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Was ist SAS und wofür wird es in der Statistik verwendet?

SAS · Maximilian Fuchs · 19. Juni 2026 · 8 Min. Lesezeit

Was ist SAS?

SAS (Statistical Analysis System) ist eine kommerzielle Software-Suite für Datenmanagement, statistische Analyse und Berichtserstellung. Sie wird seit den 1970er Jahren vom amerikanischen Unternehmen SAS Institute Inc. entwickelt und gehört weltweit zu den etabliertesten Werkzeugen für quantitative Datenanalyse – insbesondere in Wirtschaft, Wissenschaft und regulierten Branchen wie der Pharmaindustrie.

Anders als reine Statistikpakete kombiniert SAS Datenaufbereitung, Modellierung und Ausgabe in einer einzigen integrierten Umgebung. Das bedeutet: Von der Rohdaten-Importierung über die Bereinigung und Transformation bis zur statistischen Auswertung und grafischen Darstellung läuft alles in derselben Plattform.

Gut zu wissen SAS ist keine Statistiksoftware im engeren Sinne, sondern ein umfassendes Analyse-Ökosystem. Der statistische Kern – SAS/STAT – ist nur eines von mehreren Modulen. Daneben gibt es unter anderem SAS/IML (für Matrixoperationen), SAS/GRAPH (Visualisierung) und SAS/ETS (Zeitreihenanalyse).

Für Studierende und Forschende im deutschsprachigen Raum ist SAS vor allem dann relevant, wenn die Forschungsumgebung – etwa ein Unternehmen, ein klinisches Institut oder ein Forschungskonsortium – auf SAS setzt oder wenn eine Abschlussarbeit in einem solchen Kontext entsteht.

Wie funktioniert SAS – DATA Steps und Procedures

Wer zum ersten Mal mit SAS arbeitet, stößt schnell auf ein Grundprinzip, das die gesamte Arbeitslogik der Software prägt: Jedes SAS-Programm besteht im Wesentlichen aus zwei Bausteinen – DATA Steps und Procedures (PROC-Schritte).

DATA Steps: Daten vorbereiten

Ein DATA Step dient dazu, einen SAS-Datensatz zu erstellen oder zu verändern. Hier werden Variablen definiert, Beobachtungen gefiltert, neue Merkmale berechnet und Daten in die für die Analyse benötigte Struktur gebracht. Dieser Schritt ist keine optionale Vorstufe – er ist integraler Bestandteil jedes sauber aufgebauten SAS-Projekts.

Das klingt zunächst nach einem Umweg, ist in der Praxis aber eine der größten Stärken von SAS: Wer seine Daten strukturiert aufbereitet, bevor er analysiert, vermeidet viele der häufigsten Fehlerquellen empirischer Arbeiten.

PROC-Schritte: Analysen durchführen

Nach der Datenvorbereitung übernehmen Procedures die eigentliche Analyse. Jede Prozedur ist für eine bestimmte Aufgabe zuständig – zum Beispiel:

  • PROC MEANS – deskriptive Statistiken (Mittelwert, Standardabweichung, Extremwerte)
  • PROC FREQ – Häufigkeitstabellen und Kreuztabellen
  • PROC REG – lineare Regressionsanalyse
  • PROC GLM – allgemeines lineares Modell, u. a. für Varianzanalysen
  • PROC LOGISTIC – logistische Regression
  • PROC CLUSTER – Clusteranalyse

Diese klare Trennung zwischen Datenmanagement und Analyse macht SAS-Programme gut nachvollziehbar und reproduzierbar – ein Merkmal, das in wissenschaftlichen und regulierten Umgebungen besonders geschätzt wird. Die Grundlogik von DATA Steps als Datenvorbereitung und Procedures als Analyseschritte ist der Einstiegspunkt, von dem aus sich alle weiteren SAS-Kenntnisse aufbauen lassen.

SAS
/* Beispiel: Einfaches SAS-Programm */

/* DATA Step: Datensatz einlesen und Variable berechnen */
DATA auswertung;
    SET rohdaten;
    alter_zentriert = alter - 30;
RUN;

/* PROC-Schritt: Deskriptive Statistiken ausgeben */
PROC MEANS DATA=auswertung MEAN STD MIN MAX;
    VAR alter_zentriert einkommen;
RUN;

Welche statistischen Verfahren bietet SAS?

Das Spektrum der in SAS verfügbaren statistischen Verfahren ist beträchtlich. SAS deckt ein breites Feld statistischer Analyseklassen ab, das von klassischen Standardverfahren bis hin zu spezialisierten Methoden reicht:

Statistische Verfahren in SAS – Auswahl nach Analyseklasse
Analyseklasse Typische Prozedur Typischer Einsatz
Varianzanalyse (ANOVA) PROC GLM, PROC ANOVA Gruppenvergleiche, Experimente
Regressionsanalyse PROC REG, PROC LOGISTIC Prognosemodelle, Zusammenhänge
Kategoriale Datenanalyse PROC FREQ, PROC CATMOD Häufigkeiten, Chi-Quadrat-Tests
Multivariate Analyse PROC FACTOR, PROC DISCRIM Faktoren- und Diskriminanzanalyse
Survival Analysis PROC LIFETEST, PROC PHREG Überlebenszeit, klinische Studien
Psychometrische Analyse PROC IRT, PROC CORRESP Testentwicklung, Skalierung
Clusteranalyse PROC CLUSTER, PROC FASTCLUS Segmentierung, Mustererkennung
Nichtparametrische Analysen PROC NPAR1WAY Nicht-normalverteilte Daten

Wer eine Regressionsanalyse in SAS durchführen möchte, findet dafür spezialisierte Prozeduren, die sowohl lineare als auch logistische und multivariate Modelle abdecken. Dabei gilt: SAS/STAT liefert nicht nur Standardtests, sondern ein vollständiges Ökosystem für Modellierung, Inferenz und Visualisierung – regelmäßig aktualisiert, um neue statistische Methoden zu integrieren.

Für Forschende, die mit fehlenden Werten oder sehr kleinen Stichproben arbeiten, ist außerdem relevant, dass SAS/STAT spezifische Verfahren für diese Szenarien bereithält – ein Aspekt, der gerade in der klinischen und sozialwissenschaftlichen Forschung häufig unterschätzt wird.

Wo wird SAS eingesetzt?

SAS hat sich in bestimmten Branchen und Forschungsfeldern als Quasi-Standard etabliert. Das hat historische Gründe – SAS war früh verfügbar und wurde von Regulierungsbehörden wie der FDA (US-Arzneimittelbehörde) als akzeptiertes Werkzeug für die Einreichung klinischer Studiendaten anerkannt.

Klinische Forschung und Pharmaindustrie

In der klinischen Forschung gilt SAS seit Jahrzehnten als Standardwerkzeug. Zulassungsbehörden weltweit akzeptieren SAS-Auswertungen als Bestandteil regulatorischer Einreichungen. Warum das so ist und welche spezifischen Anforderungen dahinterstecken, erklärt unser Beitrag zur Rolle von SAS in der klinischen Forschung und Pharmabranche.

Wirtschaft und Finanzwesen

Banken, Versicherungen und Unternehmensberatungen nutzen SAS für Risikomodellierung, Betrugserkennung und Kundensegmentierung. Große Datenmengen und hohe Anforderungen an Nachvollziehbarkeit und Dokumentation sprechen hier für SAS.

Akademische Forschung

In der Wirtschaftswissenschaft, Epidemiologie, Medizin und Sozialforschung ist SAS an vielen Hochschulen und Forschungsinstituten etabliert – insbesondere dort, wo Längsschnittdaten, Paneldaten oder komplexe Survivalanalysen durchgeführt werden.

Öffentlicher Sektor und Behörden

Statistische Ämter, Gesundheitsbehörden und Forschungseinrichtungen im öffentlichen Bereich verwenden SAS häufig für amtliche Statistiken und Bevölkerungsanalysen.

Einfach erklärt SAS ist besonders dort verbreitet, wo drei Dinge zusammenkommen: große oder komplexe Datensätze, hohe Anforderungen an Reproduzierbarkeit und ein institutionelles Umfeld, das dokumentierte, validierte Software vorschreibt.

Stärken und Schwächen von SAS im Überblick

Keine Software ist universell optimal. SAS hat klare Stärken, die seinen Einsatz in bestimmten Kontexten begründen – aber auch Eigenschaften, die für manche Projekte oder Nutzergruppen weniger geeignet sind.

Stärken

  • Validierte Verfahren: SAS/STAT-Releases sind dokumentiert und geprüft – wichtig in regulierten Forschungsumgebungen.
  • Skalierbarkeit: SAS verarbeitet zuverlässig sehr große Datensätze, die andere Software an ihre Grenzen bringen.
  • Breites Methodenspektrum: Von deskriptiver Statistik bis zur Hochleistungsmodellierung in einem System.
  • Integriertes Datenmanagement: DATA Steps ermöglichen saubere Datenvorbereitung ohne Wechsel in ein anderes Tool.
  • Institutionelle Akzeptanz: Besonders in der Pharmaindustrie und bei Behörden weitgehend anerkannt.

Schwächen

  • Kosten: SAS ist kommerziell und Lizenzen können teuer sein. Für Studierende gibt es jedoch Alternativen – mehr dazu in unserem Beitrag zu kostenlosem SAS-Zugang für Studierende.
  • Lernkurve: Wer bisher mit grafischen Oberflächen wie SPSS gearbeitet hat, muss sich an die primär syntaxbasierte Arbeitsweise gewöhnen.
  • Weniger Community-Ressourcen: Verglichen mit R oder Python ist die Open-Source-Community kleiner. Lösungen für spezifische Probleme sind seltener frei verfügbar.
  • Eingeschränkte Flexibilität für Spezialanwendungen: Für maschinelles Lernen und explorative Datenvisualisierung sind R oder Python häufig flexibler.

Wer zwischen SAS und anderen etablierten Statistikpaketen abwägt, findet im Beitrag zu den Unterschieden zwischen SAS und SPSS eine ausführliche Gegenüberstellung beider Systeme.

Für wen ist SAS geeignet?

Die Frage, ob SAS die richtige Software für eine Abschlussarbeit oder ein Forschungsprojekt ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie hängt von drei Faktoren ab:

  1. Institutioneller Kontext: Wird SAS in Ihrem Forschungsumfeld, Unternehmen oder an Ihrem Lehrstuhl eingesetzt? Dann ist es sinnvoll, diese Software zu erlernen.
  2. Datenkomplexität: Arbeiten Sie mit sehr großen Datensätzen, Längsschnittdaten oder müssen Sie komplexe Datenmanipulationen vor der Analyse durchführen? SAS ist hier besonders stark.
  3. Reproduzierbarkeit: Soll Ihre Analyse lückenlos dokumentiert und reproduzierbar sein – etwa für eine Publikation oder eine regulatorische Einreichung? SAS erfüllt diese Anforderungen zuverlässig.

Für Studierende, die eine Bachelorarbeit mit einem überschaubaren Datensatz und Standardverfahren schreiben, sind SPSS oder R in vielen Fällen pragmatischere Alternativen. Wer hingegen in einem Promotionsprojekt, einer klinischen Studie oder einem Industrieprojekt mit SAS konfrontiert wird, profitiert davon, die Software von Grund auf zu verstehen.

Häufiger Fehler SAS und die SAS-Programmiersprache werden manchmal gleichgesetzt. SAS ist eine vollständige Analyseplattform mit mehreren Modulen – die SAS-Sprache (DATA Steps + Procedures) ist das Werkzeug, mit dem Sie innerhalb dieser Plattform arbeiten. Die Module (SAS/STAT, SAS/IML, SAS/ETS usw.) sind lizenzierbare Erweiterungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Wenn Sie mit SAS arbeiten und dabei methodische Unterstützung benötigen – sei es bei der Datenaufbereitung, der Wahl des richtigen Verfahrens oder der Interpretation der Ergebnisse – bietet unsere SAS-Beratung gezielte Unterstützung durch erfahrene Statistikerinnen und Statistiker.

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