Gesamteffekt
In diesem Beitrag
Was versteht man unter dem Gesamteffekt?
Der Gesamteffekt (engl. total effect) beschreibt den vollständigen Einfluss einer unabhängigen Variable auf eine abhängige Variable – unabhängig davon, auf welchem Weg dieser Einfluss zustande kommt. Er setzt sich aus zwei Komponenten zusammen:
- Direkter Effekt: Der unmittelbare Einfluss der unabhängigen Variable auf die abhängige Variable, der nicht über eine dritte Variable (Mediator) vermittelt wird.
- Indirekter Effekt: Der Einfluss, der über einen oder mehrere Mediatoren läuft und damit auf einem Umweg von der unabhängigen zur abhängigen Variable gelangt.
Formal gilt:
Formel: Gesamteffekt
Der Gesamteffekt entspricht also dem Koeffizienten, den man erhält, wenn man eine einfache Regression der abhängigen auf die unabhängige Variable rechnet, ohne den Mediator zu berücksichtigen.
Warum ist der Gesamteffekt für statistische Analysen wichtig?
Der Gesamteffekt ist vor allem in der Mediationsanalyse von zentraler Bedeutung. Dort geht es darum zu verstehen, wie und warum eine Variable eine andere beeinflusst. Der Gesamteffekt bildet dabei den Ausgangspunkt: Er zeigt, ob überhaupt ein nennenswerter Zusammenhang zwischen der unabhängigen und der abhängigen Variable besteht, bevor man die Frage stellt, ob ein Teil davon über einen Mediator läuft.
Besonders relevant ist der Gesamteffekt auch in Strukturgleichungsmodellen (SEM), wo komplexe Beziehungsgeflechte zwischen mehreren Variablen modelliert werden. Hier lassen sich direkte, indirekte und totale Effekte systematisch berechnen und vergleichen.
Praxisbeispiel zum Gesamteffekt
Eine Forscherin untersucht, ob Stress (X) die Arbeitszufriedenheit (Y) beeinflusst. Sie vermutet, dass Schlafqualität (M) als Mediator fungiert: Stress verschlechtert den Schlaf, und schlechter Schlaf reduziert die Arbeitszufriedenheit.
Sie schätzt folgende Effekte:
| Effekttyp | Pfad | Koeffizient |
|---|---|---|
| Direkter Effekt | Stress → Arbeitszufriedenheit | −0,25 |
| Indirekter Effekt | Stress → Schlaf → Arbeitszufriedenheit | −0,18 |
| Gesamteffekt | Stress → Arbeitszufriedenheit (gesamt) | −0,43 |
Der Gesamteffekt von −0,43 zeigt: Insgesamt geht ein höheres Stressniveau mit deutlich geringerer Arbeitszufriedenheit einher. Etwa 42 % dieses Gesamteffekts (−0,18 von −0,43) laufen über die Schlafqualität – der Rest wirkt direkt. Für die Forscherin ist diese Aufschlüsselung wertvoll, weil sie zeigt, an welchen Stellen Interventionen ansetzen könnten: sowohl am direkten Stresserleben als auch an der Verbesserung des Schlafs.