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Statistik-Glossar

Absolute Risikoreduktion

Absolute Risk Reduction (ARR) · Absolute Risikoreduzierung · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Absoluter Risikoreduktion?

Die Absolute Risikoreduktion (ARR) gibt an, um wie viele Prozentpunkte das Risiko eines Ereignisses in einer Behandlungsgruppe im Vergleich zu einer Kontrollgruppe sinkt. Sie ist definiert als die Differenz zwischen dem Risiko in der Kontrollgruppe (RK) und dem Risiko in der Interventionsgruppe (RI):

Formel: Absolute Risikoreduktion

Das Ergebnis ist eine einfache Differenz zweier Wahrscheinlichkeiten und wird in Prozentpunkten ausgedrückt. Die ARR ist eng verwandt mit der Number Needed to Treat (NNT), die sich als Kehrwert der ARR berechnet: Je größer die ARR, desto kleiner die NNT – und desto wirksamer ist eine Intervention im absoluten Sinne.

Einfach erklärt Stell dir vor, in einer Gruppe ohne Behandlung erkranken 20 von 100 Personen. Mit Behandlung sind es nur noch 12 von 100. Die absolute Risikoreduktion beträgt dann 8 Prozentpunkte – das ist der direkte Unterschied, den die Behandlung macht. Die ARR beantwortet also die Frage: „Wie viel weniger Fälle gibt es konkret durch die Intervention?“

Warum ist Absolute Risikoreduktion für statistische Analysen wichtig?

Die ARR ist eines der aussagekräftigsten Maße zur Beurteilung des praktischen Nutzens einer Intervention. Während die Relative Risikoreduktion (RRR) nur das Verhältnis zweier Risiken beschreibt, berücksichtigt die ARR das Ausgangsrisiko und liefert damit eine klinisch und praktisch besser interpretierbare Zahl.

Konkret hat die ARR folgende Stärken:

  • Sie ist intuitiv verständlich und direkt auf eine Population übertragbar.
  • Sie bildet die Grundlage für die Berechnung der NNT, einem zentralen Maß in der evidenzbasierten Medizin.
  • Sie ermöglicht den Vergleich von Interventionen mit unterschiedlichen Ausgangsrisiken.
Häufiger Fehler Viele Studien kommunizieren Ergebnisse ausschließlich als relative Risikoreduktion, da diese oft beeindruckender wirkt. Eine RRR von 50 % klingt überzeugend – bedeutet aber etwas ganz anderes, je nachdem ob das Ausgangsrisiko 2 % oder 40 % beträgt. Ohne die ARR lässt sich der tatsächliche Nutzen einer Maßnahme kaum einschätzen. Achte bei der Lektüre von Studien daher immer auf beide Maße.
Gut zu wissen Die ARR kann auch negativ ausfallen – dann spricht man von einer absoluten Risikoerhöhung. Das bedeutet, die Intervention schadet im Mittel mehr als sie nützt.

Praxisbeispiel zu Absoluter Risikoreduktion

Eine klinische Studie untersucht, ob ein neues Medikament das Risiko eines Herzinfarkts innerhalb von fünf Jahren senkt. In die Studie werden 1.000 Personen aufgenommen, die zufällig auf zwei Gruppen verteilt werden:

Tabelle 1. Herzinfarktrate in Kontroll- und Interventionsgruppe
Gruppe Teilnehmende Herzinfarkte Risiko
Kontrollgruppe (Placebo) 500 60 12 %
Interventionsgruppe (Medikament) 500 36 7,2 %

Die absolute Risikoreduktion berechnet sich wie folgt:

Berechnung im Beispiel

Das Medikament reduziert das absolute Herzinfarktrisiko also um 4,8 Prozentpunkte. Die zugehörige NNT beträgt , was bedeutet: Es müssen rund 21 Personen behandelt werden, damit ein Herzinfarkt verhindert wird.

Die relative Risikoreduktion läge in diesem Beispiel bei 40 % – eine Zahl, die deutlich eindrucksvoller klingt, aber ohne den Blick auf die ARR ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Wirksamkeit vermitteln kann.

Absolute Risikoreduktion ARR Risikodifferenz Relative Risikoreduktion Number Needed to Treat Evidenzbasierte Medizin Interventionsstudie Effektmaße

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