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Wie viele Schritte hat die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring?

Qualitative Analyse · Maximilian Fuchs · 23. Mai 2026 · 7 Min. Lesezeit

Die kurze Antwort: Acht Schritte

Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring umfasst in ihrer aktuellen Darstellung acht Schritte. Der Forschungsprozess reicht von der Formulierung der Forschungsfrage bis zur Reflexion der Forschungsimplikationen. Im offiziellen Inhaltsverzeichnis des SAGE-Lehrbuchs werden diese acht Schritte als eigenständige Kapitel des Forschungsprozesses ausgewiesen – von der Fragestellung über die Methodenwahl und Durchführung bis zur Qualitätsdiskussion.

Wichtig: Diese acht Schritte beschreiben den übergeordneten Forschungsprozess. Mayring unterscheidet davon separat acht Analysetechniken – ein Unterschied, der in der Praxis häufig für Verwirrung sorgt. Dazu mehr weiter unten.

Die acht Schritte im Überblick

Der achtstufige Prozess strukturiert qualitative Inhaltsanalyse vom ersten Forschungsgedanken bis zur wissenschaftlichen Einordnung der Ergebnisse. Die folgende Tabelle gibt einen kompakten Überblick:

Die acht Schritte der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring
Schritt Bezeichnung Kernaufgabe
1 Forschungsfrage formulieren Klare, beantwortbare Fragestellung entwickeln
2 Theoretischen Hintergrund herstellen Einbettung in bestehende Literatur und Theorien
3 Studiendesign entwickeln Methodisches Vorgehen planen und begründen
4 Textmaterial sammeln und sampeln Auswahl und Erhebung des Analysematerials
5 Methoden auswählen und konstruieren Passende Analysetechnik und Kategoriensystem entwickeln
6 Studie durchführen und Ergebnisse präsentieren Systematische Codierung und Darstellung der Befunde
7 Qualitätskriterien diskutieren Güte, Interrater-Reliabilität und Transparenz sichern
8 Forschungsimplikationen reflektieren Bedeutung der Ergebnisse für Theorie und Praxis einordnen

Was steckt hinter den einzelnen Schritten?

Die acht Schritte sind kein starres Formular, das man mechanisch abarbeitet. Mayring betont ausdrücklich, dass der Prozess durch Pilotierungen, Codierregeln und kontinuierliche Qualitätskontrolle methodisch abgesichert werden muss. Das klingt zunächst aufwändig, ist in der Praxis aber deutlich strukturierter als bei vielen anderen qualitativen Verfahren.

Schritt 1–2: Fundament legen

Am Anfang steht die Forschungsfrage – und zwar eine möglichst präzise formulierte. Zu vage Fragestellungen führen später zu einem diffusen Kategoriensystem. Schritt 2 verankert die Analyse im theoretischen Vorwissen: Welche Konzepte, Modelle oder Befunde aus der Literatur sind für das Material relevant? Diese Einbettung entscheidet darüber, ob Kategorien deduktiv aus der Theorie abgeleitet oder induktiv aus dem Material entwickelt werden – eine zentrale Weichenstellung, die Sie bei der Entscheidung zwischen deduktivem und induktivem Vorgehen nach Mayring näher betrachten können.

Schritt 3–4: Design und Material

Im dritten Schritt wird das Studiendesign festgelegt: Welche Texte werden analysiert? Wie viele Fälle? Nach welchem Sampling-Prinzip? Gerade bei Abschlussarbeiten ist eine begründete Materialauswahl methodisch unverzichtbar – willkürliche Textkorpora schwächen die Nachvollziehbarkeit erheblich.

Schritt 4 umfasst die praktische Sammlung und das Sampeln des Textmaterials. Ob Interviews, Zeitungsartikel, Protokolle oder Social-Media-Posts: Das Material muss zur Forschungsfrage passen und in einem vertretbaren Umfang handhabbar sein.

Schritt 5: Methode und Kategoriensystem

Hier liegt das methodische Herzstück: Sie wählen eine Analysetechnik (z. B. zusammenfassende oder strukturierende Inhaltsanalyse) und entwickeln das Kategoriensystem. Codierregeln und Ankerbeispiele werden im Verlauf schwieriger Codierungen präzisiert, zwischen Codierenden synchronisiert und verbindlich im Codierleitfaden festgehalten. Ein sorgfältig ausgearbeiteter Codierleitfaden mit Ankerbeispielen ist dabei kein optionaler Anhang, sondern das Rückgrat der gesamten Analyse.

Einfach erklärt Ein Ankerbeispiel zeigt Codierenden, welche Art von Textstelle einer Kategorie zugeordnet werden soll – ähnlich wie ein Beispielsatz in einem Wörterbuch. Je konkreter diese Beispiele, desto konsistenter codieren verschiedene Personen dasselbe Material.

Schritt 6: Durchführung und Ergebnisdarstellung

Die eigentliche Codierarbeit findet in Schritt 6 statt. Jede Analyseeinheit – etwa eine Interviewpassage oder ein Absatz – wird systematisch einer Kategorie zugeordnet. Anschließend werden die Ergebnisse aufbereitet: Häufigkeiten, Kategorienverteilungen, typische Zitate oder Typen je nach gewählter Technik.

Die methodische Begleitung qualitativer Datenanalysen setzt häufig genau hier an, weil Codierfehler und unklare Kategoriendefinitionen in diesem Schritt besonders häufig auftreten.

Schritt 7–8: Qualität und Einordnung

Schritt 7 widmet sich den Gütekriterien. In der qualitativen Forschung sind das nicht einfach p-Werte oder Konfidenzintervalle, sondern Kriterien wie Interrater-Reliabilität, kommunikative Validierung und Transparenz des Vorgehens. Welche Gütekriterien in der qualitativen Forschung gelten und wie Sie diese nachweisen, beleuchtet unser Beitrag zu den fünf Gütekriterien in der qualitativen Forschung.

Im abschließenden Schritt 8 werden die Ergebnisse in einen größeren Forschungskontext eingeordnet: Was bedeuten die Befunde für bestehende Theorien? Welche praktischen Implikationen ergeben sich? Welche Folgefragen öffnen sich?

Acht Schritte vs. acht Techniken – ein wichtiger Unterschied

An dieser Stelle lohnt sich eine Klarstellung, die in Seminaren und Abschlussarbeiten regelmäßig für Verwirrung sorgt. Mayring beschreibt neben dem achtstufigen Forschungsprozess auch acht methodische Analysetechniken innerhalb der qualitativen Inhaltsanalyse.

Gut zu wissen Mayring benennt acht Analysetechniken innerhalb der qualitativen Inhaltsanalyse: Zusammenfassung, induktive Kategorienbildung, enge Kontextanalyse, weite Kontextanalyse, formale Strukturierung, inhaltliche Strukturierung, typenbildende Inhaltsanalyse und skalierende Strukturierung. Diese acht Techniken sind keine Prozessschritte, sondern methodische Varianten – man wählt aus ihnen aus, anstatt alle durchzulaufen.

Die Entscheidung für eine bestimmte Technik hängt von der Forschungsfrage, dem Datenmaterial und dem Analyseziel ab. Wer beispielsweise Interviews zu einem wenig erforschten Thema auswertet, wird eher induktiv kategorisieren; wer ein bereits theoretisch fundiertes Konzept empirisch überprüfen möchte, greift eher auf deduktive strukturierende Verfahren zurück.

Kurz zusammengefasst:

  • Acht Schritte = übergeordneter Forschungsprozess von der Fragestellung bis zur Implikation
  • Acht Techniken = methodische Varianten der Analyse, aus denen je nach Ziel eine (oder wenige) ausgewählt werden

Beide Achtzahlen beziehen sich auf dasselbe Methodenkonzept, beschreiben aber unterschiedliche Ebenen. In Ihrer Methodenbeschreibung sollten Sie klar machen, welche Technik Sie anwenden und warum – und den achtstufigen Prozess als Rahmung Ihres gesamten Vorgehens nutzen.

Was die acht Schritte für Ihre Abschlussarbeit bedeuten

Für Studierende, die eine qualitative Inhaltsanalyse in ihrer Bachelor- oder Masterarbeit durchführen, hat die Schrittstruktur einen konkreten Vorteil: Sie gibt der Methodenbeschreibung eine klare Gliederungslogik. Statt einem unstrukturierten „Ich habe die Texte gelesen und Kategorien gebildet“ können Sie den Prozess Schritt für Schritt nachvollziehbar dokumentieren.

Häufiger Fehler Viele Studierende springen direkt zur Codierung, ohne das Kategoriensystem vorab ausreichend zu beschreiben und zu begründen. Schritt 5 – die Entwicklung des Codierleitfadens mit Definitionen, Codierregeln und Ankerbeispielen – wird dabei unterschätzt. Gutachtende achten aber gezielt auf die Nachvollziehbarkeit genau dieser Phase.

Praktisch bedeutet das: Für jede Phase des achtstufigen Prozesses sollten Sie in Ihrer Arbeit eine kurze, dokumentierte Entsprechung haben. Das muss keine seitenlange Ausführung sein – aber die Nachvollziehbarkeit des Vorgehens ist ein zentrales Gütekriterium qualitativer Forschung.

Eine ausführliche Anleitung, wie Sie eine qualitative Inhaltsanalyse methodisch korrekt planen, durchführen und darstellen, finden Sie in unserem weiterführenden Beitrag. Wenn Sie zudem grundsätzliche Fragen zum Ziel einer qualitativen Inhaltsanalyse haben, lohnt sich auch dort ein Blick.

Checkliste: Alle acht Schritte in Ihrer Arbeit berücksichtigt?

  • Forschungsfrage klar und präzise formuliert
  • Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand dargestellt
  • Studiendesign begründet (Methode, Sample, Vorgehen)
  • Materialauswahl und Sampling transparent dokumentiert
  • Analysetechnik ausgewählt und Codierleitfaden erstellt
  • Codierung systematisch durchgeführt und Ergebnisse aufbereitet
  • Gütekriterien (z. B. Interrater-Reliabilität) diskutiert
  • Forschungsimplikationen und Limitationen reflektiert
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