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Statistik-Glossar

Kaiser-Meyer-Olkin-Kriterium

Kaiser-Meyer-Olkin Measure of Sampling Adequacy (KMO) · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was versteht man unter dem Kaiser-Meyer-Olkin-Kriterium?

Das Kaiser-Meyer-Olkin-Kriterium (kurz: KMO) ist ein statistisches Maß, das bewertet, ob die Korrelationsstruktur einer Variablenmenge gut genug ist, um eine Faktorenanalyse sinnvoll durchzuführen. Es prüft also die sogenannte Stichprobeneignung: Lassen sich die beobachteten Zusammenhänge zwischen den Variablen tatsächlich auf gemeinsame latente Faktoren zurückführen?

Mathematisch basiert der KMO-Wert auf dem Vergleich der einfachen Korrelationen zwischen den Variablen mit ihren sogenannten partiellen Korrelationen. Partielle Korrelationen geben an, wie stark zwei Variablen noch zusammenhängen, wenn der Einfluss aller anderen Variablen herausgerechnet wird. Die Logik dahinter: Wenn gemeinsame Faktoren existieren, sollten die partiellen Korrelationen im Vergleich zu den einfachen Korrelationen klein sein – die Variablen teilen ihren Zusammenhang nämlich überwiegend über den gemeinsamen Faktor.

Formel des KMO-Kriteriums

Dabei steht für die einfachen Korrelationen zwischen den Variablen i und j, und für die entsprechenden partiellen Korrelationen. Der KMO-Wert liegt immer zwischen 0 und 1.

Einfach erklärt Stell dir vor, du hast viele Variablen und fragst dich, ob sie sich zu sinnvollen Gruppen (Faktoren) zusammenfassen lassen. Der KMO-Wert sagt dir: Je näher er an 1 liegt, desto besser „passen“ die Variablen zusammen – und desto mehr lohnt es sich, eine Faktorenanalyse durchzuführen.

Als Orientierung für die Interpretation des KMO-Werts hat sich folgende Einteilung etabliert:

Tabelle 1. Interpretation des KMO-Werts nach Kaiser (1974)
KMO-Wert Bewertung
≥ 0,90 Sehr gut (marvelous)
0,80 – 0,89 Gut (meritorious)
0,70 – 0,79 Mittelgut (middling)
0,60 – 0,69 Mäßig (mediocre)
0,50 – 0,59 Schlecht (miserable)
< 0,50 Inakzeptabel (unacceptable)

Warum ist das Kaiser-Meyer-Olkin-Kriterium für statistische Analysen wichtig?

Die Faktorenanalyse setzt voraus, dass die untersuchten Variablen tatsächlich gemeinsame Strukturen teilen. Ist das nicht der Fall, liefert sie bedeutungslose oder irreführende Ergebnisse. Das KMO-Kriterium dient daher als wichtige Vorabprüfung, bevor die eigentliche Analyse überhaupt beginnt.

In der Praxis wird das KMO-Kriterium fast immer gemeinsam mit dem Bartlett-Test auf Sphärizität berichtet. Während der Bartlett-Test prüft, ob die Korrelationsmatrix überhaupt von einer Einheitsmatrix abweicht (also ob überhaupt Korrelationen vorhanden sind), gibt der KMO-Wert zusätzlich Auskunft über die Qualität dieser Korrelationsstruktur.

Häufiger Fehler Ein KMO-Wert über 0,50 wird manchmal als ausreichend akzeptiert, obwohl er eigentlich als schlecht einzustufen ist. Für wissenschaftliche Arbeiten sollte der KMO-Wert mindestens im mittleren Bereich (≥ 0,70) liegen. Werte unter 0,60 sollten kritisch hinterfragt und im Bericht begründet werden.

Neben dem globalen KMO-Wert für die gesamte Variablenmenge berechnen Statistikprogramme wie SPSS auch individuelle KMO-Werte für jede einzelne Variable (in der sogenannten Anti-Image-Korrelationsmatrix). Variablen mit einem sehr niedrigen individuellen KMO-Wert (unter 0,50) sollten aus der Analyse entfernt werden, da sie die Faktorstruktur stören.

Praxisbeispiel zum Kaiser-Meyer-Olkin-Kriterium

Angenommen, du führst eine Befragungsstudie zur Arbeitszufriedenheit durch. Dein Fragebogen enthält 15 Items zu Themen wie Gehalt, Teamklima, Führungsverhalten und Entwicklungsmöglichkeiten. Du möchtest mithilfe einer explorativen Faktorenanalyse prüfen, ob sich diese Items zu wenigen übergeordneten Faktoren bündeln lassen.

Bevor du die eigentliche Faktorenanalyse durchführst, berechnest du in SPSS das KMO-Kriterium und führst den Bartlett-Test durch. Die Ausgabe zeigt:

Tabelle 2. Beispielhafte KMO- und Bartlett-Ausgabe (SPSS)
Maß Wert
KMO-Wert 0,83
Bartlett-Test: Chi-Quadrat 412,7
Bartlett-Test: df 105
Bartlett-Test: p-Wert < 0,001

Der KMO-Wert von 0,83 wird nach Kaiser als gut eingestuft. Das bedeutet: Die Korrelationsstruktur deiner 15 Items ist gut geeignet für eine Faktorenanalyse – die Variablen teilen ausreichend gemeinsame Varianz über latente Faktoren. Der signifikante Bartlett-Test bestätigt zusätzlich, dass die Korrelationsmatrix nicht zufällig ist. Du kannst die Faktorenanalyse also mit gutem Gewissen durchführen und das Ergebnis entsprechend in deiner Arbeit berichten.

Gut zu wissen In deiner Abschlussarbeit oder Publikation solltest du KMO-Wert und Bartlett-Test immer gemeinsam und vollständig berichten – also KMO-Wert, Chi-Quadrat, Freiheitsgrade und p-Wert. Das entspricht den Berichtsstandards der APA und ist für Lesende notwendig, um die Angemessenheit deiner Analyse nachvollziehen zu können.

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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