Seit 2019 im DACH-RaumSeit 2019
50+ Statistik-Experten50+ Experten
Über 1.200 Projekte1.200+ Projekte
Alle StatistikprogrammeAlle Programme
Express möglichExpress

Statistik-Glossar

McNemar-Test

McNemar’s Test · McNemar-Chi-Quadrat-Test · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was versteht man unter dem McNemar-Test?

Der McNemar-Test ist ein nichtparametrischer statistischer Test für verbundene Stichproben mit dichotomen (binären) Merkmalen. Er prüft, ob sich die Häufigkeitsverteilung einer kategorialen Variable mit zwei Ausprägungen (z. B. Ja/Nein, Erfolg/Misserfolg) zwischen zwei abhängigen Messzeitpunkten oder Bedingungen signifikant verändert hat. Er wurde 1947 vom Statistiker Quinn McNemar entwickelt.

Die Datenbasis bildet eine 2×2-Kontingenztafel mit den folgenden Zellen:

Tabelle 1. Allgemeine Struktur der 2×2-Kontingenztafel beim McNemar-Test
Zeitpunkt 2: Ja Zeitpunkt 2: Nein
Zeitpunkt 1: Ja a (Ja → Ja) b (Ja → Nein)
Zeitpunkt 1: Nein c (Nein → Ja) d (Nein → Nein)

Entscheidend sind dabei ausschließlich die diskordanten Paare – also die Zellen b (Wechsel von Ja zu Nein) und c (Wechsel von Nein zu Ja). Die konkordanten Paare a und d, bei denen keine Veränderung stattgefunden hat, fließen nicht in die Teststatistik ein. Die Prüfgröße lautet:

Teststatistik des McNemar-Tests

Diese Prüfgröße folgt unter der Nullhypothese näherungsweise einer Chi-Quadrat-Verteilung mit einem Freiheitsgrad. Bei kleinen Stichproben (wenn b + c < 25) wird häufig die Yates-Kontinuitätskorrektur empfohlen oder alternativ auf den exakten Binomialtest zurückgegriffen.

Einfach erklärt: Stell dir vor, du befragst dieselben Personen vor und nach einer Kampagne, ob sie ein bestimmtes Produkt kennen. Der McNemar-Test schaut dabei nur auf die Personen, bei denen sich etwas verändert hat – also jene, die vorher „Nein“ sagten und danach „Ja“ (oder umgekehrt). Wenn deutlich mehr Personen in eine Richtung gewechselt haben, deutet das auf eine echte Veränderung hin.

Warum ist der McNemar-Test für statistische Analysen wichtig?

Der McNemar-Test kommt immer dann zum Einsatz, wenn man Veränderungen innerhalb derselben Gruppe über die Zeit oder unter zwei Bedingungen untersuchen möchte – und das Merkmal nur zwei Kategorien hat. Typische Anwendungsfelder sind:

  • Medizin und Klinische Forschung: Hat sich der Anteil geheilter Patienten nach einer Behandlung verändert?
  • Pädagogik und Psychologie: Haben mehr Lernende nach einem Training eine Aufgabe korrekt gelöst als davor?
  • Marktforschung: Ist die Bekanntheit einer Marke nach einer Werbekampagne gestiegen?

Ein entscheidender Vorteil des McNemar-Tests liegt darin, dass er die Abhängigkeit der Messungen berücksichtigt. Ein klassischer Chi-Quadrat-Test setzt unabhängige Beobachtungen voraus und wäre hier methodisch falsch. Wer verbundene Daten mit einem Chi-Quadrat-Test für unabhängige Stichproben auswertet, begeht einen schwerwiegenden Analysefehler.

Häufiger Fehler: Der McNemar-Test wird manchmal verwechselt mit dem Chi-Quadrat-Unabhängigkeitstest. Beide verwenden eine 2×2-Tabelle, aber der Chi-Quadrat-Test gilt für unabhängige Gruppen (z. B. Männer vs. Frauen), der McNemar-Test für abhängige Messungen (z. B. dieselben Personen zu zwei Zeitpunkten). Die Verwechslung führt zu falschen Schlussfolgerungen.
Gut zu wissen: Für mehr als zwei Messzeitpunkte oder mehr als zwei Kategorien gibt es Erweiterungen: den Cochran-Q-Test (für mehrere verbundene dichotome Messungen) und den Stuart-Maxwell-Test (für quadratische Kontingenztafeln mit mehr als zwei Kategorien).

Praxisbeispiel zu dem McNemar-Test

Eine Hochschule möchte wissen, ob ein neues Statistik-Tutorium die Bestehensquote verbessert. Dazu werden dieselben 80 Studierenden vor und nach dem Tutorium getestet. Das Ergebnis je Person ist binär: bestanden (Ja) oder nicht bestanden (Nein).

Tabelle 2. Ergebnisse der 80 Studierenden vor und nach dem Tutorium
Nach Tutorium: Bestanden Nach Tutorium: Nicht bestanden
Vor Tutorium: Bestanden a = 40 b = 5
Vor Tutorium: Nicht bestanden c = 25 d = 10

Die diskordanten Paare sind b = 5 (vorher bestanden, danach nicht) und c = 25 (vorher nicht bestanden, danach bestanden). Der McNemar-Test ergibt:

Berechnung der Teststatistik

Der kritische Chi-Quadrat-Wert bei einem Freiheitsgrad und einem Signifikanzniveau von α = 0,05 beträgt 3,841. Da diesen Wert deutlich übersteigt, wird die Nullhypothese abgelehnt: Das Tutorium hat die Bestehensquote signifikant verbessert. Bemerkenswert ist, dass die 40 Studierenden, die zu beiden Zeitpunkten bestanden haben, und die 10, die beide Male nicht bestanden haben, für dieses Ergebnis irrelevant sind – nur die Wechsler zählen.

McNemar-Test Nichtparametrische Tests Verbundene Stichproben Dichotome Daten Kontingenztafel Chi-Quadrat-Test Vor-Nach-Vergleich

Ihr persönlicher Ansprechpartner

Maximilian Fuchs, M. Sc.

Teilen Sie uns mit, wie wir Ihnen helfen können.

  • Persönlicher Ansprechpartner
  • Schnelle Rückmeldung
  • Transparente Preise
  • Schutz Ihrer Daten

Fragen? Einfach anrufen!