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Statistik-Glossar

Difference-in-Differences

DiD · Doppelte Differenz · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 6 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Difference-in-Differences?

Difference-in-Differences (kurz: DiD) ist ein quasi-experimentelles Schätzverfahren, das den kausalen Effekt einer Intervention oder Maßnahme misst. Dafür vergleicht es die Veränderung eines Outcomes in einer Behandlungsgruppe (die einer Intervention ausgesetzt ist) mit der Veränderung in einer Kontrollgruppe (die nicht behandelt wird) – jeweils vor und nach der Intervention.

Formal ergibt sich der DiD-Schätzer als:

DiD-Schätzer

Dabei steht für den Mittelwert der Behandlungsgruppe nach der Intervention, für den Mittelwert davor – und entsprechend für die Kontrollgruppe. Der Schätzer gibt also an, um wie viel stärker sich das Outcome in der Behandlungsgruppe verändert hat als in der Kontrollgruppe.

Einfach erklärt: Stell dir vor, du willst wissen, ob ein neues Sportprogramm an einer Schule die Noten verbessert. Du schaust dir an, wie sich die Noten an dieser Schule über die Zeit verändert haben – und vergleichst das mit einer anderen Schule ohne das Programm. Wenn die erste Schule stärker aufgeholt hat, deutet das auf einen echten Effekt hin. DiD macht genau das: Es trennt den eigentlichen Programmeffekt von allgemeinen Trends, die beide Gruppen gleichermaßen betreffen.

Eine zentrale Voraussetzung für die Gültigkeit des DiD-Schätzers ist die sogenannte Parallel-Trends-Annahme: Ohne die Intervention hätten sich Behandlungs- und Kontrollgruppe im Zeitverlauf parallel entwickelt. Diese Annahme lässt sich nicht direkt testen, aber grafisch und mit statistischen Vortests plausibilisieren.

Warum ist Difference-in-Differences für statistische Analysen wichtig?

In der empirischen Forschung können Kausalaussagen selten aus einem einfachen Vorher-Nachher-Vergleich gezogen werden. Viele Faktoren verändern sich über die Zeit, und Gruppen unterscheiden sich schon vor einer Intervention. DiD adressiert beide Probleme gleichzeitig:

  • Zeitliche Trends werden herausgerechnet, weil die Kontrollgruppe als Referenz dient.
  • Stabile Gruppenunterschiede fallen weg, weil jeweils Veränderungen (nicht Niveaus) verglichen werden.

DiD ist besonders wertvoll, wenn ein randomisiertes Experiment nicht möglich oder ethisch nicht vertretbar ist – etwa bei der Evaluierung von Gesetzen, Sozialprogrammen oder wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Durch die Kombination zweier Differenzierungen (über Zeit und über Gruppen) lassen sich viele Störeinflüsse kontrollieren.

Häufiger Fehler: Die Parallel-Trends-Annahme wird als selbstverständlich vorausgesetzt, ohne sie zu überprüfen. Wenn sich Behandlungs- und Kontrollgruppe schon vor der Intervention unterschiedlich entwickelt haben, ist der DiD-Schätzer verzerrt. Immer vorher eine grafische Trendanalyse und, wenn möglich, einen Placebo-Test durchführen.
Gut zu wissen: DiD lässt sich auch in einem Regressionsrahmen schätzen. Das Modell enthält dann typischerweise eine Dummy-Variable für die Gruppe (Behandlung vs. Kontrolle), eine für den Zeitpunkt (vor vs. nach der Intervention) und deren Interaktionsterm. Der Koeffizient des Interaktionsterms entspricht dem DiD-Schätzer.

Praxisbeispiel zu Difference-in-Differences

Eine Forscherin möchte untersuchen, ob die Einführung eines Mindestlohns in einem Bundesland die Beschäftigungsquote beeinflusst hat. In Bundesland A wird der Mindestlohn eingeführt, in Bundesland B nicht. Sie erhebt die Beschäftigungsquote jeweils ein Jahr vor und ein Jahr nach der Reform.

Tabelle 1. Beschäftigungsquoten vor und nach Mindestlohneinführung (in %)
Gruppe Vorher Nachher Differenz
Bundesland A (Behandlung) 72 % 75 % +3 %
Bundesland B (Kontrolle) 70 % 71 % +1 %
DiD-Schätzer +2 %

In Bundesland A stieg die Beschäftigungsquote um 3 Prozentpunkte, in Bundesland B nur um 1 Prozentpunkt. Der DiD-Schätzer beträgt damit 3 − 1 = 2 Prozentpunkte. Der allgemeine Trend (der auch ohne Mindestlohn zu einer Zunahme geführt hätte) ist bereits herausgerechnet. Unter der Parallel-Trends-Annahme lässt sich dieser Unterschied kausal auf die Mindestlohneinführung zurückführen.

Voraussetzung ist natürlich, dass beide Bundesländer ohne die Reform einen ähnlichen Trend gezeigt hätten – was die Forscherin mit Daten aus den Vorjahren plausibilisieren sollte.

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