Seit 2019 im DACH-RaumSeit 2019
50+ Statistik-Experten50+ Experten
Über 1.200 Projekte1.200+ Projekte
Alle StatistikprogrammeAlle Programme
Express möglichExpress

Statistik-Glossar

Bonferroni-adjustierter p-Wert

Bonferroni-corrected p-value · Bonferroni-Korrektur · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was versteht man unter dem Bonferroni-adjustierten p-Wert?

Wenn in einer Studie nicht nur ein einzelner statistischer Test, sondern mehrere Tests gleichzeitig durchgeführt werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, rein zufällig ein signifikantes Ergebnis zu erhalten – auch wenn in Wirklichkeit kein Effekt existiert. Dieses Problem wird als multiples Testen bezeichnet.

Die Bonferroni-Korrektur ist eine der einfachsten und bekanntesten Methoden, um dieses Problem zu kontrollieren. Das Prinzip: Das gewählte Signifikanzniveau wird durch die Anzahl der durchgeführten Tests geteilt. Ein Einzeltest gilt dann nur noch als signifikant, wenn sein p-Wert das korrigierte Niveau unterschreitet:

Bonferroni-Korrektur

Der Bonferroni-adjustierte p-Wert ist dabei die rechnerische Kehrseite: Statt das Signifikanzniveau zu senken, wird der ursprüngliche p-Wert des einzelnen Tests mit der Anzahl der Tests multipliziert und dann mit dem ursprünglichen Niveau verglichen:

Bonferroni-adjustierter p-Wert

Der adjustierte p-Wert wird dabei auf maximal 1 begrenzt, da ein p-Wert per Definition nicht größer als 1 sein kann. Beide Formulierungen – korrigiertes Niveau oder adjustierter p-Wert – führen zu identischen Entscheidungen.

Einfach erklärt Stell dir vor, du wirfst eine Münze. Die Chance, einmal Kopf zu werfen, ist 50 %. Wenn du die Münze aber zehnmal wirfst, ist die Chance, mindestens einmal Kopf zu erhalten, viel höher. Ähnlich verhält es sich beim statistischen Testen: Je mehr Tests du durchführst, desto wahrscheinlicher erscheint zufällig ein „signifikantes“ Ergebnis. Die Bonferroni-Korrektur bremst genau das, indem sie die Messlatte für jeden einzelnen Test höher legt.

Warum ist der Bonferroni-adjustierte p-Wert für statistische Analysen wichtig?

In vielen Forschungsfeldern – etwa in der Medizin, Psychologie oder den Sozialwissenschaften – werden Studien mit mehreren abhängigen Variablen oder mehreren Gruppenvergleichen durchgeführt. Ohne eine Korrektur für multiples Testen steigt die sogenannte familywise error rate (FWER), also die Wahrscheinlichkeit, mindestens einen fälschlichen Befund (Fehler 1. Art) zu produzieren, erheblich an. Bei 20 unabhängigen Tests mit ist diese Wahrscheinlichkeit bereits rund 64 %.

Die Bonferroni-Korrektur kontrolliert die FWER und stellt sicher, dass die Gesamtwahrscheinlichkeit für einen solchen Fehler das ursprüngliche Signifikanzniveau nicht überschreitet. Das macht Ergebnisse zuverlässiger und schützt vor falschen Schlussfolgerungen.

Häufiger Fehler Die Bonferroni-Korrektur gilt als konservativ: Bei einer großen Zahl von Tests werden echte Effekte leicht übersehen (Fehler 2. Art steigt). In solchen Situationen sind modernere Verfahren wie die Benjamini-Hochberg-Korrektur (False Discovery Rate) oft besser geeignet. Die Bonferroni-Korrektur sollte außerdem nur auf Tests angewendet werden, die inhaltlich zu einer gemeinsamen „Testfamilie“ gehören – nicht pauschal auf alle p-Werte einer Studie.
Gut zu wissen Die Bonferroni-Korrektur setzt voraus, dass die durchgeführten Tests statistisch unabhängig voneinander sind. Bei korrelierten Tests – etwa mehreren Messungen an denselben Personen – ist die Korrektur zu streng und es existieren geeignetere Alternativen wie die Šidák-Korrektur oder permutationsbasierte Verfahren.

Praxisbeispiel zu Bonferroni-adjustierter p-Wert

Eine Psychologin untersucht, ob ein neues Training die Leistung von Studierenden verbessert. Sie misst vier verschiedene Outcomes: Konzentration, Gedächtnisleistung, Reaktionszeit und Stressniveau. Das bedeutet: Sie führt vier unabhängige t-Tests durch und legt ein Signifikanzniveau von fest.

Nach der Bonferroni-Korrektur muss jeder einzelne Test das korrigierte Niveau unterschreiten:

Korrigiertes Signifikanzniveau

Die Ergebnisse der vier Tests lauten:

Tabelle 1. Rohe und Bonferroni-adjustierte p-Werte im Beispiel
Outcome Roh-p-Wert Adjustierter p-Wert (× 4) Signifikant?
Konzentration 0,008 0,032 Ja (0,032 < 0,05)
Gedächtnisleistung 0,031 0,124 Nein
Reaktionszeit 0,049 0,196 Nein
Stressniveau 0,001 0,004 Ja (0,004 < 0,05)

Ohne Korrektur wären drei der vier Tests signifikant (p < 0,05). Nach der Bonferroni-Adjustierung bleiben nur zwei Ergebnisse signifikant. Die Gedächtnisleistung und die Reaktionszeit wären ohne Korrektur möglicherweise fälschlicherweise als Trainingseffekte interpretiert worden.

p-Wert Multiples Testen Signifikanzniveau Fehler 1. Art Familywise Error Rate Hypothesentest Adjustierung Inferenzstatistik

Ihr persönlicher Ansprechpartner

Maximilian Fuchs, M. Sc.

Teilen Sie uns mit, wie wir Ihnen helfen können.

  • Persönlicher Ansprechpartner
  • Schnelle Rückmeldung
  • Transparente Preise
  • Schutz Ihrer Daten

Fragen? Einfach anrufen!