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Wie schreibe ich den Ergebnisteil?

Verschriftlichung / Ergebnisinterpretation · Maximilian Fuchs · 22. Mai 2026 · 9 Min. Lesezeit

Was gehört in den Ergebnisteil – und was nicht?

Der Ergebnisteil ist der Abschnitt Ihrer Arbeit, in dem Sie die Befunde Ihrer Studie in Bezug auf Ihre Forschungsfragen und Hypothesen darstellen. Die Kernregel ist denkbar einfach: Berichten, nicht interpretieren. Sie schildern, was Ihre Analyse ergeben hat – nicht, was das bedeutet oder warum das so ist. Das ist Aufgabe des Diskussionsteils.

Diese Trennung fällt vielen Studierenden schwer, weil sie intuitiv erklären wollen, was sie sehen. Doch die Abgrenzung ist entscheidend für eine klar strukturierte wissenschaftliche Arbeit. Der Ergebnisteil soll Fakten darstellen, aber nicht erklären, was sie bedeuten – diese Trennung ist eine der grundlegenden Anforderungen an wissenschaftliches Schreiben.

Was gehört in den Ergebnisteil?

  • Deskriptive Statistiken (Mittelwerte, Standardabweichungen, Häufigkeiten)
  • Ergebnisse inferenzstatistischer Tests (t-Wert, F-Wert, p-Wert, Freiheitsgrade)
  • Effektstärken (Cohens d, η², r)
  • Tabellen und Abbildungen mit den zentralen Befunden
  • Kurze Verweise auf die jeweilige Hypothese oder Forschungsfrage

Was gehört nicht in den Ergebnisteil?

  • Erklärungen, warum ein Ergebnis so ausgefallen ist
  • Vergleiche mit anderen Studien oder theoretischen Modellen
  • Schlussfolgerungen oder Implikationen für die Praxis
  • Methodenbeschreibungen (diese gehören in den Methodenteil)
  • Daten, die keinen Bezug zu Ihren Forschungsfragen haben
Gut zu wissen In manchen Fachzeitschriften und kürzeren Artikeln werden Ergebnisse und Diskussion in einem kombinierten Abschnitt zusammengeführt. In Abschlussarbeiten (Bachelor, Master, Dissertation) ist die strikte Trennung jedoch fast immer vorgeschrieben – prüfen Sie die Vorgaben Ihres Instituts.

Wie ist der Ergebnisteil aufgebaut?

Ein gut strukturierter Ergebnisteil folgt einem inneren Aufbau, der für den Lesenden nachvollziehbar ist. Die Struktur orientiert sich idealerweise an der Reihenfolge Ihrer Hypothesen oder Forschungsfragen, sodass ein klarer roter Faden entsteht.

Bewährte Grundstruktur

  1. Einstieg mit Bezug zur Forschungsfrage: Benennen Sie zu Beginn jedes Abschnitts, welche Hypothese oder Frage Sie im Folgenden beantworten.
  2. Deskriptive Statistiken zuerst: Beschreiben Sie zunächst die Stichprobe und die wichtigsten Verteilungskennwerte, bevor Sie zu den inferenzstatistischen Tests übergehen.
  3. Testergebnisse berichten: Stellen Sie die Ergebnisse Ihrer statistischen Tests systematisch dar – mit allen relevanten Kennwerten.
  4. Abschluss mit kurzer Zusammenfassung: Ein bis zwei Sätze, die die zentralen Befunde bündeln und den Übergang zum Diskussionsteil vorbereiten.

Zur Frage, in welcher Reihenfolge Analyse und Ergebnisdarstellung anzuordnen sind, gibt es in der Praxis manchmal Unsicherheiten – mehr dazu im Beitrag Was kommt zuerst – Analyse oder Ergebnisse?

Einfach erklärt Stellen Sie sich den Ergebnisteil wie einen strukturierten Bericht vor: Sie zeigen der Leserschaft, was die Daten sagen – sachlich, vollständig und in einer logischen Reihenfolge. Alles, was Sie selbst dazu denken, kommt erst in der Diskussion.

Wie formuliert man Ergebnisse im Text?

Die Sprache im Ergebnisteil ist sachlich und präzise. Sie berichten Befunde, ohne sie zu bewerten oder zu erklären. Das bedeutet nicht, dass der Text trocken sein muss – es geht um Klarheit, nicht um Monotonie.

Zwei grundlegende Formulierungstypen

Für die sprachliche Gestaltung hat sich in der akademischen Schreibpraxis eine hilfreiche Unterscheidung etabliert: Zwischen einem Location Statement, das auf eine Tabelle oder Abbildung verweist, und Highlighting Statements, die relevante oder signifikante Daten herausgreifen, lässt sich im Ergebnisteil klar trennen.

  • Location Statement: Verweist auf eine Tabelle oder Abbildung und benennt deren Inhalt. Beispiel: „Tabelle 2 zeigt die Mittelwerte und Standardabweichungen der Testwerte für beide Gruppen.“
  • Highlighting Statement: Greift einen konkreten, besonders relevanten Befund heraus. Beispiel: „Die Experimentalgruppe erzielte signifikant höhere Werte als die Kontrollgruppe (p < .001).“

Typische Formulierungsmuster

Für konkrete Formulierungshilfen – etwa wie man Mittelwerte, Signifikanzen oder Effektstärken sprachlich einbettet – bietet der Beitrag Statistik-Ergebnisse formulieren eine ausführliche Übersicht.

Einige bewährte Einstiegsmuster für einzelne Ergebnisabschnitte:

  • „Zur Überprüfung von Hypothese 1 wurde ein t-Test für unabhängige Stichproben durchgeführt.“
  • „Die Ergebnisse zeigen, dass …“
  • „Es zeigte sich ein signifikanter Unterschied zwischen …“
  • „Kein signifikanter Effekt wurde für … gefunden (p = .23).“
  • „Wie in Abbildung 1 dargestellt, …“

Tabellen und Abbildungen richtig einbinden

Tabellen und Abbildungen sind im Ergebnisteil oft das Herzstück der Darstellung – besonders in quantitativen Arbeiten. Sie ermöglichen es, viele Informationen kompakt zu bündeln, ohne den Fließtext zu überladen.

Die wichtigsten Regeln

  • Jede Tabelle und Abbildung muss im Text erwähnt werden. Niemals eine Grafik einfügen, ohne im Fließtext darauf zu verweisen.
  • Nummerierung und Titel sind Pflicht. Tabellen und Abbildungen erhalten eine fortlaufende Nummer und einen beschreibenden Titel – bei APA-Format über der Tabelle, unter der Abbildung.
  • Tabellen kommentieren, nicht wiederholen. Schreiben Sie im Fließtext nicht einfach dieselben Zahlen ab, die in der Tabelle stehen. Greifen Sie stattdessen die wichtigsten Befunde heraus.
  • Lesbarkeit vor Vollständigkeit. Zeigen Sie in Tabellen nur die Werte, die für Ihre Fragestellung relevant sind.

Für die formale Gestaltung nach APA-Standard – inklusive Tabellenstruktur, Fußnoten und Abkürzungsregeln – finden Sie eine detaillierte Anleitung im Beitrag Wie erstellt man APA-konforme Tabellen?

Abbildungen vs. Tabellen: Was wann?

Tabellen und Abbildungen im Ergebnisteil: Wann eignet sich was?
Darstellungsform Geeignet für Beispiel
Tabelle Präzise Zahlenwerte, Vergleiche mehrerer Gruppen Mittelwerte, SD, p-Werte, Korrelationsmatrix
Balken-/Säulendiagramm Gruppenvergleiche, Häufigkeiten Mittelwertvergleich zweier Gruppen
Streudiagramm Zusammenhänge zwischen zwei Variablen Korrelation zwischen Stressniveau und Schlafqualität
Boxplot Verteilung und Ausreißer Verteilung von Testergebnissen je Gruppe

Statistische Kennwerte korrekt berichten

Die korrekte Angabe statistischer Kennwerte ist einer der häufigsten Stolpersteine im Ergebnisteil. Welche Werte berichtet werden müssen, hängt vom jeweiligen Verfahren ab – es gibt jedoch allgemeine Standards, die für quantitative Abschlussarbeiten verbindlich sind.

Was immer angegeben werden sollte

Als branchenübergreifender Transparenzstandard für quantitative Forschung gilt: Relevante Analysen, Stichprobeninformationen, Ergebniskennwerte und designspezifische Angaben müssen nachvollziehbar dokumentiert werden. Das ist kein bürokratisches Ideal, sondern eine Mindestanforderung an replizierbare Forschung.

Konkret bedeutet das für die gängigsten Verfahren:

Notwendige Angaben nach statistischem Verfahren
Verfahren Anzugebende Kennwerte
t-Test M, SD je Gruppe, t(df), p, Cohens d
ANOVA M, SD je Gruppe, F(df1, df2), p, η² oder ω²
Pearson-Korrelation r(df), p (zweiseitig), ggf. Konfidenzintervall
Chi-Quadrat-Test χ²(df, N), p, Cramers V
Lineare Regression B, SE, β, t, p, R², F für das Gesamtmodell

Beispiel: t-Test im Fließtext

Ein korrekt berichteter t-Test für unabhängige Stichproben könnte im Fließtext so aussehen:

Die Experimentalgruppe () erzielte signifikant höhere Werte als die Kontrollgruppe (), .

Wie Mittelwert und Standardabweichung konkret im Text notiert werden, erklärt der Beitrag Wie gibt man Mittelwert und Standardabweichung in einem Text an? – inklusive APA-konformer Schreibweisen.

Wer sich über die gängigen Abkürzungen in der Statistik unsicher ist, findet dort eine vollständige Übersicht der wichtigsten Kürzel.

Typische Fehler im Ergebnisteil

Viele Schwächen im Ergebnisteil folgen wiederkehrenden Mustern. Die gute Nachricht: Wenn Sie diese kennen, lassen sie sich gezielt vermeiden.

Häufiger Fehler Der häufigste Fehler ist das unbeabsichtigte Interpretieren im Ergebnisteil. Formulierungen wie „Das zeigt, dass der Ansatz wirksam ist“ oder „Offensichtlich hängt das damit zusammen, dass…“ gehören in den Diskussionsteil – nicht in die Ergebnisdarstellung.

Weitere typische Schwachstellen

  • Fehlende Effektstärken: Der p-Wert allein sagt nichts über die praktische Bedeutsamkeit eines Effekts aus. Cohens d, η² oder r sollten immer ergänzt werden.
  • Zu viele Daten ohne Fokus: Nicht jede berechnete Statistik muss in den Ergebnisteil. Berichten Sie nur, was zur Beantwortung Ihrer Forschungsfragen beiträgt.
  • Tabellen ohne Textverweis: Jede Tabelle und jede Abbildung muss im Fließtext erwähnt und kurz kommentiert werden.
  • Nicht-signifikante Ergebnisse verschweigen: Auch Nullergebnisse gehören vollständig in den Ergebnisteil. Wie man sie sprachlich korrekt formuliert, zeigt der Beitrag Wie beschreibt man nicht-signifikante Ergebnisse?
  • Fehlende Freiheitsgrade: Immer mit angeben – sie sind für die Nachvollziehbarkeit und Replizierbarkeit der Ergebnisse unverzichtbar.
  • Unklare Bezüge zu den Hypothesen: Es muss für die Lesenden jederzeit erkennbar sein, auf welche Fragestellung sich ein berichtetes Ergebnis bezieht.

Besonderheiten bei qualitativen Ergebnissen

In qualitativen Arbeiten – etwa bei Interviewstudien oder inhaltsanalytischen Auswertungen – folgt der Ergebnisteil einer anderen Logik. Anstelle von Kennwerten und Tabellen stehen hier Kategorien, Themen und Zitate im Mittelpunkt.

Grundprinzipien qualitativer Ergebnisdarstellung

  • Kategorien oder Themen als Gliederungsprinzip: Strukturieren Sie den Ergebnisteil entlang der aus dem Material entwickelten Kategorien oder Themenbereiche.
  • Originalzitate als Belege: Zitate aus Interviews oder Dokumenten illustrieren und belegen Ihre Kategorisierungen. Verwenden Sie sie gezielt, nicht inflationär.
  • Anonymisierung: Personen werden in der Darstellung durchgängig durch Codes oder Pseudonyme ersetzt (z. B. „IP3″, „Teilnehmerin B“).
  • Trennung von Beschreibung und Interpretation: Auch in qualitativen Arbeiten gilt die Grundregel – was Sie im Material finden, gehört in den Ergebnisteil; was Sie daraus schlussfolgern, in die Diskussion.

Wer eine Umfragestudie ausgewertet hat und nun unsicher ist, wie die Ergebnisse systematisch darzustellen sind, findet im Beitrag Wie fasst man statistische Ergebnisse zusammen? praxisnahe Hinweise.

Überleitung zum Diskussionsteil

Der Ergebnisteil endet nicht einfach mit dem letzten berichteten Kennwert. Ein kurzer Abschlussabsatz, der die zentralen Befunde bündelt und die Lesenden auf den Diskussionsteil vorbereitet, gibt der Arbeit Kohärenz.

Dieser Absatz fasst zusammen, was die Analysen insgesamt ergeben haben – ohne bereits zu interpretieren. Typische Formulierungen:

  • „Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse, dass Hypothese 1 bestätigt werden konnte, während Hypothese 2 nicht unterstützt wurde.“
  • „Die vorliegenden Befunde liefern erste Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen X und Y, der im folgenden Abschnitt diskutiert wird.“

Was danach kommt – die inhaltliche Einordnung, der Vergleich mit bestehender Literatur und die Ableitung von Schlussfolgerungen – ist Gegenstand des Diskussionsteils. Die enge Verbindung zwischen beiden Abschnitten ist dabei kein Zufall: Ein präzise geschriebener Ergebnisteil ist die Voraussetzung für eine fundierte Diskussion.

Wenn Sie bei der Verschriftlichung und Interpretation Ihrer statistischen Ergebnisse Unterstützung benötigen, bietet die methodische Begleitung durch erfahrene Statistikerinnen und Statistiker eine strukturierte Hilfestellung – von der Auswertung bis zur finalen Formulierung.

Checkliste: Ergebnisteil fertig?

  • Alle Hypothesen bzw. Forschungsfragen werden adressiert
  • Deskriptive Statistiken sind vollständig berichtet (M, SD, n)
  • Alle Testkennwerte sind angegeben (Teststatistik, df, p, Effektstärke)
  • Jede Tabelle und Abbildung ist nummeriert, betitelt und im Text erwähnt
  • Keine Interpretationen oder Schlussfolgerungen im Ergebnisteil
  • Nicht-signifikante Ergebnisse sind vollständig berichtet
  • Abschlussabsatz leitet zum Diskussionsteil über
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