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Statistik-Glossar

Eigenwert

Eigenvalue · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Eigenwert?

Ein Eigenwert (englisch: eigenvalue) ist ein zentrales Konzept der linearen Algebra, das in der multivariaten Statistik eine wichtige Rolle spielt. Er tritt immer zusammen mit einem zugehörigen Eigenvektor auf.

Formal gilt: Wenn A eine quadratische Matrix ist, dann ist ein Eigenwert von A, wenn es einen Vektor v ≠ 0 gibt, sodass gilt:

Grundlegende Eigenwertgleichung

Dabei ist v der zugehörige Eigenvektor. Die Gleichung beschreibt, dass die Matrix A den Vektor v nicht in eine neue Richtung dreht, sondern ihn lediglich um den Faktor streckt oder staucht.

Die Eigenwerte einer Matrix lassen sich über die sogenannte charakteristische Gleichung bestimmen:

Charakteristische Gleichung

Hierbei steht I für die Einheitsmatrix und det für die Determinante. Die Lösungen dieser Gleichung sind die Eigenwerte der Matrix.

Einfach erklärt: Stell dir vor, du streckst ein Gummiband in eine bestimmte Richtung. Die Richtungen, in denen das Gummiband nur länger oder kürzer wird – aber nicht die Richtung wechselt – sind die Eigenvektoren. Wie stark es dabei gedehnt oder gestaucht wird, gibt der zugehörige Eigenwert an. Ein großer Eigenwert bedeutet eine starke Streckung, also viel „Wirkung“ in dieser Richtung.

Warum ist der Eigenwert für statistische Analysen wichtig?

Eigenwerte sind in der Statistik vor allem in zwei Verfahren unverzichtbar: der Hauptkomponentenanalyse (PCA) und der Faktorenanalyse.

Bei der PCA wird die Kovarianz– oder Korrelationsmatrix der Daten auf ihre Eigenwerte und Eigenvektoren hin untersucht. Jeder Eigenwert gibt an, wie viel Varianz die zugehörige Hauptkomponente erklärt. Komponenten mit großen Eigenwerten erklären viel Varianz und sind damit informationsreicher. Komponenten mit kleinen Eigenwerten tragen wenig zur Erklärung der Gesamtvarianz bei.

Daraus ergibt sich ein praktischer Nutzen: Statt mit vielen Originalvariablen zu arbeiten, kann man sich auf wenige Hauptkomponenten mit hohen Eigenwerten beschränken und so die Dimensionalität der Daten reduzieren, ohne dabei zu viel Information zu verlieren.

Gut zu wissen: Ein weit verbreitetes Kriterium zur Entscheidung, wie viele Hauptkomponenten man behalten sollte, ist das sogenannte Kaiser-Kriterium: Behalte nur Komponenten mit einem Eigenwert größer als 1. Der Eigenwert 1 entspricht dabei der Varianz einer einzelnen standardisierten Variable – eine Komponente sollte also mindestens so viel erklären wie eine einzelne Variable.
Häufiger Fehler: Eigenwerte werden manchmal mit der erklärten Varianz in Prozent verwechselt. Der Eigenwert selbst ist ein absoluter Wert. Um den prozentualen Varianzanteil einer Komponente zu berechnen, muss der jeweilige Eigenwert durch die Summe aller Eigenwerte geteilt werden.

Praxisbeispiel zu Eigenwert

Eine Forscherin untersucht Studierende anhand von vier psychologischen Tests (Konzentration, Gedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit, logisches Denken). Sie führt eine PCA auf der Korrelationsmatrix durch und erhält folgende Eigenwerte:

Tabelle 1. Eigenwerte und erklärte Varianz der Hauptkomponenten
Komponente Eigenwert Erklärte Varianz (%) Kumuliert (%)
1 2,41 60,3 60,3
2 1,12 28,0 88,3
3 0,31 7,7 96,0
4 0,16 4,0 100,0

Nach dem Kaiser-Kriterium (Eigenwert > 1) werden die ersten beiden Komponenten beibehalten. Sie erklären zusammen bereits 88,3 % der Gesamtvarianz. Die ursprünglichen vier Variablen lassen sich also durch zwei Hauptkomponenten gut zusammenfassen – eine erhebliche Vereinfachung bei minimalem Informationsverlust.

Der erklärte Varianzanteil der ersten Komponente berechnet sich dabei als:

Berechnung des erklärten Varianzanteils

Eigenwert PCA Hauptkomponentenanalyse Faktorenanalyse Dimensionsreduktion Kovarianzmatrix Kaiser-Kriterium Multivariate Statistik

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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