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Statistik-Glossar

Cut-off-Wert

Cutoff value / Schwellenwert / Grenzwert · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Cut-off-Wert?

Ein Cut-off-Wert (auch Schwellenwert oder Grenzwert) ist ein festgelegter Zahlenwert, der eine kontinuierliche oder ordinale Messung in zwei oder mehr Kategorien einteilt. Werte oberhalb des Cut-offs werden einer Kategorie zugeordnet (z. B. „auffällig“, „positiv“ oder „krank“), Werte unterhalb einer anderen (z. B. „unauffällig“, „negativ“ oder „gesund“).

Formal lässt sich die Klassifikationsentscheidung so ausdrücken: Eine Beobachtung mit dem Messwert wird der Klasse „positiv“ zugewiesen, wenn gilt, andernfalls der Klasse „negativ“.

Klassifikationsregel

Die Wahl des Cut-offs beeinflusst direkt, wie viele Fälle als positiv oder negativ eingestuft werden – und damit auch, wie viele Fehler (falsch Positive und falsch Negative) entstehen.

Einfach erklärt Stell dir einen Temperaturalarm vor: Das Thermometer zeigt eine kontinuierliche Skala. Du legst fest, dass ab 38,5 °C Fieber vorliegt. Genau das ist ein Cut-off-Wert – eine Grenze, die entscheidet, ob etwas als „normal“ oder „auffällig“ gilt.

Warum ist der Cut-off-Wert für statistische Analysen wichtig?

Cut-off-Werte sind immer dann relevant, wenn eine kontinuierliche Messgröße für eine Entscheidung genutzt werden soll. Das ist in vielen wissenschaftlichen und praktischen Feldern der Fall:

  • Klinische Forschung: Laborwerte (z. B. Blutzucker, BMI) werden in Grenzwerte übersetzt, um Diagnosen zu stellen.
  • Psychologie und Sozialwissenschaften: Testergebnisse werden mit Grenzwerten versehen, um Risikogruppen zu identifizieren.
  • Maschinelles Lernen: Klassifikationsmodelle geben Wahrscheinlichkeiten aus; ein Cut-off (oft 0,5) bestimmt, ab wann ein Fall als „positiv“ gilt.

Der Cut-off-Wert steht in engem Zusammenhang mit zwei zentralen Gütekriterien eines Tests:

  • Sensitivität: Anteil der tatsächlich positiven Fälle, die korrekt als positiv erkannt werden.
  • Spezifität: Anteil der tatsächlich negativen Fälle, die korrekt als negativ erkannt werden.

Diese beiden Kriterien stehen in einem Zielkonflikt: Senkt man den Cut-off, steigt die Sensitivität (mehr Positive werden erkannt), aber die Spezifität sinkt (mehr Gesunde werden fälschlicherweise als krank eingestuft). Erhöht man den Cut-off, verhält es sich umgekehrt. Den optimalen Punkt zu finden, ist eine inhaltliche Abwägung – nicht nur eine statistische.

Ein nützliches Werkzeug zur Visualisierung dieses Zielkonflikts ist die ROC-Kurve (Receiver Operating Characteristic). Sie zeigt für alle möglichen Cut-offs gleichzeitig, wie sich Sensitivität und Spezifität verändern. Der optimale Cut-off liegt oft am sogenannten Youden-Index, dem Punkt mit der größten Summe aus Sensitivität und Spezifität minus 1.

Häufiger Fehler Viele verwechseln den Cut-off-Wert mit einem statistisch „objektiv richtigen“ Grenzwert. Tatsächlich ist die Wahl des Cut-offs immer eine inhaltliche Entscheidung: Je nach Kontext kann es sinnvoller sein, falsch Negative zu vermeiden (z. B. bei schweren Erkrankungen) oder falsch Positive zu minimieren (z. B. bei teuren oder belastenden Folgeuntersuchungen).
Gut zu wissen In der Praxis werden Cut-off-Werte häufig aus bestehenden Normdaten oder klinischen Leitlinien übernommen. Für eigene Studien kann der optimale Cut-off auch empirisch über eine ROC-Analyse bestimmt werden.

Praxisbeispiel zu Cut-off-Wert

Eine Forscherin untersucht, ob ein neu entwickelter Fragebogen zur Erkennung von Burnout-Risiko geeignet ist. Der Gesamtscore reicht von 0 bis 50. Sie berechnet eine ROC-Kurve und prüft verschiedene Cut-off-Werte. Die Ergebnisse für drei mögliche Grenzwerte sehen so aus:

Tabelle 1. Sensitivität und Spezifität für verschiedene Cut-off-Werte (Burnout-Fragebogen)
Cut-off-Wert Sensitivität Spezifität Youden-Index
≥ 25 0,92 0,61 0,53
≥ 30 0,83 0,78 0,61
≥ 35 0,67 0,91 0,58

Der höchste Youden-Index liegt bei einem Cut-off von ≥ 30. Das bedeutet: Personen mit einem Score von 30 oder höher werden als Risikogruppe eingestuft. Die Forscherin entscheidet sich für diesen Grenzwert – auch weil Sensitivität und Spezifität hier am ausgewogensten sind und keine der beiden Fehlerarten besonders schwerwiegende Folgen hat.

Hätte sie einen Cut-off von ≥ 25 gewählt, wären mehr Betroffene erkannt worden, aber auch deutlich mehr gesunde Personen fälschlicherweise als Risikogruppe eingestuft worden. Dieses Beispiel zeigt: Der „beste“ Cut-off hängt immer vom Kontext und dem Ziel der Untersuchung ab.

Cut-off-Wert Schwellenwert Sensitivität Spezifität ROC-Kurve Klassifikation Youden-Index Diagnostik

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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