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Statistik-Glossar

Greenhouse-Geisser-Korrektur

Greenhouse-Geisser Correction · Sphärizitätskorrektur · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter der Greenhouse-Geisser-Korrektur?

Die Greenhouse-Geisser-Korrektur ist ein statistisches Verfahren, das bei der einfaktoriellen Varianzanalyse mit Messwiederholung (repeated measures ANOVA) eingesetzt wird. Sie korrigiert die Freiheitsgrade des F-Tests, wenn die sogenannte Sphärizitätsannahme verletzt ist.

Die Sphärizitätsannahme besagt, dass die Varianzen der Differenzen zwischen allen Paaren von Messzeitpunkten gleich groß sein müssen. Ist das nicht der Fall, ist der F-Test der ANOVA zu liberal – er findet zu oft signifikante Ergebnisse, obwohl gar keiner vorliegen.

Das Ausmaß der Sphärizitätsverletzung wird durch den sogenannten Epsilon-Wert (ε) geschätzt. Er liegt zwischen einem Minimalwert und 1:

Epsilon-Wertebereich

Ein Epsilon von 1 bedeutet perfekte Sphärizität. Je kleiner Epsilon, desto stärker ist die Annahme verletzt. Die Greenhouse-Geisser-Korrektur verwendet diesen geschätzten Epsilon-Wert, um die Zähler- und Nennerfreiheitsgrade des F-Tests nach unten zu korrigieren, was zu einem konservativeren (strengeren) Test führt.

Einfach erklärt: Stell dir vor, du misst dieselben Personen zu mehreren Zeitpunkten. Die Messwiederholungs-ANOVA setzt voraus, dass die Unterschiede zwischen den Messzeitpunkten immer ähnlich variieren. Wenn das nicht stimmt, macht der Test zu viele falsche Aussagen. Die Greenhouse-Geisser-Korrektur berücksichtigt dieses Problem und macht den Test strenger – ähnlich wie ein Lehrer, der strengere Bewertungsmaßstäbe anlegt, wenn er merkt, dass die Aufgaben ungleichmäßig schwer waren.

Warum ist die Greenhouse-Geisser-Korrektur für statistische Analysen wichtig?

Immer dann, wenn du eine Messwiederholungs-ANOVA durchführst, solltest du prüfen, ob die Sphärizitätsannahme erfüllt ist. Das geschieht standardmäßig mit dem Mauchly-Test auf Sphärizität. Ist dieser Test signifikant (p < .05), gilt die Annahme als verletzt – und du brauchst eine Korrektur.

In diesem Fall stehen typischerweise zwei Korrekturmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Greenhouse-Geisser-Korrektur: Eher konservativ, besonders bei stärkeren Verletzungen empfohlen (ε < .75).
  • Huynh-Feldt-Korrektur: Etwas liberaler, wird oft bei moderaten Verletzungen bevorzugt (ε ≥ .75).

Beide Korrekturen passen die Freiheitsgrade an, sodass der kritische F-Wert steigt und falsch-positive Ergebnisse vermieden werden.

Häufiger Fehler: Viele Forschende berichten zwar den Mauchly-Test, wenden aber keine Korrektur an – oder wenden sie an, ohne dies im Methodenteil zu erwähnen. Beides ist problematisch. Wenn die Sphärizität verletzt ist, müssen korrigierte Freiheitsgrade und der zugehörige Epsilon-Wert immer vollständig berichtet werden.
Gut zu wissen: Statistische Programme wie SPSS, R (ez– oder afex-Paket) oder jamovi berechnen die Greenhouse-Geisser-Korrektur automatisch und geben den Epsilon-Wert sowie die korrigierten Freiheitsgrade direkt in der Ausgabe an.

Praxisbeispiel zur Greenhouse-Geisser-Korrektur

Eine Psychologin untersucht, ob sich die Stressbelastung von Studierenden im Verlauf des Semesters verändert. Sie misst den Stresslevel bei denselben 20 Personen zu drei Zeitpunkten: zu Semesterbeginn, zur Prüfungsphase und nach den Prüfungen.

Sie führt eine Messwiederholungs-ANOVA durch. Der Mauchly-Test ergibt W = .81, p = .023 – die Sphärizitätsannahme ist damit signifikant verletzt. Die Psychologin wendet die Greenhouse-Geisser-Korrektur an. SPSS gibt ihr folgende Werte aus:

Tabelle 1. Auszug aus der ANOVA-Ausgabe mit Greenhouse-Geisser-Korrektur
Quelle ε (GG) df (korrigiert) F p
Messzeitpunkt 0.84 1.68 12.34 .001

Ohne Korrektur wären die Freiheitsgrade df = 2 gewesen. Durch die Multiplikation mit ε = 0.84 ergibt sich der korrigierte Wert df = 1.68. Das Ergebnis ist dennoch signifikant: Der Stresslevel unterscheidet sich signifikant zwischen den drei Messzeitpunkten, F(1.68, …) = 12.34, p = .001, ε = 0.84.

Im Bericht sollte immer der Epsilon-Wert mit angegeben werden, damit Lesende nachvollziehen können, dass und wie korrigiert wurde.

Varianzanalyse Messwiederholung Sphärizität ANOVA Mauchly-Test Epsilon Freiheitsgrade repeated measures

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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