlesen

Stata liest Daten aus einer Vielzahl von Formaten ein: CSV, Excel, SPSS, SAS, JSON und natürlich das eigene .dta-Format. Eine ausführliche Anleitung dazu finden Sie in unserem Artikel zum Datenimport in Stata. Sobald die Daten geladen sind, liegen sie im sogenannten Arbeitsspeicher vor – Stata arbeitet immer mit genau einem aktiven Datensatz.

Datensatz prüfen und bereinigen

Typische erste Schritte nach dem Import sind:

  • Überblick verschaffen mit describe, summarize und codebook
  • Fehlende Werte identifizieren und behandeln
  • Variablen umbenennen, umkodieren oder neu berechnen (generate, recode)
  • Ausreißer prüfen und ggf. ausschließen
  • Datensätze zusammenführen (merge) oder umstrukturieren (reshape)

Wie sauber dieser Prozess dokumentiert wird, entscheidet oft über die Qualität einer empirischen Arbeit. In der Forschungspraxis wird empfohlen, Cleaning-Code, explorative Analyse und finale Analyse strikt zu trennen – damit jede Phase unabhängig wiederholt werden kann und der Analyseprozess vollständig nachvollziehbar bleibt.

Projektstruktur und Ordnung

Professionelle Stata-Projekte folgen einer klaren Ordnerstruktur: separate Verzeichnisse für Rohdaten, bereinigte Daten, Do-Files und Outputs. Wer diese Struktur von Anfang an anlegt, spart später erheblich Zeit – besonders wenn Analysen überarbeitet oder von Betreuenden geprüft werden müssen.

Statistische Analysen durchführen

Das ist der Bereich, für den Stata am bekanntesten ist. Die Software bietet ein außergewöhnlich breites Spektrum an statistischen Verfahren – von einfachen Häufigkeitsauszählungen bis hin zu komplexen ökonometrischen Modellen.

Deskriptive Statistik

Zu Beginn jeder Auswertung stehen deskriptive Kennzahlen: Mittelwerte, Standardabweichungen, Häufigkeiten, Quantile. Stata liefert diese mit wenigen Befehlen und gibt die Ergebnisse in einem übersichtlichen Format aus, das sich direkt für Berichte und Tabellen eignet.

Inferenzstatistik und Hypothesentests

Gängige Tests wie t-Tests, Chi-Quadrat-Tests, ANOVA oder nicht-parametrische Alternativen lassen sich in Stata mit einem einzigen Befehl aufrufen. Die Ausgabe enthält standardmäßig Teststatistik, Freiheitsgrade, p-Wert und – je nach Befehl – Konfidenzintervalle.

Regressionsmodelle

Regressionsanalysen gehören zum Kernrepertoire von Stata. Ob lineare Regression (regress), logistische Regression (logit, probit), Poisson-Regression, Paneldatenmodelle (xtreg) oder Instrumentalvariablen-Schätzung (ivregress) – Stata bietet für nahezu jede Forschungsfrage ein passendes Modell. Einen konkreten Einstieg gibt unser Artikel zur Regressionsanalyse in Stata.

Lineare Regressionsgleichung

Erweiterte Verfahren

Für anspruchsvollere empirische Arbeiten bietet Stata außerdem:

  • Zeitreihenanalysen (tsset, ARIMA, VAR)
  • Überlebenszeit- und Ereignisanalysen (stset, Cox-Regression)
  • Mehrebenenmodelle (mixed)
  • Strukturgleichungsmodelle (sem, gsem)
  • Multiple Imputation fehlender Werte (mi-Befehle)

Ergebnisse visualisieren

Stata verfügt über ein leistungsfähiges Grafiksystem. Mit dem graph-Befehl und seinen zahlreichen Unteroptionen lassen sich Streudiagramme, Histogramme, Boxplots, Balkendiagramme, Zeitreihengrafiken und Regressionsgrafiken erstellen – alles direkt aus dem Datensatz heraus, ohne den Umweg über eine externe Anwendung.

Die Grafiken lassen sich im Stata-Grafikeditor nachbearbeiten und in verschiedenen Formaten exportieren (PNG, PDF, EPS). Für Abschlussarbeiten ist besonders nützlich, dass Grafikbefehle im Do-File gespeichert werden und damit beim nächsten Durchlauf exakt dieselbe Abbildung erzeugen.

Einfach erklärt Der Befehl twoway scatter y x || lfit y x erstellt in Stata ein Streudiagramm mit eingezeichneter Regressionsgerade – in einer einzigen Zeile Code.

Do-Files: Reproduzierbarkeit als Arbeitsgrundlage

Einer der wichtigsten Aspekte, den viele Einsteigende zunächst unterschätzen: Stata ist nicht nur ein Werkzeug zum Rechnen, sondern auch zum Dokumentieren und Reproduzieren von Analysen.

Ein Do-File ist eine Textdatei, die alle Stata-Befehle eines Analyseprojekts enthält. Wenn Sie Ihre Auswertung nicht per Menü, sondern per Do-File durchführen, können Sie die gesamte Analyse jederzeit mit einem Klick neu ausführen – sei es nach einer Datenkorrektur, einem Reviewer-Kommentar oder einer Änderung im Forschungsdesign.

Stata
* Master-Do-File: Ruft alle Analyseschritte auf
do "01_cleaning.do"
do "02_descriptives.do"
do "03_regression.do"
do "04_graphs.do"

In der Forschungspraxis ist ein sogenanntes Master-Do-File etabliert, das alle Teilskripte in der richtigen Reihenfolge aufruft. Das ermöglicht vollständige Reproduzierbarkeit des gesamten Workflows – von den Rohdaten bis zum fertigen Output. Gerade bei Abschlussarbeiten, bei denen Betreuer die Analyse nachvollziehen sollen, ist das ein echter Vorteil.

In welchen Fächern wird Stata eingesetzt?

Stata ist keine Nischensoftware. Sie ist in einer Reihe von Disziplinen fest etabliert – besonders dort, wo mit großen Beobachtungsdatensätzen gearbeitet wird.

Typische Einsatzfelder von Stata nach Fachbereich
Fachbereich Typische Anwendungen
Wirtschaftswissenschaften / VWL Ökonometrie, Paneldatenanalyse, Instrumentalvariablenschätzung
Epidemiologie / Public Health Überlebenszeitanalysen, logistische Regression, Querschnittstudien
Soziologie / Politikwissenschaft Umfrageanalysen, Mehrebenenmodelle, Längsschnittdaten
Psychologie Gruppenvergleiche, multiple Regression, Mediationsanalysen
Entwicklungsökonomie / Politikevaluation Difference-in-Differences, Matching, Randomisierte Experimente

Insbesondere in der Gesundheitsforschung, Soziologie und Ökonomie gilt Stata als verbreitetes Standardwerkzeug bei der Arbeit mit großen Datensätzen. Einer der Gründe dafür ist die konsistente Syntax: Wer einmal verstanden hat, wie Stata-Befehle aufgebaut sind, kann sich schnell in neue Verfahren einarbeiten, weil die Logik immer dieselbe bleibt.

Ob Ökonomen Stata heute noch nutzen oder ob andere Tools wie R und Python auf dem Vormarsch sind, ist eine Frage, die in akademischen Kreisen durchaus diskutiert wird. In vielen empirisch ausgerichteten Lehrstühlen ist Stata aber nach wie vor das Programm der Wahl.

Stata im Vergleich zu anderen Programmen

Wer mit Stata beginnt, fragt sich häufig: Warum nicht einfach Excel, SPSS oder R nutzen? Die Antwort hängt vom Anwendungsfall ab.

Stata vs. Excel

Excel ist für einfache Berechnungen und Diagramme gut geeignet, stößt aber bei statistischen Analysen schnell an seine Grenzen. Stata bietet eine deutlich breitere Palette an Verfahren, bessere Möglichkeiten zur Datenbereinigung und – entscheidend – einen reproduzierbaren Analyseprozess per Do-File. Warum viele Forschende Stata Excel vorziehen, lässt sich auf diesen Punkt reduzieren: Transparenz und Nachvollziehbarkeit.

Stata vs. R

R ist kostenlos, extrem flexibel und hat eine sehr aktive Community. Stata punktet dagegen mit einer flacheren Lernkurve, besserer Ausgabeformatierung direkt aus der Software heraus und einer in vielen Fachbereichen gut etablierten Dokumentationsbasis. Einen direkten Vergleich finden Sie in unserem Artikel Was ist einfacher – R oder Stata?.

Stata vs. SPSS

SPSS ist in der Psychologie weit verbreitet und punktet mit einer einsteigerfreundlichen Menüoberfläche. Stata ist insbesondere bei ökonometrischen Verfahren und Paneldaten deutlich leistungsfähiger und wird in der Forschung häufig als methodisch belastbarer eingestuft.

Häufiger Fehler Stata nur als „Klick-Software“ zu nutzen, ohne Do-Files zu schreiben. Wer Analysen ausschließlich über die Menüoberfläche durchführt, kann diese nicht reproduzieren – und riskiert bei Korrekturen, von vorne beginnen zu müssen.

Fazit: Was macht man mit Stata wirklich?

Stata ist mehr als ein Statistikrechner. In der Praxis umfasst die Arbeit mit Stata einen vollständigen empirischen Workflow:

Der typische Stata-Workflow im Überblick

  • Daten aus verschiedenen Quellen importieren und zusammenführen
  • Datensatz bereinigen, Variablen transformieren und dokumentieren
  • Deskriptive Statistiken berechnen und Überblick gewinnen
  • Statistische Modelle schätzen und Hypothesen testen
  • Ergebnisse visualisieren und für Berichte aufbereiten
  • Den gesamten Prozess in Do-Files reproduzierbar festhalten

Stata eignet sich besonders für empirische Abschlussarbeiten in Wirtschafts-, Sozial- und Gesundheitswissenschaften, bei denen es auf methodische Sorgfalt, nachvollziehbare Analysen und belastbare Ergebnisse ankommt. Die Kombination aus niedrigschwelligem Einstieg über die GUI und dem Potenzial für komplexe ökonometrische Modelle macht Stata zu einem Werkzeug, das sowohl im Bachelor als auch in Dissertationen und Forschungsprojekten zuverlässig funktioniert.

Wenn Sie bei Ihrer Stata-Auswertung Unterstützung benötigen – sei es bei der Datenbereinigung, der Wahl des richtigen Modells oder der Interpretation der Ergebnisse – finden Sie auf unserer Seite zur Stata-Hilfe und methodischen Begleitung weitere Informationen zu unseren Beratungsangeboten.

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