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Statistik-Glossar

Einheitswurzeltest

Unit-Root-Test · Stationaritätstest · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter dem Einheitswurzeltest?

Ein Einheitswurzeltest prüft, ob eine Zeitreihe eine sogenannte Einheitswurzel besitzt – also ob der datengenerierte Prozess nicht-stationär ist. Eine Zeitreihe ist stationär, wenn ihr Erwartungswert, ihre Varianz und ihre Autokovarianzen über die Zeit konstant bleiben. Ist eine Einheitswurzel vorhanden, ist die Reihe hingegen nicht-stationär: Schocks wirken dauerhaft fort, und Mittelwert sowie Varianz verändern sich über die Zeit.

Formal betrachtet modelliert man die Zeitreihe oft als autoregressiven Prozess erster Ordnung (AR(1)):

AR(1)-Prozess

Dabei ist der autoregressive Koeffizient und ein zufälliger Fehlerterm. Gilt , liegt eine Einheitswurzel vor – die Zeitreihe folgt einem sogenannten Random Walk und ist nicht-stationär. Ist , ist die Reihe stationär.

Die bekanntesten Testverfahren sind der Augmented Dickey-Fuller-Test (ADF), der Phillips-Perron-Test (PP) sowie der KPSS-Test. ADF und PP testen die Nullhypothese, dass eine Einheitswurzel vorliegt (also Nicht-Stationarität). Der KPSS-Test kehrt die Hypothesen um: Dort ist Stationarität die Nullhypothese.

Einfach erklärt: Stell dir vor, du verfolgst den Kurs einer Aktie über Monate. Wenn der Kurs kein stabiles Niveau hat, sondern mal hoch, mal tief driftet und vergangene Schwankungen den Kurs dauerhaft verschieben – dann ist diese Reihe nicht-stationär und hat vermutlich eine Einheitswurzel. Der Einheitswurzeltest prüft genau das: Driftet die Reihe ziellos, oder kehrt sie immer wieder zu einem stabilen Durchschnitt zurück?

Warum ist der Einheitswurzeltest für statistische Analysen wichtig?

Viele statistische Verfahren – vor allem Regressionsmodelle für Zeitreihen – setzen Stationarität voraus. Ignoriert man eine vorhandene Einheitswurzel, droht das Problem der Scheinregression (englisch: spurious regression): Zwei völlig unabhängige, aber nicht-stationäre Reihen können einen hohen -Wert und scheinbar signifikante Koeffizienten liefern – obwohl kein echter Zusammenhang besteht. Die Ergebnisse wären dann wertlos.

Einheitswurzeltests stehen deshalb am Anfang vieler Zeitreihenanalysen. Sie helfen zu entscheiden:

  • Muss die Reihe vor der Analyse differenziert werden, um Stationarität herzustellen?
  • Können Modelle wie ARMA direkt angewendet werden, oder ist ARIMA nötig?
  • Liegt möglicherweise eine Kointegrationsbeziehung zwischen mehreren nicht-stationären Reihen vor?
Häufiger Fehler: ADF- und PP-Test haben als Nullhypothese die Nicht-Stationarität. Ein nicht-signifikantes Ergebnis bedeutet also nicht, dass die Reihe stationär ist – es bedeutet nur, dass die Nullhypothese nicht abgelehnt werden kann. Wer ADF und KPSS gemeinsam verwendet und die Hypothesenrichtungen verwechselt, kommt schnell zu falschen Schlüssen.
Gut zu wissen: Einheitswurzeltests haben in kleinen Stichproben eine geringe Teststärke – sie erkennen Nicht-Stationarität dann oft nicht zuverlässig. Bei kurzen Zeitreihen sollten die Ergebnisse deshalb mit Bedacht interpretiert und idealerweise durch mehrere Tests abgesichert werden.

Praxisbeispiel zum Einheitswurzeltest

Eine Studierende untersucht in ihrer Masterarbeit, ob das monatliche Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands und die Arbeitslosenquote über 20 Jahre zusammenhängen. Bevor sie eine Regression schätzt, führt sie für beide Reihen einen ADF-Test durch.

Tabelle 1. Ergebnisse des ADF-Tests für zwei Zeitreihen (vereinfacht)
Zeitreihe ADF-Teststatistik p-Wert Befund
BIP (Niveau) −1,43 0,57 Einheitswurzel nicht abgelehnt → nicht-stationär
Arbeitslosenquote (Niveau) −1,89 0,34 Einheitswurzel nicht abgelehnt → nicht-stationär
BIP (1. Differenz) −6,12 < 0,01 Einheitswurzel abgelehnt → stationär
Arbeitslosenquote (1. Differenz) −5,74 < 0,01 Einheitswurzel abgelehnt → stationär

Beide Reihen sind im Niveau nicht-stationär (p > 0,05, Nullhypothese wird nicht abgelehnt), nach einmaliger Differenzierung aber stationär. Die Studierende arbeitet daher mit den ersten Differenzen weiter – oder prüft zusätzlich, ob zwischen den ursprünglichen Niveaureihen eine Kointegrationsbeziehung besteht, die eine gemeinsame Analyse dennoch erlauben würde.

Zeitreihenanalyse Stationarität ADF-Test Scheinregression Kointegration Random Walk ARIMA Hypothesentest

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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