Was versteht man unter einer Auswertung?
In diesem Beitrag
Was ist eine Auswertung – eine klare Definition
Unter einer Auswertung versteht man im wissenschaftlichen Kontext die methodisch begründete Transformation von Rohdaten in belastbare Erkenntnisse. Sie ist damit weit mehr als das bloße Berechnen von Mittelwerten oder das Erstellen von Tabellen.
Statistik wird in der Fachliteratur als ein Fach beschrieben, das Daten nicht nur präsentiert, sondern auch interpretiert und argumentativ auswertet – Auswertung meint demnach die begründete Einordnung von Ergebnissen im Licht einer Forschungsfrage, nicht nur deren Berechnung. Das ist ein wichtiger Perspektivwechsel, besonders für Studierende, die Auswertung bislang vor allem mit Rechenoperationen verbunden haben.
Vereinfacht lässt sich sagen: Eine Auswertung beginnt dort, wo Rohdaten vorliegen, und endet dort, wo Sie eine fundierte Antwort auf Ihre Forschungsfrage geben können.
Quantitative und qualitative Auswertung im Vergleich
Auswertung findet nicht nur bei Zahlen statt. Je nachdem, welche Art von Daten Ihrer Studie zugrunde liegen, unterscheidet man zwei grundlegende Formen.
Quantitative Auswertung
Bei der quantitativen Auswertung stehen numerische Daten im Mittelpunkt – etwa Fragebogenwerte auf Likert-Skalen, Testergebnisse oder Messwerte aus Experimenten. Die Auswertung folgt dabei einem klaren Schema: Daten werden bereinigt, deskriptiv beschrieben und anschließend mit inferenzstatistischen Verfahren auf Signifikanz geprüft.
Ein zentrales Prinzip: Deskriptive Statistik fasst Daten zusammen, während inferenzielle Statistik Schlussfolgerungen über Populationen auf Basis von Stichproben ermöglicht. Beide Ebenen gehören zu einer vollständigen quantitativen Auswertung. Welche Auswertungsverfahren dabei zur Wahl stehen, hängt vom Skalenniveau und der Fragestellung ab.
Qualitative Auswertung
Qualitative Daten – zum Beispiel Interviewtranskripte, offene Antworten oder Beobachtungsprotokolle – werden nicht berechnet, sondern systematisch verdichtet, codiert und interpretiert. Eine qualitative Auswertung umfasst das Entwickeln von Codes, das Bilden von Kategorien, das Erkennen von Mustern und das kontrollierte Ziehen von Schlussfolgerungen.
Wichtig ist dabei: Qualitative Auswertung ist anfällig für subjektive Vorannahmen. Deshalb sind methodische Transparenz und ein nachvollziehbares Vorgehen – etwa nach Mayring oder Grounded Theory – unerlässlich.
| Merkmal | Quantitativ | Qualitativ |
|---|---|---|
| Datenbasis | Zahlen, Messwerte, Skalen | Texte, Interviews, Beobachtungen |
| Verfahren | Statistiktests, Kennwerte | Codierung, Kategorienbildung |
| Ziel | Generalisierbare Aussagen | Tiefes Sinnverstehen |
| Typische Tools | SPSS, R, Stata, Jamovi | MAXQDA, Atlas.ti |
| Gütekriterien | Objektivität, Reliabilität, Validität | Nachvollziehbarkeit, Transferierbarkeit |
Auswertung als strukturierter Prozess
Ein häufiges Missverständnis: Viele Studierende verstehen Auswertung als einmalige Handlung – man drückt auf „Berechnen“ und das Ergebnis erscheint. In der Praxis ist Auswertung jedoch ein iterativer, mehrstufiger Prozess.
Bevor die eigentliche Analyse beginnt, sollten grundlegende Fragen geklärt werden: Um welche Art von Daten handelt es sich? Wie wurden sie erhoben? Sind sie vollständig und strukturiert? Welche abhängigen und unabhängigen Variablen gibt es? Erst dann lässt sich begründet entscheiden, welche Methoden passen – denn die Auswahl der Analyseform gehört bereits zum Auswertungsprozess selbst, nicht erst die Ergebnistabelle am Ende.
Die typischen Phasen einer Auswertung
- Datenvorbereitung: Fehlende Werte prüfen, Daten kodieren, Skalenniveaus festlegen
- Deskriptive Analyse: Häufigkeiten, Mittelwerte, Streuungsmaße berechnen und darstellen
- Voraussetzungsprüfung: Normalverteilung, Varianzhomogenität und weitere Annahmen testen
- Inferenzstatistik / Codierung: Hypothesen testen (quantitativ) oder Kategorien bilden (qualitativ)
- Interpretation: Ergebnisse im Kontext der Forschungsfrage einordnen, Grenzen benennen
Eine detaillierte Übersicht über alle Schritte finden Sie im Beitrag zu den 7 Schritten der Datenanalyse.
Was bedeutet Auswertung konkret für Ihre Abschlussarbeit?
In Bachelor- und Masterarbeiten ist die Auswertung in der Regel das Herzstück des empirischen Teils. Sie zeigt, ob Ihre Hypothesen bestätigt oder widerlegt wurden – und damit, ob Ihre Forschungsfrage beantwortet werden kann.
Was gehört zur Auswertung in einer Abschlussarbeit?
Eine vollständige Auswertung in einer empirischen Arbeit umfasst typischerweise folgende Bestandteile:
- Beschreibung der Stichprobe (deskriptive Statistik)
- Prüfung der Voraussetzungen für die gewählten Testverfahren
- Durchführung der eigentlichen statistischen Tests oder qualitativen Analyseschritte
- Darstellung der Ergebnisse in Tabellen und/oder Grafiken
- Interpretation der Befunde im Zusammenhang mit der Forschungsfrage
- Diskussion von Einschränkungen und Grenzen der Auswertung
Was genau in Ihrer Auswertung enthalten sein muss, hängt von Ihrem Forschungsdesign, der gewählten Methode und den Anforderungen Ihrer Hochschule ab. Einen guten Überblick gibt der Beitrag Was muss in eine Auswertung rein?
Auswertungsplan vorab erstellen
Ein oft unterschätzter Schritt: Wer vor der Datenerhebung bereits einen Auswertungsplan erstellt, spart später erheblich Zeit und vermeidet methodische Sackgassen. Im Plan wird festgehalten, welche Variablen mit welchen Verfahren analysiert werden sollen – und welche Voraussetzungen dafür geprüft werden müssen.
Wer unsicher ist, welches Verfahren zur eigenen Forschungsfrage passt, findet im Beitrag zum passenden statistischen Verfahren eine strukturierte Orientierungshilfe.
Checkliste: Ist Ihre Auswertung vollständig?
- Sind alle relevanten Variablen berücksichtigt?
- Wurde die Stichprobe deskriptiv beschrieben?
- Wurden die Testvoraussetzungen geprüft?
- Sind die eingesetzten Verfahren begründet?
- Werden Ergebnisse sowohl berichtet als auch interpretiert?
- Werden Einschränkungen der Auswertung transparent gemacht?
Typische Missverständnisse rund um den Begriff Auswertung
In der Praxis begegnen einem immer wieder dieselben Denkfehler – gerade bei Studierenden, die zum ersten Mal eine empirische Arbeit schreiben.
Auswertung ≠ Ergebnisdarstellung
Viele verwechseln Auswertung mit der bloßen Darstellung von Tabellen und Grafiken. Eine Tabelle mit Mittelwerten ist aber noch keine Auswertung – erst die Interpretation dieser Werte im Kontext der Hypothesen macht daraus eine wissenschaftlich verwertbare Aussage. Wie eine statistische Auswertung der Ergebnisse konkret aussieht, zeigt unser separater Beitrag zu diesem Thema.
Auswertung ≠ immer quantitativ
Der Begriff Auswertung wird häufig ausschließlich mit statistischen Tests verknüpft. Dabei hat auch die qualitative Auswertung in der empirischen Forschung einen festen und gleichwertigen Platz – insbesondere in der Psychologie, Sozial- und Erziehungswissenschaft.
Auswertung ist kein einmaliger Akt
Wer glaubt, Auswertung sei in einem Nachmittag erledigt, unterschätzt den Prozess. Datenbereinigung, Voraussetzungsprüfungen, Methodenwahl und Interpretation sind eigenständige Arbeitsschritte, die Zeit, Sorgfalt und methodisches Wissen erfordern. Das gilt umso mehr für komplexere Designs – etwa in einer Masterarbeit oder Dissertation.
Wenn Sie Unterstützung bei der Planung oder Durchführung Ihrer Auswertung benötigen, finden Sie auf der Seite zur statistischen Auswertung für empirische Abschlussarbeiten einen Überblick über die Möglichkeiten der professionellen methodischen Begleitung.
Wenn Sie den Aufwand realistisch einschätzen möchten, finden Sie auf unserer Seite zu den Kosten einer statistischen Auswertung eine strukturierte Orientierung zu Preisen, Leistungsumfang und Einflussfaktoren.