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Statistik-Glossar

Logit

Logit-Funktion / Log-Odds · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Logit?

Der Logit ist eine mathematische Transformation einer Wahrscheinlichkeit p. Er ist definiert als der natürliche Logarithmus des Verhältnisses von p zu (1 − p) – also des sogenannten Odds. Formal lautet die Logit-Funktion:

Formel: Logit-Funktion

Dabei gilt: p ist eine Wahrscheinlichkeit mit 0 < p < 1. Der Ausdruck wird als Odds bezeichnet und beschreibt, wie viel wahrscheinlicher ein Ereignis im Vergleich zu seinem Ausbleiben ist. Der Logit ist also der Logarithmus dieser Odds – daher auch der Name Log-Odds.

Während p nur Werte zwischen 0 und 1 annehmen kann, nimmt der Logit Werte auf der gesamten reellen Zahlengeraden an – von −∞ bis +∞. Das ist ein entscheidender mathematischer Vorteil.

Einfach erklärt Stell dir vor, du wettest auf den Ausgang eines Spiels. Die Wahrscheinlichkeit, zu gewinnen, liegt bei 75 %. Das bedeutet: Du gewinnst dreimal so oft wie du verlierst – die Odds sind 3:1. Der Logit ist einfach der Logarithmus dieser Quote, also ln(3) ≈ 1,10. Er macht aus einer Wahrscheinlichkeit (die zwischen 0 und 1 steckt) eine Zahl ohne Grenzen – das erleichtert viele statistische Berechnungen erheblich.

Warum ist Logit für statistische Analysen wichtig?

Der Logit ist das Herzstück der logistischen Regression – eines der meistgenutzten Verfahren in der empirischen Forschung, wenn eine abhängige Variable binär ist (z. B. ja/nein, krank/gesund, bestanden/nicht bestanden). Das Modell schätzt nicht direkt die Wahrscheinlichkeit p, sondern den Logit davon, weil:

  • Wahrscheinlichkeiten auf das Intervall [0, 1] beschränkt sind und sich daher schlecht durch lineare Modelle darstellen lassen.
  • Der Logit unbeschränkt ist und sich problemlos als lineare Funktion von Prädiktoren modellieren lässt.
  • Die Rücktransformation vom Logit zur Wahrscheinlichkeit über die logistische Funktion (Sigmoid) immer einen gültigen Wahrscheinlichkeitswert liefert.

Die Regressionskoeffizienten einer logistischen Regression geben an, um wie viel sich der Logit verändert, wenn ein Prädiktor um eine Einheit steigt. Durch Exponenzieren dieser Koeffizienten erhält man die Odds Ratios, die in der Praxis leichter interpretierbar sind.

Häufiger Fehler Viele verwechseln Logit-Koeffizienten mit direkten Wahrscheinlichkeitsveränderungen. Ein Logit-Koeffizient von 0,5 bedeutet nicht, dass die Wahrscheinlichkeit um 0,5 steigt – er gibt die Veränderung in Log-Odds an. Die tatsächliche Wahrscheinlichkeitsveränderung hängt immer vom Ausgangswert von p ab und ist daher nicht konstant.
Gut zu wissen Die Umkehrfunktion des Logits ist die logistische Funktion: Sie transformiert einen beliebigen reellen Wert zurück in eine Wahrscheinlichkeit zwischen 0 und 1. Logit und logistische Funktion sind also ein Paar – sie heben sich gegenseitig auf.

Praxisbeispiel zu Logit

Angenommen, du untersuchst in deiner Bachelorarbeit, ob Studierende eine Prüfung bestehen oder nicht. Als Prädiktor nutzt du die Anzahl der Lernstunden. Du berechnest eine logistische Regression und erhältst folgende Ergebnisse:

Tabelle 1. Beispielhafte Ergebnisse einer logistischen Regression (AV: Prüfung bestanden)
Prädiktor Logit-Koeffizient (b) Odds Ratio (eb) Interpretation
Konstante −2,50 0,08 Basis-Log-Odds ohne Lernstunden
Lernstunden 0,80 2,23 Pro zusätzlicher Lernstunde steigen die Odds zu bestehen um Faktor 2,23

Was bedeutet das konkret? Für eine Studierende, die 5 Stunden gelernt hat, ergibt sich der Logit als:

Berechnung des Logits für 5 Lernstunden

Durch die Rücktransformation mit der logistischen Funktion ergibt sich daraus eine geschätzte Bestehenswahrscheinlichkeit von ca. 73 %. Der Logit selbst (hier: 1,50) ist für die direkte Interpretation weniger intuitiv – er wird vor allem intern im Modell verwendet, während für die Kommunikation der Ergebnisse die Wahrscheinlichkeit oder die Odds Ratio herangezogen werden.

Logit Log-Odds Logistische Regression Odds Ratio Wahrscheinlichkeit Binäre Variable Sigmoid-Funktion

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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