Seit 2019 im DACH-RaumSeit 2019
50+ Statistik-Experten50+ Experten
Über 1.200 Projekte1.200+ Projekte
Alle StatistikprogrammeAlle Programme
Express möglichExpress

Statistik-Glossar

AIC

Akaike Information Criterion / Akaike-Informationskriterium · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter AIC?

Das Akaike Information Criterion (AIC) ist ein Maß zur Bewertung und zum Vergleich statistischer Modelle. Es wurde 1973 vom japanischen Statistiker Hirotugu Akaike entwickelt und kombiniert zwei Aspekte: die Güte der Modellanpassung (wie gut passt das Modell zu den Daten?) und die Modellkomplexität (wie viele Parameter hat das Modell?).

Die Formel lautet:

Formel: AIC

Dabei steht k für die Anzahl der frei geschätzten Parameter im Modell und L für den maximierten Wert der Likelihood-Funktion – also dafür, wie wahrscheinlich die beobachteten Daten unter dem jeweiligen Modell sind. Der Term −2 ln(L) wird auch als Devianz bezeichnet. Je kleiner der AIC-Wert, desto besser das Modell.

Einfach erklärt: Das AIC beantwortet die Frage: „Welches Modell beschreibt meine Daten gut, ohne unnötig kompliziert zu sein?“ Es belohnt eine gute Datenanpassung, bestraft aber dafür, wenn ein Modell zu viele Parameter verwendet. Man kann es sich vorstellen wie eine Schulnote, bei der nicht nur das Ergebnis zählt, sondern auch, wie viel Aufwand betrieben wurde – wer ein gutes Ergebnis mit wenig Aufwand erzielt, gewinnt.

Warum ist AIC für statistische Analysen wichtig?

In der Praxis stehen Forschende häufig vor der Frage, welches von mehreren möglichen Modellen sie für ihre Analyse verwenden sollen. Ein Modell mit mehr Parametern passt sich den Daten zwar immer besser an – das nennt man Overfitting – verallgemeinert aber schlechter auf neue Daten. Das AIC hilft, dieses Gleichgewicht zu finden.

Der AIC wird typischerweise eingesetzt bei:

  • der Auswahl von Regressionsmodellen (z. B. welche Prädiktoren aufnehmen?)
  • dem Vergleich von Zeitreihenmodellen (z. B. ARIMA-Modelle)
  • der Wahl zwischen verschiedenen Verteilungsannahmen
  • der Modellselektion in gemischten Modellen oder strukturellen Gleichungsmodellen
Gut zu wissen: Das AIC liefert nur relative Vergleichswerte. Ein AIC-Wert von z. B. 245 ist für sich allein bedeutungslos – er bekommt erst Aussagekraft im Vergleich mit anderen Modellen. Als Faustregel gilt: Ein Unterschied von mehr als 2 AIC-Punkten zwischen zwei Modellen spricht für das Modell mit dem kleineren Wert.
Häufiger Fehler: Das AIC sagt nicht, ob ein Modell „gut“ ist – es sagt nur, welches Modell im Vergleich besser ist. Außerdem können AIC-Werte nur dann direkt verglichen werden, wenn alle Modelle mit demselben Datensatz und derselben abhängigen Variable geschätzt wurden. Modelle mit unterschiedlicher Datenbasis oder Transformationen der Zielvariable (z. B. log-transformiert vs. nicht transformiert) sind nicht direkt vergleichbar.

Eine verwandte Kenngröße ist das BIC (Bayesian Information Criterion), das Modellkomplexität noch stärker bestraft und bei großen Stichproben tendenziell sparsamere Modelle bevorzugt. Je nach Forschungsziel kann das eine oder das andere Kriterium angemessener sein.

Praxisbeispiel zum AIC

Angenommen, du untersuchst in deiner Masterarbeit, welche Faktoren das Stressniveau von Studierenden vorhersagen. Du schätzt drei Regressionsmodelle mit unterschiedlichen Prädiktoren:

Tabelle 1. AIC-Vergleich dreier Regressionsmodelle zur Vorhersage von Stressniveau
Modell Prädiktoren Anzahl Parameter (k) AIC
Modell 1 Schlafstunden 3 312,4
Modell 2 Schlafstunden, Prüfungsanzahl 4 298,1
Modell 3 Schlafstunden, Prüfungsanzahl, soziale Unterstützung 5 296,8

Modell 3 hat den niedrigsten AIC-Wert (296,8) und wäre damit zunächst zu bevorzugen. Allerdings beträgt der Unterschied zu Modell 2 lediglich 1,3 Punkte – das liegt unterhalb der üblichen Schwelle von 2 Punkten. In diesem Fall könnte man sich gut für das sparsamere Modell 2 entscheiden, das mit einem Prädiktor weniger auskommt und dennoch fast genauso gut abschneidet. Diese Entscheidung sollte immer auch inhaltlich begründet werden.

Modellselektion AIC Informationskriterium Regression Overfitting BIC Likelihood Modellvergleich

Ihr persönlicher Ansprechpartner

Maximilian Fuchs, M. Sc.

Teilen Sie uns mit, wie wir Ihnen helfen können.

  • Persönlicher Ansprechpartner
  • Schnelle Rückmeldung
  • Transparente Preise
  • Schutz Ihrer Daten

Fragen? Einfach anrufen!