Wie verfasst man einen Ergebnisbericht?
In diesem Beitrag
Was ist ein Ergebnisbericht – und was gehört hinein?
Ein Ergebnisbericht dokumentiert, was Ihre Datenanalyse ergeben hat. Er beantwortet präzise und sachlich die Frage: Was haben Sie gemessen, berechnet oder beobachtet? Interpretationen, Bewertungen oder Schlussfolgerungen haben in diesem Abschnitt nichts zu suchen – das ist die Aufgabe der Diskussion.
Diese strikte Trennung ist kein formaler Selbstzweck. Sie sorgt dafür, dass Lesende Ihre Befunde eigenständig einordnen können, bevor sie Ihre Interpretation lesen. In der Wissenschaft gilt: Befunde und ihre Deutung sind zwei verschiedene Dinge.
Inhaltlich umfasst ein vollständiger Ergebnisbericht laut den Reporting-Standards für quantitative Forschung mindestens folgende Elemente: Angaben zur Stichprobe, die verwendeten Analyseverfahren, deskriptive Kennwerte, Teststatistiken, Effektgrößen und – sofern relevant – Konfidenzintervalle. Wer nur p-Werte berichtet und Effektgrößen weglässt, liefert ein unvollständiges Bild.
Die Struktur eines Ergebnisberichts
Eine bewährte Makrostruktur gliedert sich in drei Teile: eine kurze Einleitung, die strukturierte Darstellung der Befunde und einen abschließenden Absatz als Übergang zur Diskussion. Dieser Aufbau hat sich in der Hochschullehre weitgehend durchgesetzt – Ergebnisse sollen in logischer Reihenfolge, ohne Bias und ohne Interpretation dargestellt werden, gefolgt von einem klar abgegrenzten Übergang zur Diskussion.
1. Einleitungssatz: Rückbindung an die Forschungsfrage
Beginnen Sie den Ergebnisteil mit einem kurzen Satz, der Ihre Forschungsfrage oder Hypothese wieder aufgreift. Das ist kein Fehler – es ist bewusste Leserführung. Beispiel: „Im Folgenden werden die Ergebnisse zur Überprüfung der Hypothese dargestellt, dass Personen mit höherer Schlafdauer bessere kognitive Leistungen erbringen.“
2. Strukturierte Darstellung der Befunde
Präsentieren Sie Ihre Ergebnisse hypothesen- oder forschungsfragenweise. Das bedeutet: Jede Hypothese wird separat abgehandelt. Innerhalb dieser Einheit empfiehlt sich folgende Reihenfolge:
- Hypothese erneut kurz benennen
- Verwendetes Analyseverfahren nennen
- Deskriptive Kennwerte berichten (Mittelwerte, Standardabweichungen)
- Inferenzstatistisches Ergebnis inkl. Effektgröße angeben
- Kurzfazit: Wird die Hypothese gestützt oder abgelehnt?
Diese Abfolge macht Ihren Bericht transparent und nachvollziehbar – für Gutachter, aber auch für Sie selbst beim Schreiben der Diskussion. Eine detaillierte Anleitung, wie Sie den Ergebnisteil Ihrer Arbeit aufbauen, finden Sie in einem separaten Beitrag.
3. Abschlussabsatz als Übergang
Ein kurzer Schlusssatz fasst die zentralen Befunde zusammen und leitet zur Diskussion über. Formulieren Sie sachlich: „Insgesamt stützen die Ergebnisse die aufgestellte Hypothese teilweise; die genauen Implikationen werden im folgenden Abschnitt diskutiert.“
Statistische Kennwerte korrekt berichten
Einer der häufigsten Schwachpunkte in studentischen Ergebnisberichten ist die unvollständige Angabe statistischer Kennwerte. Ein p-Wert allein reicht nicht aus – er sagt nichts über die praktische Bedeutsamkeit eines Befunds.
Für einen t-Test sieht eine vollständige Berichterstattung zum Beispiel so aus:
Beispiel: t-Test im Fließtext
„Die Gruppe A erzielte einen signifikant höheren Mittelwert (M = 4.32, SD = 0.87) als Gruppe B (M = 3.78, SD = 0.91), t(98) = 2.94, p = .004, d = 0.61.“
Diese Darstellung folgt den Empfehlungen führender Schreibzentren: Teststatistiken und p-Werte sollten auf zwei Dezimalstellen gerundet und statistische Symbole wie M, SD, t und p kursiv gesetzt werden. Freiheitsgrade stehen in Klammern direkt hinter dem Testsymbol.
Welche Kennwerte gehören in welchen Kontext?
| Verfahren | Deskriptive Kennwerte | Inferenzstatistik | Effektgröße |
|---|---|---|---|
| t-Test | M, SD | t(df), p | Cohens d |
| ANOVA | M, SD je Gruppe | F(df1, df2), p | η² oder ω² |
| Chi-Quadrat-Test | Häufigkeiten, Prozentangaben | χ²(df), p | Cramers V |
| Korrelation | M, SD | r(df), p | r selbst ist Effektgröße |
| Regression | M, SD, Korrelationsmatrix | F, p, R², β | f² oder R² |
Welche statistischen Abkürzungen und Symbole in Ihrer Disziplin gebräuchlich sind und wie Sie sie korrekt formatieren, lohnt sich separat nachzuschlagen – gerade in fachübergreifenden Arbeiten gibt es hier Unterschiede.
Zur Frage, wie Sie Mittelwert und Standardabweichung korrekt im Fließtext angeben, gibt es ebenfalls einen eigenen Beitrag mit Beispielformulierungen.
Tabellen und Abbildungen sinnvoll einsetzen
Bei mehreren numerischen Ergebnissen – etwa Mittelwertvergleichen über fünf Gruppen oder einer Regressionsanalyse mit mehreren Prädiktoren – wird der Fließtext schnell unlesbar. Hier leisten Tabellen oder Grafiken einen echten Mehrwert.
Wann Tabellen, wann Grafiken?
- Tabellen eignen sich für genaue Zahlenwerte, die der Lesende direkt vergleichen oder nachschlagen möchte (z. B. Regressionskoeffizienten, Mittelwerte je Gruppe).
- Grafiken eignen sich für Trends, Verteilungen und Muster, die visuell schneller erfasst werden als in Zahlenform (z. B. Histogramme, Boxplots, Interaktionsplots).
- Fließtext reicht aus, wenn Sie nur ein oder zwei Kennwerte berichten – dann muss keine Tabelle her.
Wichtig: Jede Tabelle und jede Abbildung muss im Text erwähnt und kurz erläutert werden. Schreiben Sie nie einfach „Siehe Tabelle 1″ – beschreiben Sie, was die Tabelle zeigt und was das für Ihre Fragestellung bedeutet. Wie man Statistiken anschaulich präsentiert, also welche Darstellungsform wann sinnvoll ist, wird in einem separaten Artikel ausführlich behandelt.
Achten Sie außerdem darauf, dass Tabellen und Abbildungen formatkonform gestaltet sind. Wer nach APA-Stil arbeitet – in Psychologie und Sozialwissenschaften ist das weit verbreitet –, findet in unserem Beitrag zur Erstellung APA-konformer Tabellen eine vollständige Anleitung.
Häufige Fehler beim Verfassen eines Ergebnisberichts
In der Praxis tauchen immer wieder dieselben Schwachstellen auf. Einige davon lassen sich leicht vermeiden, wenn man sie kennt.
- Effektgrößen weglassen: Signifikanz sagt nichts über die praktische Relevanz. Ohne Effektgröße bleibt ein Befund inhaltlich schwer einzuordnen.
- Konfidenzintervalle ignorieren: Gerade in medizinischen und psychologischen Arbeiten werden Konfidenzintervalle inzwischen standardmäßig erwartet.
- Hypothesenbezug fehlt: Jedes berichtete Ergebnis sollte direkt einer Hypothese oder Forschungsfrage zugeordnet sein. Ergebnisse „ins Blaue“ zu berichten verwirrt Gutachter.
- Zu viele Details: Nicht jedes deskriptive Kennwertpaar muss im Fließtext stehen. Was in eine Tabelle passt, muss nicht auch vollständig im Text wiederholt werden.
- Inkonsistente Formatierung: Mal kursiv, mal nicht – mal zwei Dezimalstellen, mal drei. Wählen Sie ein Format und halten Sie es konsequent durch.
- Fehlende Rückbindung an das Design: Wenn Sie z. B. eine Längsschnitterhebung durchgeführt haben, muss das im Ergebnisteil sichtbar sein – etwa durch Zeitpunktvergleiche.
Wer unsicher ist, ob der eigene Ergebnisteil vollständig und korrekt aufgebaut ist, kann sich im Rahmen der professionellen Unterstützung bei der Ergebnisinterpretation und -verschriftlichung beraten lassen.
Schritt-für-Schritt: So gehen Sie vor
Wenn Sie einen Ergebnisbericht von Grund auf verfassen, hilft eine klare Arbeitsreihenfolge. Das klingt banal, aber gerade unter Zeitdruck verlieren viele Studierende den roten Faden.
- Hypothesen auflisten: Notieren Sie alle Hypothesen oder Forschungsfragen, die Sie statistisch überprüft haben. Das gibt Ihrem Bericht eine logische Gliederung.
- Analysereihenfolge festlegen: Berichten Sie in der Reihenfolge, die Ihrer Fragestellung entspricht – nicht in der Reihenfolge, in der Sie die Analysen durchgeführt haben. Zur Frage, was zuerst kommt – Analyse oder Ergebnisse, gibt es einen eigenen Beitrag.
- Deskriptive Statistik zuerst: Beginnen Sie jeden Abschnitt mit den beschreibenden Kennwerten, bevor Sie inferenzstatistische Ergebnisse anführen.
- Inferenzstatistik vollständig angeben: Teststatistik, Freiheitsgrade, p-Wert und Effektgröße – alle vier Elemente gehören dazu.
- Tabellen und Grafiken einbinden: Erstellen Sie diese parallel zum Schreiben, nicht im Nachhinein.
- Abschlussabsatz formulieren: Fassen Sie die wichtigsten Befunde in zwei bis drei Sätzen zusammen. Das erleichtert den Übergang zur Diskussion und hilft Lesenden, die Relevanz einzuordnen.
- Nochmals prüfen: Sind alle Hypothesen berücksichtigt? Fehlen Effektgrößen? Haben sich Interpretationen eingeschlichen?
Wie man statistische Ergebnisse im Text beschreibt – also welche sprachlichen Formulierungen sich bewährt haben – ist eine eigene Fähigkeit, die sich mit etwas Übung schnell verbessern lässt.
Checkliste: Vollständiger Ergebnisbericht
- Einleitungssatz mit Bezug zur Forschungsfrage vorhanden
- Jede Hypothese einzeln abgehandelt
- Analyseverfahren jeweils genannt
- Deskriptive Kennwerte (M, SD) berichtet
- Teststatistik, Freiheitsgrade und p-Wert angegeben
- Effektgröße inkl. Referenzwert berichtet
- Konfidenzintervalle (falls gefordert) enthalten
- Tabellen und Abbildungen im Text erläutert
- Keine Interpretationen oder Bewertungen im Ergebnisteil
- Abschlussabsatz als Übergang zur Diskussion formuliert
- Formatierung konsistent (Kursivschrift, Dezimalstellen)
Wenn Sie Ihren Ergebnisbericht fertiggestellt haben, folgt die inhaltliche Einordnung im Diskussionsteil. Wie Sie dort methodisch korrekt und argumentativ überzeugend vorgehen, erklärt unser Beitrag darüber, wie man statistische Ergebnisse im Diskussionsteil verarbeitet.
Wer sich grundlegend mit der korrekten Interpretation statistischer Ergebnisse vertraut machen möchte, findet dort eine umfassende Einführung in die wichtigsten Konzepte.