Intervallschätzung
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Was versteht man unter Intervallschätzung?
Die Intervallschätzung ist eine Methode der schließenden Statistik, bei der ein unbekannter Populationsparameter – etwa ein Mittelwert oder ein Anteilswert – nicht durch einen einzigen Zahlenwert, sondern durch einen Wertebereich geschätzt wird. Dieser Bereich wird als Konfidenzintervall (auch: Vertrauensintervall) bezeichnet.
Das Konfidenzintervall wird so konstruiert, dass es den wahren Parameter mit einer vorher festgelegten Wahrscheinlichkeit – dem Konfidenzniveau (z. B. 95 %) – überdeckt. Formal gilt für ein zweiseitiges Konfidenzintervall für den Erwartungswert bei bekannter Standardabweichung:
Formel: Konfidenzintervall für den Mittelwert
Dabei steht für den Stichprobenmittelwert, für den kritischen z-Wert zum gewählten Konfidenzniveau, für die Standardabweichung der Population und für den Stichprobenumfang. Der Ausdruck beschreibt den Standardfehler des Mittelwerts.
Das Gegenstück zur Intervallschätzung ist die Punktschätzung: Dort wird der Parameter durch genau einen Wert geschätzt. Die Intervallschätzung macht die unvermeidliche Schätzunsicherheit sichtbar und ist deshalb in der wissenschaftlichen Praxis oft informativer.
Warum ist Intervallschätzung für statistische Analysen wichtig?
In empirischen Studien arbeitet man fast immer mit Stichproben, nicht mit der gesamten Population. Jede Stichprobe liefert zufallsbedingt etwas andere Ergebnisse. Die Intervallschätzung trägt dieser Unsicherheit Rechnung, indem sie explizit angibt, in welchem Bereich der wahre Populationsparameter mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt.
Das gewählte Konfidenzniveau bestimmt die Breite des Intervalls:
- Ein höheres Konfidenzniveau (z. B. 99 %) erzeugt ein breiteres Intervall – mehr Sicherheit, weniger Präzision.
- Ein niedrigeres Konfidenzniveau (z. B. 90 %) erzeugt ein schmaleres Intervall – mehr Präzision, weniger Sicherheit.
- Ein größerer Stichprobenumfang verkleinert das Intervall – die Schätzung wird präziser.
Praxisbeispiel zu Intervallschätzung
Eine Psychologiestudentin untersucht für ihre Bachelorarbeit, wie viele Stunden Studierende pro Woche für ihr Studium aufwenden. Sie befragt eine zufällige Stichprobe von 64 Personen und erhält folgende Werte:
| Kennwert | Wert |
|---|---|
| Stichprobengröße (n) | 64 |
| Stichprobenmittelwert | 28,5 Stunden/Woche |
| Stichprobenstandardabweichung (s) | 8 Stunden |
| Konfidenzniveau | 95 % |
Der Standardfehler beträgt , also 1 Stunde. Der kritische z-Wert für 95 % beträgt 1,96. Das Konfidenzintervall ergibt sich als:
Berechnung des Konfidenzintervalls
Das 95-%-Konfidenzintervall liegt also zwischen 26,54 und 30,46 Stunden pro Woche. Die Studentin kann in ihrer Arbeit berichten: „Die mittlere wöchentliche Lernzeit beträgt 28,5 Stunden (95-%-KI: [26,54; 30,46]).“ Diese Angabe ist deutlich aussagekräftiger als ein bloßer Mittelwert, weil sie die Schätzunsicherheit transparent macht.