Itemtrennschärfe
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Was versteht man unter Itemtrennschärfe?
Die Itemtrennschärfe ist ein Maß aus der klassischen Testtheorie. Sie gibt an, wie gut ein einzelnes Item (also eine einzelne Frage oder Aufgabe in einem Test) zwischen Personen mit hoher und solchen mit niedriger Gesamtleistung unterscheiden kann. Technisch gesprochen ist die Itemtrennschärfe die Korrelation zwischen der Antwort auf ein bestimmtes Item und dem Gesamtscore des Tests.
Am gebräuchlichsten ist die korrigierte Itemtrennschärfe (auch: part-whole-korrigierte Trennschärfe). Dabei wird das betrachtete Item beim Berechnen des Gesamtscores ausgeschlossen, um eine künstliche Aufblähung der Korrelation zu vermeiden. Das Ergebnis ist der Korrelationskoeffizient rit, der Werte zwischen −1 und +1 annehmen kann.
Formel: Korrigierte Itemtrennschärfe
Dabei steht xi für die Antwort auf das betrachtete Item und T(-i) für den Gesamtscore ohne dieses Item.
Als grobe Orientierung gelten folgende Richtwerte:
| Wert von rit | Bewertung |
|---|---|
| ≥ .40 | Sehr gut |
| .30 – .39 | Gut |
| .20 – .29 | Akzeptabel |
| .10 – .19 | Schwach, Überarbeitung empfohlen |
| < .10 oder negativ | Ungeeignet, sollte entfernt werden |
Warum ist Itemtrennschärfe für statistische Analysen wichtig?
Die Itemtrennschärfe ist ein zentrales Kriterium bei der Testkonstruktion und -überprüfung. Sie gibt Auskunft darüber, ob ein Item zur Messqualität des gesamten Tests beiträgt oder ihn eher schwächt. Items mit niedriger oder negativer Trennschärfe sollten überarbeitet oder aus dem Test entfernt werden, weil sie das Gesamtergebnis verzerren und die Reliabilität (Messgenauigkeit) des Tests senken.
Ein enger Zusammenhang besteht dabei mit dem Reliabilitätsmaß Cronbachs Alpha: Items mit hoher Trennschärfe erhöhen in der Regel das Cronbachs Alpha des Gesamttests. Umgekehrt kann ein einzelnes Item mit sehr niedriger Trennschärfe das Alpha deutlich drücken.
Praxisbeispiel zu Itemtrennschärfe
Angenommen, du entwickelst einen Fragebogen zur Messung von Prüfungsangst mit zehn Items. Nach der Piloterhebung an 80 Studierenden berechnest du für jedes Item die korrigierte Trennschärfe. Die Ergebnisse für drei ausgewählte Items könnten so aussehen:
| Item | Inhalt (gekürzt) | rit | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Item 3 | „Vor Prüfungen schlafe ich schlecht.“ | .52 | Sehr gut |
| Item 7 | „Ich lerne regelmäßig während des Semesters.“ | .08 | Ungeeignet |
| Item 9 | „Mein Herz rast, wenn ich die Aufgaben lese.“ | .44 | Sehr gut |
Item 7 misst offensichtlich etwas anderes als Prüfungsangst – nämlich eher Lernverhalten. Es korreliert kaum mit dem Gesamtscore und sollte aus dem Fragebogen entfernt oder inhaltlich überarbeitet werden. Items 3 und 9 hingegen tragen gut zur Messung des Konstrukts bei und können im Test verbleiben.
Dieses Vorgehen – Items anhand ihrer Trennschärfe zu selektieren – ist ein Standardschritt in der Skalenentwicklung und wird in SPSS, R oder jamovi routinemäßig als Teil der Reliabilitätsanalyse ausgegeben.