Inzidenz
In diesem Beitrag
Was versteht man unter Inzidenz?
Die Inzidenz ist ein Maß aus der Epidemiologie und Gesundheitsstatistik. Sie beschreibt, wie viele neue Fälle eines Ereignisses – häufig einer Erkrankung – in einer definierten Population innerhalb eines bestimmten Zeitraums auftreten. Entscheidend ist das Wort „neu“: Nur Personen, die zu Beginn des Beobachtungszeitraums noch nicht betroffen waren, fließen in die Berechnung ein.
Man unterscheidet zwei Varianten:
- Inzidenzproportion (kumulierte Inzidenz): Der Anteil der Personen in einer Risikogruppe, der innerhalb eines festen Zeitraums neu erkrankt. Sie setzt eine geschlossene Population ohne Verluste voraus.
- Inzidenzrate (Inzidenzrisiko pro Personenzeit): Neue Fälle bezogen auf die gesamte Beobachtungszeit aller Personen in der Risikogruppe – ausgedrückt in Personenjahren. Diese Variante eignet sich, wenn Personen zu unterschiedlichen Zeitpunkten aus der Studie ausscheiden.
Die Formel für die Inzidenzproportion lautet:
Inzidenzproportion
Die Formel für die Inzidenzrate lautet:
Inzidenzrate
Ergebnisse werden häufig auf eine Bezugsgröße normiert, z. B. „pro 100.000 Personenjahre“, um Vergleiche zwischen Populationen unterschiedlicher Größe zu erleichtern.
Warum ist Inzidenz für statistische Analysen wichtig?
Die Inzidenz ist eine der grundlegenden Kennzahlen in der Epidemiologie, der Public-Health-Forschung und der klinischen Statistik. Sie ermöglicht es, das Risiko zu quantifizieren, mit dem neue Krankheitsfälle auftreten – und ist damit unverzichtbar für:
- die Überwachung von Krankheitsausbrüchen und Pandemien
- den Vergleich von Risikogruppen in Kohortenstudien
- die Berechnung relativer Maße wie dem relativen Risiko oder der Hazard Ratio
- die Planung von Prävention und Ressourcen im Gesundheitswesen
Ein wichtiger Unterschied besteht zur Prävalenz: Während die Inzidenz Neufälle über einen Zeitraum erfasst, gibt die Prävalenz den Anteil aller Betroffenen zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder – unabhängig davon, ob die Erkrankung neu oder schon länger vorhanden ist.
Praxisbeispiel zu Inzidenz
Eine Gesundheitsbehörde beobachtet in einer Stadt 10.000 bisher gesunde Erwachsene über ein Jahr, um die Ausbreitung von Diabetes Typ 2 zu verfolgen. Am Ende des Jahres werden 80 neue Diagnosen festgestellt. Zusätzlich scheiden im Laufe des Jahres 200 Personen vorzeitig aus der Beobachtung aus (z. B. durch Wegzug) und tragen im Durchschnitt nur ein halbes Jahr bei.
| Kennzahl | Berechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Inzidenzproportion | 80 / 10.000 | 0,8 % pro Jahr |
| Personenjahre (grob) | 9.800 × 1 Jahr + 200 × 0,5 Jahre | 9.900 Personenjahre |
| Inzidenzrate | 80 / 9.900 | ≈ 8,1 pro 1.000 Personenjahre |
Während die Inzidenzproportion vereinfacht rechnet und alle 10.000 Personen als vollständig beobachtet annimmt, berücksichtigt die Inzidenzrate, dass nicht alle Personen gleich lange im Risiko waren. Gerade bei längeren Studien oder häufigen Studienabbrüchen liefert die Inzidenzrate daher das genauere Bild.