Gelegenheitsstichprobe
In diesem Beitrag
Was versteht man unter Gelegenheitsstichprobe?
Eine Gelegenheitsstichprobe (auch Anfallstichprobe oder englisch Convenience Sample) ist eine Form der nicht-probabilistischen Stichprobenziehung. Die Teilnehmenden werden nicht zufällig aus der Grundgesamtheit ausgewählt, sondern schlicht deshalb einbezogen, weil sie für die Forschenden leicht erreichbar oder verfügbar sind.
Im Gegensatz zu Zufallsstichproben hat bei einer Gelegenheitsstichprobe nicht jedes Mitglied der Grundgesamtheit die gleiche Chance, in die Stichprobe aufgenommen zu werden. Die Auswahl folgt keinem systematischen Zufallsprinzip, sondern praktischen Gesichtspunkten wie Erreichbarkeit, Zeitaufwand oder Kosten.
Typische Wege, auf denen Gelegenheitsstichproben entstehen:
- Befragung von Studierenden im eigenen Seminar
- Umfrage unter Freunden, Bekannten oder Kollegen
- Online-Umfragen, die über soziale Netzwerke geteilt werden
- Passantenbefragung an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit
Warum ist Gelegenheitsstichprobe für statistische Analysen wichtig?
Gelegenheitsstichproben sind in der Praxis sehr weit verbreitet, besonders in Abschlussarbeiten, explorativen Studien und der Grundlagenforschung – etwa wenn Psychologieproduzierende Studierende aus dem eigenen Institut befragen. Der entscheidende Vorteil liegt auf der Hand: Sie sind schnell, kostengünstig und einfach durchzuführen.
Aus statistischer Sicht hat die Gelegenheitsstichprobe jedoch einen gravierenden Nachteil: Sie erlaubt keine gesicherten Schlüsse auf die Grundgesamtheit. Da die Auswahl nicht zufällig erfolgt, kann man nicht ausschließen, dass die Stichprobe systematisch verzerrt ist – man spricht von einem Selektionsbias. Ergebnisse, die auf einer Gelegenheitsstichprobe beruhen, lassen sich daher streng genommen nicht verallgemeinern.
Dennoch sind Gelegenheitsstichproben nicht wertlos. Sie eignen sich gut für:
- Explorative Studien, bei denen es darum geht, erste Muster oder Hypothesen zu entdecken
- Pilotstudien, um Erhebungsinstrumente zu testen
- Laborexperimente, bei denen interne Validität wichtiger ist als Repräsentativität
- Situationen, in denen eine Zufallsstichprobe schlicht nicht umsetzbar ist
Praxisbeispiel zu Gelegenheitsstichprobe
Eine Psychologiestudentin schreibt ihre Bachelorarbeit zum Thema Prüfungsangst. Sie möchte untersuchen, ob Prüfungsangst mit der Schlafdauer in der Lernphase zusammenhängt. Da ihr Zeit und Budget fehlen, um eine echte Zufallsstichprobe zu ziehen, verteilt sie ihren Fragebogen über den Studierendenverteiler ihrer Fakultät und teilt den Link zusätzlich in mehreren WhatsApp-Gruppen.
Am Ende nehmen 87 Personen teil – allesamt Studierende aus ihrem sozialen Umfeld oder ihrer Hochschule. Das ist eine klassische Gelegenheitsstichprobe.
| Merkmal | Gelegenheitsstichprobe | Zufallsstichprobe |
|---|---|---|
| Auswahlprinzip | Verfügbarkeit / Erreichbarkeit | Zufall (gleiche Chance für alle) |
| Aufwand | Gering | Hoch |
| Kosten | Niedrig | Oft hoch |
| Repräsentativität | Nicht gewährleistet | Gewährleistet (bei korrekter Durchführung) |
| Verallgemeinerbarkeit | Eingeschränkt | Gegeben |
| Typischer Einsatz | Abschlussarbeiten, Pilotstudien | Bevölkerungsumfragen, große Studien |
Die Studentin findet einen signifikanten Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Prüfungsangst. In ihrer Diskussion weist sie jedoch korrekt darauf hin, dass die Stichprobe nicht repräsentativ für alle Studierenden in Deutschland ist, da überwiegend Personen aus ihrem direkten Umfeld teilgenommen haben und bestimmte Gruppen – etwa Studierende ohne Smartphone oder mit geringer sozialer Vernetzung – systematisch unterrepräsentiert sein könnten.