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Statistik-Glossar

Inzidenz

Incidence / Inzidenzrate · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Inzidenz?

Die Inzidenz ist ein Maß aus der Epidemiologie und Gesundheitsstatistik. Sie beschreibt, wie viele neue Fälle eines Ereignisses – häufig einer Erkrankung – in einer definierten Population innerhalb eines bestimmten Zeitraums auftreten. Entscheidend ist das Wort „neu“: Nur Personen, die zu Beginn des Beobachtungszeitraums noch nicht betroffen waren, fließen in die Berechnung ein.

Man unterscheidet zwei Varianten:

  • Inzidenzproportion (kumulierte Inzidenz): Der Anteil der Personen in einer Risikogruppe, der innerhalb eines festen Zeitraums neu erkrankt. Sie setzt eine geschlossene Population ohne Verluste voraus.
  • Inzidenzrate (Inzidenzrisiko pro Personenzeit): Neue Fälle bezogen auf die gesamte Beobachtungszeit aller Personen in der Risikogruppe – ausgedrückt in Personenjahren. Diese Variante eignet sich, wenn Personen zu unterschiedlichen Zeitpunkten aus der Studie ausscheiden.

Die Formel für die Inzidenzproportion lautet:

Inzidenzproportion

Die Formel für die Inzidenzrate lautet:

Inzidenzrate

Ergebnisse werden häufig auf eine Bezugsgröße normiert, z. B. „pro 100.000 Personenjahre“, um Vergleiche zwischen Populationen unterschiedlicher Größe zu erleichtern.

Einfach erklärt Stell dir vor, du beobachtest 1.000 gesunde Menschen ein Jahr lang. Am Ende sind 50 von ihnen neu an Grippe erkrankt. Die Inzidenz beträgt dann 50 pro 1.000 Personen – also 5 % in diesem Jahr. Die Inzidenz zählt nur die Neufälle, nicht alle, die krank sind oder jemals krank waren.

Warum ist Inzidenz für statistische Analysen wichtig?

Die Inzidenz ist eine der grundlegenden Kennzahlen in der Epidemiologie, der Public-Health-Forschung und der klinischen Statistik. Sie ermöglicht es, das Risiko zu quantifizieren, mit dem neue Krankheitsfälle auftreten – und ist damit unverzichtbar für:

  • die Überwachung von Krankheitsausbrüchen und Pandemien
  • den Vergleich von Risikogruppen in Kohortenstudien
  • die Berechnung relativer Maße wie dem relativen Risiko oder der Hazard Ratio
  • die Planung von Prävention und Ressourcen im Gesundheitswesen

Ein wichtiger Unterschied besteht zur Prävalenz: Während die Inzidenz Neufälle über einen Zeitraum erfasst, gibt die Prävalenz den Anteil aller Betroffenen zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder – unabhängig davon, ob die Erkrankung neu oder schon länger vorhanden ist.

Häufiger Fehler Inzidenz und Prävalenz werden oft verwechselt oder gleichgesetzt. Inzidenz misst das Auftreten neuer Fälle über die Zeit, Prävalenz den Bestand aller Fälle zu einem Stichtag. Bei chronischen Erkrankungen kann die Prävalenz deutlich höher sein als die Inzidenz, weil Betroffene lange mit der Erkrankung leben.
Gut zu wissen In manchen Studien – etwa bei seltenen Erkrankungen oder langen Beobachtungszeiträumen – ist die Inzidenzrate der Inzidenzproportion vorzuziehen, weil sie mit Studienabbrüchen und unterschiedlichen Beobachtungszeiten besser umgehen kann.

Praxisbeispiel zu Inzidenz

Eine Gesundheitsbehörde beobachtet in einer Stadt 10.000 bisher gesunde Erwachsene über ein Jahr, um die Ausbreitung von Diabetes Typ 2 zu verfolgen. Am Ende des Jahres werden 80 neue Diagnosen festgestellt. Zusätzlich scheiden im Laufe des Jahres 200 Personen vorzeitig aus der Beobachtung aus (z. B. durch Wegzug) und tragen im Durchschnitt nur ein halbes Jahr bei.

Tabelle 1. Berechnung von Inzidenzproportion und Inzidenzrate
Kennzahl Berechnung Ergebnis
Inzidenzproportion 80 / 10.000 0,8 % pro Jahr
Personenjahre (grob) 9.800 × 1 Jahr + 200 × 0,5 Jahre 9.900 Personenjahre
Inzidenzrate 80 / 9.900 ≈ 8,1 pro 1.000 Personenjahre

Während die Inzidenzproportion vereinfacht rechnet und alle 10.000 Personen als vollständig beobachtet annimmt, berücksichtigt die Inzidenzrate, dass nicht alle Personen gleich lange im Risiko waren. Gerade bei längeren Studien oder häufigen Studienabbrüchen liefert die Inzidenzrate daher das genauere Bild.

Epidemiologie Inzidenzrate Prävalenz Kohortenstudie Risikobewertung Personenzeit Public Health

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