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Statistik-Glossar

Effektstärke

Effect Size · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Effektstärke?

Die Effektstärke ist ein standardisiertes Maß, das die praktische Bedeutsamkeit eines statistischen Befundes quantifiziert. Anders als der p-Wert gibt sie nicht an, ob ein Effekt vorhanden ist, sondern wie groß dieser Effekt ist – unabhängig vom Stichprobenumfang.

Es gibt verschiedene Effektstärkemaße, je nach Analysemethode. Zu den gebräuchlichsten gehören:

  • Cohen’s d – für den Vergleich zweier Mittelwerte (z. B. t-Test)
  • r – für Korrelationen
  • η² (Eta-Quadrat) – für Varianzanalysen (ANOVA)
  • Cohen’s f² – für Regressionsanalysen

Cohen’s d ist das bekannteste Maß und berechnet sich als Differenz zweier Mittelwerte, dividiert durch die gepoolte Standardabweichung:

Formel: Cohen’s d

Jacob Cohen schlug folgende Orientierungswerte vor, die in der Praxis weit verbreitet sind:

Tabelle 1. Konventionen zur Interpretation von Cohen’s d
Effektstärke Wert (Cohen’s d) Interpretation
Klein 0,20 Geringer, aber vorhandener Effekt
Mittel 0,50 Mittlerer, wahrnehmbarer Effekt
Groß 0,80 Starker, deutlich sichtbarer Effekt
Einfach erklärt Stell dir vor, du vergleichst die Körpergröße von zwei Gruppen. Die Effektstärke sagt dir, wie stark sich die Gruppen wirklich unterscheiden – nicht nur ob ein Unterschied statistisch nachweisbar ist, sondern ob er im Alltag tatsächlich auffallen würde.

Warum ist Effektstärke für statistische Analysen wichtig?

Ein p-Wert allein reicht nicht aus, um einen Befund vollständig zu beurteilen. Bei sehr großen Stichproben werden selbst winzige, praktisch bedeutungslose Unterschiede statistisch signifikant. Die Effektstärke schafft hier Klarheit: Sie zeigt, ob ein Effekt nicht nur vorhanden, sondern auch relevant ist.

Effektstärken sind außerdem unverzichtbar für:

  • A-priori-Poweranalysen – Um vor einer Studie die benötigte Stichprobengröße zu berechnen, braucht man eine Schätzung der erwarteten Effektstärke.
  • Meta-Analysen – Studien mit unterschiedlichen Stichprobengrößen und Messskalen lassen sich nur über standardisierte Effektstärkemaße vergleichen und zusammenfassen.
  • Transparente Berichterstattung – Führende Fachzeitschriften und APA-Richtlinien fordern die Angabe von Effektstärken neben p-Werten.
Häufiger Fehler Viele verwechseln statistische Signifikanz mit praktischer Bedeutsamkeit. Ein p-Wert von 0,001 sagt nichts darüber aus, ob ein Effekt groß oder klein ist – ein winziger Effekt kann bei n = 10.000 hoch signifikant werden, ohne im Alltag irgendeinen Unterschied zu machen. Deshalb: immer Effektstärke und p-Wert gemeinsam berichten.
Gut zu wissen Cohens Richtwerte (klein/mittel/groß) sind grobe Daumenregeln und sollten nicht blind angewendet werden. In manchen Forschungsfeldern – etwa der Medizin oder Pädagogik – kann ein d = 0,20 durchaus eine klinisch oder gesellschaftlich bedeutsame Wirkung darstellen.

Praxisbeispiel zu Effektstärke

Eine Bildungsforscherin untersucht, ob ein neues Lernprogramm die Testergebnisse von Schülerinnen und Schülern verbessert. Sie teilt 60 Personen zufällig in eine Experimental- und eine Kontrollgruppe auf. Nach der Intervention ergibt der t-Test einen p-Wert von 0,03 – der Unterschied ist also statistisch signifikant.

Aber wie groß ist der Effekt tatsächlich? Die Ergebnisse sehen wie folgt aus:

Tabelle 2. Testergebnisse der beiden Gruppen
Gruppe Mittelwert Standardabweichung n
Experimentalgruppe 74 Punkte 10 30
Kontrollgruppe 68 Punkte 10 30

Die gepoolte Standardabweichung beträgt 10. Cohen’s d ergibt sich damit zu:

Berechnung

Ein d = 0,60 entspricht nach Cohen einem mittleren Effekt. Das neue Lernprogramm hat also nicht nur statistisch signifikant, sondern auch praktisch spürbar zur Leistungsverbesserung beigetragen – eine Information, die der p-Wert allein nicht liefern kann.

Effektstärke Cohen’s d Signifikanz p-Wert Poweranalyse Meta-Analyse t-Test Inferenzstatistik

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