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Statistik-Glossar

Cohen’s Kappa

Cohen’s Kappa Coefficient / Kappa-Koeffizient · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Cohen’s Kappa?

Cohen’s Kappa (κ) ist ein Maß für die Übereinstimmung zwischen zwei Beurteilenden (Ratern), das die zufällig zu erwartende Übereinstimmung herausrechnet. Es wurde 1960 von Jacob Cohen entwickelt und kommt immer dann zum Einsatz, wenn zwei Personen oder zwei Messverfahren dieselben Objekte in kategoriale Klassen einteilen – und man wissen möchte, wie verlässlich sie dabei übereinstimmen.

Die Formel lautet:

Formel: Cohen’s Kappa

Dabei steht für die beobachtete Übereinstimmungsrate und für die Übereinstimmungsrate, die rein zufällig zu erwarten wäre. Der Nenner normiert das Ergebnis auf den maximal möglichen Wert über den Zufall hinaus.

κ kann Werte zwischen −1 und +1 annehmen. Ein Wert von 1 bedeutet vollständige Übereinstimmung, ein Wert von 0 entspricht reiner Zufallsübereinstimmung, und negative Werte deuten auf eine systematisch schlechtere Übereinstimmung hin als der Zufall erwarten ließe.

Einfach erklärt Stell dir vor, zwei Ärzte beurteilen unabhängig voneinander dasselbe Röntgenbild: „auffällig“ oder „unauffällig“. Manchmal stimmen sie zufällig überein – einfach weil es nur zwei Möglichkeiten gibt. Cohen’s Kappa sagt dir: Wie gut stimmen sie wirklich überein, wenn man den Anteil herausrechnet, der schon allein durch Zufall zu erklären wäre?

Als grobe Orientierung für die Interpretation hat sich folgende Einteilung etabliert:

Tabelle 1. Interpretation von Cohen’s Kappa nach Landis & Koch (1977)
κ-Wert Interpretation
< 0,00 Keine Übereinstimmung
0,00 – 0,20 Schwache Übereinstimmung
0,21 – 0,40 Ausreichende Übereinstimmung
0,41 – 0,60 Moderate Übereinstimmung
0,61 – 0,80 Gute Übereinstimmung
0,81 – 1,00 Sehr gute / nahezu perfekte Übereinstimmung
Gut zu wissen Diese Richtwerte stammen von Landis & Koch (1977) und sind weit verbreitet, werden in der Forschung aber auch kritisch diskutiert. Ob ein κ von z. B. 0,65 in einer konkreten Studie „gut genug“ ist, hängt immer vom Anwendungskontext ab.

Warum ist Cohen’s Kappa für statistische Analysen wichtig?

In vielen Forschungsbereichen – von der Medizin über die Psychologie bis zur qualitativen Inhaltsanalyse – werden Daten durch menschliche Urteile erhoben. Das können Diagnosen, Kodierungen von Interviewaussagen, Bewertungen von Texten oder Beobachtungsprotokolle sein. Damit solche Daten als verlässlich gelten können, muss nachgewiesen werden, dass verschiedene Beurteilende zu denselben Ergebnissen kommen. Genau das misst Cohen’s Kappa: die Interrater-Reliabilität.

Der entscheidende Vorteil gegenüber der einfachen prozentualen Übereinstimmung ist die Korrektur für Zufall. Wenn beispielsweise zwei Kodierende ein Merkmal in 90 % der Fälle einer von nur zwei Kategorien zuordnen, ist auch eine zufällige Übereinstimmung sehr hoch – die bloße Übereinstimmungsrate würde die tatsächliche Reliabilität dann überschätzen. Cohen’s Kappa bereinigt diesen Effekt.

Häufiger Fehler Cohen’s Kappa ist für zwei Beurteilende konzipiert. Sollen mehr als zwei Personen verglichen werden, braucht man andere Verfahren, etwa Fleiss‘ Kappa. Außerdem reagiert κ empfindlich auf eine ungleiche Verteilung der Kategorien (sogenannte Prävalenzverzerrung) – bei sehr seltenen oder sehr häufigen Kategorien kann es zu irreführend niedrigen Kappa-Werten kommen, obwohl die tatsächliche Übereinstimmung hoch ist.

Praxisbeispiel zu Cohen’s Kappa

Zwei Psychologinnen kodieren 50 Interviewaussagen unabhängig voneinander als entweder „positiv“ oder „negativ“. Das Ergebnis sieht so aus:

Tabelle 2. Kontingenztabelle der Kodierungen beider Raterinnen
Raterin B: positiv Raterin B: negativ Summe
Raterin A: positiv 20 5 25
Raterin A: negativ 3 22 25
Summe 23 27 50

Die beobachtete Übereinstimmung berechnet sich aus den Fällen, in denen beide Raterinnen übereinstimmen (20 + 22 = 42 von 50):

Beobachtete Übereinstimmung

Die zufällig erwartete Übereinstimmung ergibt sich aus den Randhäufigkeiten: Für „positiv“ wäre sie , für „negativ“ . Zusammen ergibt das .

Cohen’s Kappa berechnet sich dann als:

Berechnung von κ

Ein κ von 0,68 entspricht nach der Landis-&-Koch-Skala einer guten Übereinstimmung. Die beiden Psychologinnen stimmen also deutlich besser überein, als es der Zufall erwarten ließe – die Kodierung kann als hinreichend reliabel eingestuft werden.

Cohen’s Kappa Interrater-Reliabilität Übereinstimmungsmaße Kategoriale Daten Reliabilität Qualitative Inhaltsanalyse Fleiss‘ Kappa

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