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Statistik-Glossar

Kendall-Tau

Kendall’s Tau / Kendall-Rangkorrelationskoeffizient · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Kendall-Tau?

Kendall-Tau (auch: Kendall’s τ) ist ein nicht-parametrischer Korrelationskoeffizient, der den Zusammenhang zwischen zwei Variablen auf Basis ihrer Rangordnung misst. Er wurde 1938 vom britischen Statistiker Maurice Kendall entwickelt und gehört neben dem Spearman-Rangkorrelationskoeffizienten zu den gebräuchlichsten Maßzahlen für Rangkorrelationen.

Grundlage des Koeffizienten ist die Idee der Konkordanz und Diskordanz: Man betrachtet alle möglichen Paare von Beobachtungen und prüft, ob ihre Rangfolge in beiden Variablen übereinstimmt (konkordant) oder nicht übereinstimmt (diskordant). Das am häufigsten verwendete Maß ist Kendall-Tau-b, das auch Bindungen (Ties) – also gleiche Rangwerte – berücksichtigt:

Formel: Kendall-Tau-b

Dabei ist C die Anzahl konkordanter Paare und D die Anzahl diskordanter Paare. Die Terme im Nenner korrigieren für Bindungen in der ersten bzw. zweiten Variable. Der Wertebereich liegt zwischen −1 und +1:

  • τ = +1: perfekte positive Übereinstimmung der Rangfolgen
  • τ = 0: kein systematischer Zusammenhang
  • τ = −1: perfekte negative Übereinstimmung der Rangfolgen
Einfach erklärt: Stell dir vor, du und eine Freundin ranken unabhängig voneinander zehn Filme. Kendall-Tau misst, wie oft ihr euch dabei einig seid – also wie häufig ihr denselben Film höher oder niedriger als einen anderen einstuft. Je häufiger eure Einschätzungen übereinstimmen, desto näher liegt τ an +1.

Warum ist Kendall-Tau für statistische Analysen wichtig?

Kendall-Tau ist immer dann eine gute Wahl, wenn mindestens eine der folgenden Bedingungen zutrifft:

  • Die Daten sind ordinalskaliert (z. B. Schulnoten, Likert-Skalen, Ranglisten).
  • Die Normalverteilungsannahme ist nicht erfüllt oder kann nicht geprüft werden.
  • Der Datensatz ist klein oder enthält Ausreißer, die parametrische Verfahren verzerren würden.
  • Es gibt viele Bindungen (Ties) in den Daten – hier ist Tau-b dem einfacheren Tau-a vorzuziehen.

Im Vergleich zu Spearmans ρ liefert Kendall-Tau bei kleinen Stichproben robustere Ergebnisse und ist statistisch leichter zu interpretieren, da es direkt als Wahrscheinlichkeitsdifferenz gelesen werden kann: τ = 0,4 bedeutet, dass konkordante Paare um 40 Prozentpunkte häufiger auftreten als diskordante Paare. Allerdings ist Kendall-Tau rechnerisch aufwändiger und liefert bei denselben Daten in der Regel etwas kleinere Absolutwerte als Spearmans ρ – was kein Nachteil ist, sondern eine andere Skalierung widerspiegelt.

Häufiger Fehler: Kendall-Tau und Spearmans ρ dürfen nicht direkt miteinander verglichen werden, da sie denselben Zusammenhang numerisch unterschiedlich abbilden. Ein τ von 0,5 entspricht in der Regel ungefähr einem ρ von 0,7 – die Werte sind also nicht austauschbar.
Gut zu wissen: Neben Tau-b existiert auch Kendall-Tau-c (Stuart’s Tau-c), das speziell für Kreuztabellen mit unterschiedlich vielen Zeilen und Spalten entwickelt wurde – etwa bei der Analyse von Zusammenhängen zwischen zwei Ordinalvariablen in einer Kontingenztabelle.

Praxisbeispiel zu Kendall-Tau

Eine Bildungsforscherin möchte wissen, ob die Bewertung von Schüleraufsätzen durch zwei unabhängige Lehrkräfte übereinstimmt. Fünf Aufsätze wurden von beiden Lehrkräften mit Rangplätzen von 1 (bester Aufsatz) bis 5 (schlechtester Aufsatz) bewertet:

Tabelle 1. Rangbewertungen von fünf Aufsätzen durch zwei Lehrkräfte
Aufsatz Rang Lehrkraft A Rang Lehrkraft B
1 1 2
2 2 1
3 3 3
4 4 5
5 5 4

Beim paarweisen Vergleich aller = 10 Paare ergibt sich: 8 konkordante Paare (C = 8) und 2 diskordante Paare (D = 2). Da keine Bindungen vorliegen, vereinfacht sich die Formel zu:

Berechnung

Ein Kendall-Tau von 0,6 zeigt eine deutliche positive Übereinstimmung zwischen den beiden Lehrkräften: In 60 % mehr Paaren stimmen ihre Rangeinschätzungen überein, als sie voneinander abweichen. Die Beurteilung ist also tendenziell konsistent – aber nicht perfekt, was auf leichte Unterschiede in der Bewertungspraxis hindeutet.

Korrelation Rangkorrelation Nicht-parametrisch Ordinalskalierung Konkordanz Spearman Zusammenhangsmaße

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