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Wie wertet man eine Umfrage in Excel aus?

Fragebogen / Umfrage · Maximilian Fuchs · 16. Mai 2026 · 8 Min. Lesezeit

Was Excel bei der Umfrageauswertung leisten kann

Excel eignet sich gut für eine erste, deskriptive Auswertung von Umfragedaten: Häufigkeiten auszählen, Prozentwerte berechnen, einfache Diagramme erstellen. Für viele Bachelorarbeiten ist das völlig ausreichend – sofern keine komplexen inferenzstatistischen Tests erforderlich sind.

Der Vorteil von Excel liegt vor allem in der Verfügbarkeit: Die Software ist auf fast jedem Rechner installiert, erfordert keine Einarbeitung in spezialisierte Statistiksoftware und produziert Tabellen, die sich direkt in Word oder PowerPoint übernehmen lassen. Wer seine Umfrage über Google Forms, LimeSurvey oder SurveyMonkey durchgeführt hat, kann die Rohdaten in der Regel als .xlsx-Datei exportieren und sofort weiterarbeiten.

Gut zu wissen Excel deckt vor allem deskriptive Statistik ab: Häufigkeiten, Mittelwerte, Prozentwerte und Diagramme. Für inferenzstatistische Tests wie Chi-Quadrat, t-Test oder Varianzanalyse empfiehlt sich eine spezialisierte Software. Mehr dazu im Abschnitt zu den Grenzen von Excel weiter unten.

Rohdaten richtig aufbereiten

Bevor Sie mit der eigentlichen Auswertung beginnen, müssen die Rohdaten in eine auswertbare Struktur gebracht werden. Das ist der Schritt, der in der Praxis am häufigsten unterschätzt wird.

Die richtige Tabellenstruktur

Eine sauber aufgebaute Excel-Tabelle folgt einer einfachen Regel: eine Zeile pro Person, eine Spalte pro Frage. Jede Spalte erhält in der ersten Zeile eine eindeutige Überschrift – idealerweise den Variablennamen (z. B. F1_Alter, F2_Zufriedenheit, F3_Geschlecht).

  • Jede befragte Person bekommt eine eindeutige ID in der ersten Spalte (z. B. 1, 2, 3 …).
  • Antworten werden als numerische Codes eingetragen, nicht als Freitext (z. B. 1 = „stimme zu“, 2 = „neutral“, 3 = „stimme nicht zu“).
  • Offene Textantworten kommen in eine separate Spalte – sie werden anders ausgewertet als skalierte Items.
  • Leere Zellen bleiben leer; tragen Sie keine Nullen für fehlende Werte ein, es sei denn, 0 ist ein valider Antwortwert.
Häufiger Fehler Exportierte Datensätze aus Online-Tools enthalten oft Metaspalten (Zeitstempel, IP-Adressen, Abbruchmarkierungen), die Sie vor der Auswertung entfernen oder ausblenden sollten. Andernfalls vergrößert sich Ihr Auswertungsbereich ungewollt.

Kodierungsschema anlegen

Legen Sie parallel zur Datentabelle ein separates Tabellenblatt mit Ihrem Kodierungsplan an. Dort notieren Sie für jede Variable: Variablenname, Fragetext, Antwortoptionen und deren numerische Codes. Das schützt Sie vor Interpretationsfehlern, wenn Sie Wochen später noch einmal in die Datei schauen.

Häufigkeiten mit ZÄHLENWENN und PivotTable ermitteln

Der häufigste Analyseschritt bei Umfragen ist das Auszählen: Wie viele Personen haben Antwortkategorie 1 gewählt, wie viele Kategorie 2 usw.? In Excel gibt es dafür zwei bewährte Wege.

Variante 1: ZÄHLENWENN-Formel

Die Formel =ZÄHLENWENN(Bereich;Kriterium) zählt alle Zellen in einem Bereich, die einem bestimmten Wert entsprechen. Für eine Likert-Skala von 1 bis 5 sieht das so aus:

Excel
=ZÄHLENWENN($C$2:$C$201;1)   ' Anzahl der Antwort "1" in Spalte C
=ZÄHLENWENN($C$2:$C$201;2)   ' Anzahl der Antwort "2"
=ZÄHLENWENN($C$2:$C$201;3)   ' Anzahl der Antwort "3"
=ZÄHLENWENN($C$2:$C$201;4)   ' Anzahl der Antwort "4"
=ZÄHLENWENN($C$2:$C$201;5)   ' Anzahl der Antwort "5"

Tragen Sie diese Formeln untereinander in eine neue Tabelle ein. In der Nachbarspalte ergänzen Sie die Beschriftung der Antwortkategorien (z. B. „stimme voll zu“). So entsteht eine übersichtliche Häufigkeitstabelle, die direkt für die Arbeit nutzbar ist.

Variante 2: PivotTable

Wer mehrere Fragen gleichzeitig auswerten möchte, ist mit einer PivotTable schneller. PivotTables eignen sich dazu, Arbeitsblattdaten zu berechnen, zusammenzufassen und zu analysieren, sodass Vergleiche, Muster und Trends sichtbar werden – und das mit wenigen Klicks.

So gehen Sie vor:

  1. Klicken Sie in Ihre Datentabelle und wählen Sie Einfügen → PivotTable.
  2. Excel erkennt den Datenbereich automatisch. Bestätigen Sie mit OK.
  3. Ziehen Sie die Fragevariable (z. B. F2_Zufriedenheit) in den Bereich Zeilen.
  4. Ziehen Sie die ID-Spalte in den Bereich Werte.
  5. Klicken Sie auf das Wertefeld → Wertfeldeinstellungen → wählen Sie Anzahl statt Summe.

Das Ergebnis ist eine Häufigkeitstabelle, die für jede Antwortkategorie die Anzahl der Nennungen anzeigt. Eine Häufigkeitstabelle listet die möglichen Antwortkategorien auf und zeigt, wie oft jede davon vorkommt – dieser Schritt bildet die Grundlage jeder weiteren Analyse.

Einfach erklärt Der häufigste Anfängerfehler bei PivotTables: Die ID-Spalte wird im Wertebereich als Summe ausgegeben, nicht als Anzahl. IDs sollen aber gezählt, nicht addiert werden. Einfach in den Wertfeldeinstellungen auf „Anzahl“ wechseln – dann stimmt die Zählung.

Relative Häufigkeiten und Prozentwerte berechnen

Absolute Häufigkeiten allein sind in Forschungsberichten selten ausreichend. In der Regel benötigen Sie zusätzlich Prozentwerte, um die Ergebnisse verständlich zu kommunizieren. Relative Häufigkeitsverteilungen zeigen den Anteil eines Werts an allen Beobachtungen einer Stichprobe – also genau das, was in Umfrageberichten typischerweise gezeigt wird.

Prozentwerte in Excel berechnen

Angenommen, Ihre Häufigkeitstabelle steht in den Spalten A (Kategorie) und B (Anzahl), die Gesamtsumme in Zelle B7. Dann ergibt sich der Prozentwert für jede Zeile so:

Excel
=B2/$B$7        ' Relativer Anteil (als Dezimalzahl)
=B2/$B$7*100    ' Prozentwert (als Zahl, z. B. 42,5)

' Alternativ: Zelle als Prozent formatieren
' Dann reicht: =B2/$B$7
' und Zellenformat auf "Prozent" setzen

Beachten Sie bei der Darstellung: Runden Sie Prozentwerte auf eine Nachkommastelle – mehr suggeriert eine Genauigkeit, die bei Umfragedaten methodisch nicht gerechtfertigt ist. Wenn 6 von 12 Befragten zugestimmt haben, entspricht das exakt 50,0 % – nicht 50,000 %.

Summenkontrolle nicht vergessen

Addieren Sie die Prozentwerte aller Kategorien. Das Ergebnis sollte 100 % (bzw. 1,0) ergeben. Kleine Abweichungen durch Rundung sind akzeptabel, größere Abweichungen deuten auf einen Fehler in der Datenstruktur hin.

Kreuztabellen für Gruppenvergleiche erstellen

Besonders interessant wird es, wenn Sie Antworten nach Gruppen aufschlüsseln wollen – zum Beispiel: Unterscheiden sich Frauen und Männer in ihrer Zufriedenheit? Hier kommen Kreuztabellen ins Spiel.

Eine Kreuztabelle stellen Sie in Excel am einfachsten wieder mit einer PivotTable her:

  1. Erstellen Sie eine neue PivotTable wie oben beschrieben.
  2. Ziehen Sie die Antwortvariable (z. B. F2_Zufriedenheit) in den Bereich Zeilen.
  3. Ziehen Sie die Gruppenvariable (z. B. F3_Geschlecht) in den Bereich Spalten.
  4. Ziehen Sie die ID-Spalte in den Bereich Werte → eingestellt auf Anzahl.

Das Ergebnis ist eine Tabelle, die für jede Kombination aus Antwort und Gruppe die Fallzahl zeigt. Für die Darstellung in Ihrer Arbeit ergänzen Sie Spaltenprozente: Teilen Sie jede Zelle durch die Gesamtzahl der jeweiligen Gruppe.

Wenn Sie die Ergebnisse Ihrer Umfrage in einer Bachelorarbeit darstellen, gibt es bestimmte Konventionen für die Aufbereitung. Einen Überblick dazu bietet der Beitrag Wie wird eine Umfrage in einer Bachelorarbeit ausgewertet?

Ergebnisse visualisieren

Tabellen sind präzise, aber Diagramme machen Muster auf einen Blick sichtbar. Für Umfrageauswertungen in Excel haben sich folgende Diagrammtypen bewährt:

Diagrammtypen für Umfrageauswertungen in Excel
Fragetyp Empfohlener Diagrammtyp Hinweis
Einfache Häufigkeitsverteilung Balken- oder Säulendiagramm Kategorien gut lesbar
Likert-Skala (5- oder 7-stufig) Gestapeltes Balkendiagramm Zustimmungs-/Ablehnungstendenzen sichtbar
Gruppenvergleich (Kreuztabelle) Gruppiertes Balkendiagramm Gruppen nebeneinander vergleichbar
Anteile an einem Ganzen Kreisdiagramm (sparsam einsetzen) Nur bei wenigen Kategorien sinnvoll

Diagramm aus einer PivotTable erstellen

Klicken Sie in Ihre fertige PivotTable und wählen Sie PivotTable-Analyse → PivotChart. Excel erstellt automatisch ein Diagramm, das sich mit der Tabelle synchronisiert. Passen Sie anschließend Achsenbeschriftungen, Farben und Titel an – achten Sie auf eine klare, sachliche Gestaltung ohne überflüssige 3D-Effekte.

Wenn Sie unsicher sind, wie Ergebnisse in wissenschaftlichen Arbeiten üblicherweise dargestellt werden, lohnt sich ein Blick in den Beitrag Wie werden die Ergebnisse eines Fragebogens angezeigt?

Grenzen von Excel und wann andere Tools sinnvoller sind

Excel ist ein solides Werkzeug für deskriptive Auswertungen, stößt aber schnell an seine Grenzen, wenn die Anforderungen steigen. Das klingt zunächst einschränkend, ist in der Praxis aber ein hilfreicher Hinweis: Wenn Sie wissen, wo Excel aufhört, wissen Sie auch, wann Sie auf spezialisierte Software umsteigen sollten.

Was Excel nicht zuverlässig leistet

  • Inferenzstatistik: Chi-Quadrat-Tests, t-Tests und Varianzanalysen sind in Excel zwar technisch möglich, aber fehleranfälliger und weniger komfortabel als in SPSS oder R. Für eine methodisch saubere wissenschaftliche Fragebogenstudie ist spezialisierte Statistiksoftware empfehlenswert.
  • Skalenanalyse: Cronbachs Alpha zur Überprüfung der Reliabilität einer Skala lässt sich in Excel nicht direkt berechnen.
  • Faktorenanalyse und Clusteranalyse: Multivariate Verfahren sind in Excel nicht sinnvoll umsetzbar.
  • Fehlende-Werte-Analyse: Excel bietet keine systematische Prüfung auf Muster fehlender Werte.

Alternative Tools im Überblick

Für komplexere Auswertungen bieten sich SPSS, R oder Jamovi an. SPSS ist an vielen Hochschulen verfügbar und hat eine übersichtliche grafische Oberfläche – mehr dazu finden Sie im Beitrag Fragebogen auswerten mit SPSS. Wer keine Lizenz hat, kann auf das kostenlose Jamovi zurückgreifen, das ähnliche Funktionen bietet. Außerdem lässt sich ChatGPT inzwischen auch zur Analyse von Excel-Tabellen einsetzen – mit Einschränkungen, die Sie kennen sollten.

Grundsätzlich gilt: Wenn Ihre Forschungsfrage über einfache Häufigkeitsverteilungen hinausgeht und Sie Gruppenunterschiede statistisch absichern oder Zusammenhänge zwischen Variablen testen wollen, dann ist Excel der falsche Ort dafür. Ein allgemeiner Überblick über den gesamten Auswertungsprozess findet sich im Beitrag Umfrage auswerten – Von der Rohdatei zum aussagekräftigen Ergebnis.

Checkliste: Umfrageauswertung in Excel

  • Rohdaten exportiert und in „eine Zeile pro Person“-Struktur gebracht
  • Eindeutige ID-Spalte vorhanden
  • Antworten numerisch kodiert, Kodierungsplan separat dokumentiert
  • Metaspalten (Zeitstempel etc.) entfernt oder ausgeblendet
  • Häufigkeitstabellen per ZÄHLENWENN oder PivotTable erstellt
  • Relative Häufigkeiten (Prozentwerte) berechnet und auf Summe 100 % geprüft
  • Ggf. Kreuztabellen für Gruppenvergleiche erstellt
  • Diagramme mit klaren Beschriftungen erstellt
  • Geprüft, ob inferenzstatistische Tests erforderlich sind (→ dann ggf. SPSS/R nutzen)
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