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Statistik-Glossar

Kurtosis

Englisch: Kurtosis · Deutsch: Wölbung · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Kurtosis?

Die Kurtosis (auch: Wölbung) ist ein statistisches Maß, das beschreibt, wie stark die Ränder einer Verteilung im Vergleich zu einer Normalverteilung ausgeprägt sind. Technisch gesprochen misst sie die Steilheit oder Flachheit einer Verteilung rund um ihren Mittelpunkt – genauer gesagt, wie viel des Streuungsanteils auf extreme Werte (sogenannte Ausreißer) entfällt.

Die Kurtosis wird über das standardisierte vierte zentrale Moment berechnet:

Formel: Kurtosis

Dabei steht für die einzelnen Beobachtungswerte, für den Mittelwert, für die Standardabweichung und für die Anzahl der Beobachtungen.

Eine Normalverteilung hat eine Kurtosis von 3. In der Praxis wird häufig die sogenannte Exzess-Kurtosis (auch: Überschusskurtosis) verwendet, bei der dieser Referenzwert abgezogen wird:

Formel: Exzess-Kurtosis

Bei der Exzess-Kurtosis gilt: Ein Wert von 0 entspricht einer Normalverteilung. Positive Werte zeigen eine spitzere Verteilung mit schweren Rändern an (leptokurtisch), negative Werte eine flachere Verteilung mit leichten Rändern (platykurtisch).

Tabelle 1. Interpretation der Exzess-Kurtosis
Exzess-Kurtosis Bezeichnung Bedeutung
= 0 Mesokurtisch Wie eine Normalverteilung
> 0 Leptokurtisch Spitzer Gipfel, schwere Ränder, mehr Ausreißer
< 0 Platykurtisch Flacher Gipfel, leichte Ränder, weniger Ausreißer
Einfach erklärt Stell dir die Verteilung deiner Daten als Berg vor. Die Kurtosis sagt dir, ob dieser Berg eher wie ein schmaler, spitzer Felsgipfel aussieht (leptokurtisch) oder eher wie ein breites, flaches Plateau (platykurtisch). Ein „normaler“ Hügel entspricht der Normalverteilung. Je spitzer der Gipfel, desto mehr Daten häufen sich in der Mitte – und desto mehr einzelne Werte liegen weit entfernt vom Zentrum.

Warum ist Kurtosis für statistische Analysen wichtig?

Viele statistische Verfahren – etwa die lineare Regression, t-Tests oder ANOVAs – setzen voraus, dass die Daten (annähernd) normalverteilt sind. Die Kurtosis ist neben der Schiefe ein wichtiges Hilfsmittel, um diese Annahme zu überprüfen. Weicht die Kurtosis deutlich von 0 ab, kann das ein Hinweis darauf sein, dass die Normalverteilungsannahme verletzt ist.

Besonders relevant ist die Kurtosis in folgenden Situationen:

  • Risikoanalysen und Finanzdaten: Finanzrenditen zeigen häufig eine stark positive Kurtosis. Das bedeutet, dass extreme Kursausschläge häufiger auftreten als eine Normalverteilung erwarten ließe – ein Befund, der für das Risikomanagement entscheidend ist.
  • Vor dem Einsatz parametrischer Tests: Eine hohe Kurtosis signalisiert, dass viele Ausreißer in den Daten vorhanden sind. Das kann Ergebnisse von Tests wie dem t-Test verzerren.
  • Normalverteilungstests: Tests wie der Shapiro-Wilk-Test oder der Kolmogorov-Smirnov-Test prüfen die Normalverteilung formal. Die Kurtosis liefert dabei ergänzende, anschauliche Information.
Häufiger Fehler Kurtosis und Schiefe werden oft verwechselt. Die Schiefe beschreibt die Asymmetrie einer Verteilung (ist sie nach links oder rechts verschoben?), während die Kurtosis beschreibt, wie spitz oder flach die Verteilung ist und wie stark die Ränder besetzt sind. Beide Maße ergänzen sich, messen aber grundlegend verschiedene Eigenschaften der Verteilung.
Gut zu wissen Softwareprogramme wie SPSS, R oder Stata geben standardmäßig die Exzess-Kurtosis aus. Bei der Interpretation sollte man daher prüfen, welchen Referenzwert die verwendete Software zugrunde legt. In manchen Programmen findet sich der Begriff „Kurtosis“, obwohl technisch die Exzess-Kurtosis gemeint ist.

Praxisbeispiel zu Kurtosis

Angenommen, du untersuchst die Prüfungsnoten von 200 Studierenden in zwei verschiedenen Kursen. In beiden Kursen beträgt der Mittelwert 72 Punkte und die Standardabweichung 10 Punkte – die Verteilungen sehen auf den ersten Blick ähnlich aus.

Ein Blick auf die Exzess-Kurtosis zeigt jedoch:

Tabelle 2. Vergleich der Kurtosis zweier Kurse
Kurs Mittelwert Standardabweichung Exzess-Kurtosis Interpretation
Kurs A 72 10 +2,8 Viele mittlere Noten, aber auch einzelne sehr schlechte und sehr gute Ausreißer
Kurs B 72 10 −1,1 Noten gleichmäßiger verteilt, wenige extreme Werte

In Kurs A häufen sich die Noten stark um den Mittelwert, gleichzeitig gibt es einige wenige Studierende mit sehr schlechten oder sehr guten Ergebnissen. In Kurs B ist das Leistungsbild gleichmäßiger – es gibt kaum auffällige Ausreißer nach oben oder unten.

Für deine statistische Analyse bedeutet das: Planst du einen t-Test, um die Kurse zu vergleichen, solltest du bei Kurs A aufgrund der erhöhten Kurtosis prüfen, ob die Normalverteilungsannahme noch hält – oder ob ein nicht-parametrisches Verfahren sinnvoller wäre.

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