Kumulative Inzidenz
In diesem Beitrag
Was versteht man unter Kumulativer Inzidenz?
Die kumulative Inzidenz (auch: kumuliertes Inzidenzrisiko oder absolutes Risiko) ist ein Maß aus der Epidemiologie und medizinischen Statistik. Sie gibt an, welcher Anteil einer anfangs gesunden, ereignisfreien Personengruppe innerhalb eines definierten Beobachtungszeitraums ein bestimmtes Ereignis – zum Beispiel eine Erkrankung, einen Rückfall oder den Tod – erlebt.
Formel: Kumulative Inzidenz
Dabei steht Neue Fälle im Zeitraum für die Anzahl der Personen, die das Ereignis neu entwickeln, und Risikogruppe zu Beginn für die Gesamtzahl der Personen, die zu Beginn des Beobachtungszeitraums noch kein Ereignis hatten. Das Ergebnis liegt zwischen 0 und 1 und wird häufig als Prozentsatz angegeben.
Wichtig: Die kumulative Inzidenz setzt voraus, dass alle Personen den gesamten Beobachtungszeitraum beobachtet werden – also keine Personen vorzeitig aus der Studie ausscheiden (kein sogenanntes Zensieren). Gibt es Zensierungen, ist die Inzidenzdichte (Inzidenzrate) oder eine Schätzung über das Kaplan-Meier-Verfahren die methodisch korrektere Alternative.
Warum ist Kumulative Inzidenz für statistische Analysen wichtig?
Die kumulative Inzidenz ist eines der grundlegendsten Risikomaße in der epidemiologischen und klinischen Forschung. Sie macht das absolute Erkrankungsrisiko einer Population in einem konkreten Zeitraum direkt ablesbar – ohne weitere Rechenschritte oder Zusatzwissen. Das macht sie besonders gut geeignet, um Ergebnisse verständlich zu kommunizieren, etwa gegenüber Patientinnen und Patienten oder in der Gesundheitspolitik.
In der Forschung wird die kumulative Inzidenz häufig für folgende Zwecke eingesetzt:
- Vergleich von Erkrankungsrisiken zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen
- Berechnung des absoluten Risikounterschieds (Attributables Risiko) zwischen zwei Gruppen
- Grundlage für die Berechnung der Number Needed to Treat (NNT) in klinischen Studien
- Ausgangspunkt für Überlebenszeitanalysen, wenn keine Zensierungen vorliegen
Praxisbeispiel zu Kumulativer Inzidenz
Eine Forschungsgruppe möchte wissen, wie häufig Patientinnen und Patienten nach einer bestimmten Operation innerhalb von zwei Jahren einen Rückfall erleiden. Dazu werden 500 Personen unmittelbar nach der Operation beobachtet. Nach zwei Jahren haben 75 Personen einen Rückfall erlitten. Alle 500 Personen wurden den gesamten Zeitraum vollständig beobachtet.
| Größe | Wert |
|---|---|
| Risikogruppe zu Beginn | 500 Personen |
| Neue Fälle im Beobachtungszeitraum | 75 Personen |
| Beobachtungszeitraum | 2 Jahre |
| Kumulative Inzidenz | 75 / 500 = 0,15 = 15 % |
Die kumulative Inzidenz beträgt somit 15 %. Das bedeutet: Innerhalb von zwei Jahren nach der Operation erleidet im Durchschnitt jede siebte betroffene Person einen Rückfall. Diese Zahl lässt sich direkt als Rückfallrisiko interpretieren und beispielsweise zwischen verschiedenen Behandlungsgruppen vergleichen, um den Nutzen einer präventiven Maßnahme zu quantifizieren.