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Statistik-Glossar

Mahalanobis-Distanz

Mahalanobis Distance · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter der Mahalanobis-Distanz?

Die Mahalanobis-Distanz ist ein Abstandsmaß, das beschreibt, wie weit ein einzelner Datenpunkt vom Zentrum einer Verteilung entfernt ist – und zwar unter Berücksichtigung der Streuung und der Korrelationsstruktur der Daten. Sie wurde 1936 vom indischen Statistiker Prasanta Chandra Mahalanobis entwickelt.

Mathematisch ist die Mahalanobis-Distanz D eines Beobachtungsvektors vom Mittelwertsvektor wie folgt definiert:

Formel: Mahalanobis-Distanz

Dabei ist die Kovarianzmatrix der Daten. Das Quadrat der Mahalanobis-Distanz, , folgt bei multivariat normalverteilten Daten einer Chi-Quadrat-Verteilung mit p Freiheitsgraden, wobei p die Anzahl der Variablen ist.

Im Unterschied zur gewöhnlichen euklidischen Distanz berücksichtigt die Mahalanobis-Distanz zwei wichtige Eigenschaften der Daten:

  • Unterschiedliche Streuungen: Variablen mit großer Streuung werden relativ weniger stark gewichtet.
  • Korrelationen zwischen Variablen: Wenn zwei Variablen stark korreliert sind, wird dies beim Abstandsmaß einkalkuliert.
Einfach erklärt Stell dir vor, du misst Körpergröße und Körpergewicht von Studierenden. Beide Merkmale hängen zusammen – große Menschen wiegen tendenziell mehr. Die Mahalanobis-Distanz fragt: Ist eine Person für ihre Körpergröße auch beim Gewicht auffällig – oder ist die Kombination aus beiden Werten insgesamt ungewöhnlich? Sie berücksichtigt also nicht nur, wie weit ein Punkt vom Durchschnitt liegt, sondern auch, ob diese Kombination von Werten für den Datensatz typisch oder untypisch ist.

Warum ist die Mahalanobis-Distanz für statistische Analysen wichtig?

Die Mahalanobis-Distanz hat in der angewandten Statistik gleich mehrere wichtige Einsatzgebiete:

Erkennung multivariater Ausreißer

Das häufigste Anwendungsgebiet ist die Identifikation von Ausreißern in multivariaten Datensätzen. Ein Datenpunkt, der bei jeder einzelnen Variable unauffällig ist, kann in der Kombination dennoch extrem vom Gesamtmuster abweichen. Genau das macht die Mahalanobis-Distanz sichtbar. Als Faustregel gilt: Datenpunkte, deren einen kritischen Chi-Quadrat-Wert überschreitet (z. B. bei p = 2 Variablen und α = 0,001: ≈ 13,82), werden als multivariate Ausreißer betrachtet.

Voraussetzungsprüfung für multivariate Verfahren

Viele multivariate Verfahren – etwa die multivariate Varianzanalyse (MANOVA), die Diskriminanzanalyse oder die konfirmatorische Faktorenanalyse – setzen multivariate Normalverteilung voraus. Die Mahalanobis-Distanz ist ein gängiges Werkzeug, um diese Voraussetzung zu prüfen und auffällige Beobachtungen zu identifizieren, die die Analyse verzerren könnten.

Klassifikation und maschinelles Lernen

In der Diskriminanzanalyse wird die Mahalanobis-Distanz genutzt, um neue Beobachtungen derjenigen Gruppe zuzuordnen, zu deren Zentrum sie am nächsten liegen – unter Berücksichtigung der jeweiligen Streuungsstruktur.

Häufiger Fehler Viele verwechseln univariate und multivariate Ausreißer. Ein Wert kann bei jeder einzelnen Variable im normalen Bereich liegen und trotzdem ein multivariater Ausreißer sein – weil die Kombination der Werte ungewöhnlich ist. Wer nur Boxplots pro Variable prüft, übersieht solche Fälle. Die Mahalanobis-Distanz schließt diese Lücke.
Gut zu wissen Die Mahalanobis-Distanz setzt voraus, dass die Kovarianzmatrix invertierbar ist. Das ist nicht der Fall, wenn Variablen perfekt linear abhängig sind (Multikollinearität) oder wenn mehr Variablen als Beobachtungen vorliegen. In solchen Situationen müssen robuste Schätzmethoden oder Dimensionsreduktion eingesetzt werden.

Praxisbeispiel zur Mahalanobis-Distanz

Angenommen, du untersuchst in deiner Masterarbeit den Zusammenhang zwischen Lernzeit (in Stunden pro Woche) und Prüfungsnote bei Studierenden. Der Mittelwert liegt bei 15 Stunden Lernzeit und einer Note von 2,5. Die Standardabweichung für Lernzeit beträgt 3 Stunden, für die Note 0,5 Notenpunkte, und beide Variablen korrelieren mit r = 0,6.

Nun betrachtest du zwei auffällige Studierende:

Tabelle 1. Vergleich zweier Studierender hinsichtlich ihrer Mahalanobis-Distanz
Studierende/r Lernzeit (h/Woche) Note Mahalanobis-Distanz D Interpretation
Person A 22 1,5 3,1 Lernt viel, hat gute Note – konsistentes Muster, aber etwas außergewöhnlich
Person B 22 4,0 6,8 Lernt viel, hat aber eine schlechte Note – ungewöhnliche Kombination, potenzieller Ausreißer

Person A hat zwar eine überdurchschnittliche Lernzeit, aber auch eine entsprechend gute Note – das passt zur Korrelationsstruktur der Daten. Person B hingegen lernt ebenfalls viel, hat aber eine schlechte Note. Diese Kombination ist im Datensatz ungewöhnlich und führt zu einer deutlich größeren Mahalanobis-Distanz. Bei zwei Variablen und α = 0,001 liegt der kritische Chi-Quadrat-Wert bei ca. 13,82 – Person B wäre hier noch kein formaler Ausreißer, würde aber zur näheren Prüfung markiert werden.

Dieses Beispiel zeigt: Erst durch die Berücksichtigung der Korrelation zwischen Lernzeit und Note wird deutlich, welche Beobachtung wirklich auffällig ist.

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