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Statistik-Glossar

Likelihood

Likelihood-Funktion · Wahrscheinlichkeitsdichte der Parameter · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Likelihood?

Die Likelihood (auch: Likelihood-Funktion) ist eine Funktion, die angibt, wie plausibel ein bestimmter Parameterwert angesichts beobachteter Daten ist. Formal ist sie definiert als die Wahrscheinlichkeit der beobachteten Daten x, betrachtet als Funktion des unbekannten Parameters θ:

Likelihood-Funktion

Entscheidend ist der Perspektivwechsel: Während eine klassische Wahrscheinlichkeit P(x | θ) fragt „Wie wahrscheinlich sind diese Daten, wenn θ bekannt ist?“, dreht die Likelihood die Frage um: „Welcher Parameterwert θ macht die beobachteten Daten am plausibelsten?“ Die Daten sind gegeben – der Parameter ist die Variable.

In der Praxis arbeitet man häufig mit der Log-Likelihood ℓ(θ) = ln L(θ), weil sie rechnerisch einfacher zu handhaben ist: Produkte werden zu Summen, und numerische Unter- oder Überläufe bei kleinen Wahrscheinlichkeiten werden vermieden.

Einfach erklärt Stell dir vor, du findest draußen nasse Straßen. Jetzt fragst du dich: Wie wahrscheinlich ist es, dass es geregnet hat? Die Likelihood gibt an, wie gut verschiedene Erklärungen – Regen, Straßenreinigung, Sprinkleranlage – zu dem passen, was du beobachtet hast. Sie bewertet nicht die Erklärungen selbst, sondern wie gut sie zu deinen Daten passen.

Warum ist Likelihood für statistische Analysen wichtig?

Die Likelihood ist das Herzstück vieler statistischer Schätzverfahren. Beim Maximum-Likelihood-Schätzer (MLE) wird derjenige Parameterwert gesucht, der die Likelihood maximiert – also die Daten am besten erklärt. Dieses Prinzip ist in der modernen Statistik allgegenwärtig: Regressionsmodelle, logistische Regression, Mischmodelle und viele maschinelle Lernverfahren beruhen darauf.

Darüber hinaus bildet die Likelihood die Grundlage für wichtige Modellvergleichswerkzeuge:

  • Likelihood-Quotienten-Test (Likelihood Ratio Test): Vergleicht zwei geschachtelte Modelle anhand des Verhältnisses ihrer maximierten Likelihoods.
  • AIC und BIC: Informationskriterien, die auf der Log-Likelihood basieren und Modellgüte mit Modellkomplexität abwägen.
  • Bayesianische Inferenz: Die Likelihood ist dort eine zentrale Komponente des Bayes-Theorems, über die Vorinformation (Prior) mit den Daten verknüpft wird.
Häufiger Fehler Likelihood und Wahrscheinlichkeit sind nicht dasselbe. Eine Likelihood ist keine Wahrscheinlichkeit im strengen Sinne – sie summiert oder integriert nicht zwingend zu 1. Es ist ein häufiges Missverständnis, Likelihood-Werte direkt als Wahrscheinlichkeiten zu interpretieren oder verschiedene Likelihoods verschiedener Modelle ohne weiteres zu vergleichen.
Gut zu wissen Für den Vergleich zweier Modelle mit dem Likelihood-Quotienten-Test müssen die Modelle geschachtelt sein, d. h. das kleinere Modell muss ein Spezialfall des größeren sein. Bei nicht-geschachtelten Modellen greift man stattdessen auf AIC oder BIC zurück.

Praxisbeispiel zu Likelihood

Angenommen, du wirfst eine Münze 10-mal und erhältst 7-mal Kopf. Du fragst dich, ob die Münze fair ist (θ = 0,5) oder ob sie eine Kopf-Tendenz hat (z. B. θ = 0,7). Beide Parameterwerte sind prinzipiell möglich – aber welcher passt besser zu deinen Daten?

Die Likelihood für einen Parameterwert θ bei einer Binomialverteilung lautet:

Likelihood für das Münzbeispiel

Tabelle 1. Likelihood-Werte für verschiedene Parameterwerte θ (n = 10, k = 7)
Parameterwert θ Likelihood L(θ) Log-Likelihood ℓ(θ)
0,3 0,0090 −4,71
0,5 0,1172 −2,14
0,7 0,2668 −1,32
0,7 (MLE) 0,2668 −1,32 (Maximum)

Der Maximum-Likelihood-Schätzer liefert hier θ = 0,7 – genau der Anteilswert 7/10 aus den beobachteten Daten. Das ist kein Zufall: Der MLE einer Binomialverteilung ist stets der beobachtete Anteil k/n. Die Tabelle zeigt anschaulich, dass θ = 0,7 die Daten deutlich besser erklärt als θ = 0,5 oder θ = 0,3. Ob die Münze damit tatsächlich „unfair“ ist, hängt allerdings von einem Signifikanztest oder einer bayesianischen Analyse ab – die Likelihood allein trifft keine endgültige Entscheidung.

Likelihood Maximum-Likelihood Parameterschätzung Log-Likelihood MLE Modellvergleich AIC Inferenzstatistik

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