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Statistik-Glossar

Missing Completely at Random

MCAR · Vollständig zufälliges Fehlen · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Missing Completely at Random?

Missing Completely at Random (MCAR) bezeichnet einen Mechanismus fehlender Werte in einem Datensatz. Eine Variable gilt als MCAR, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wert fehlt, weder von den beobachteten noch von den nicht beobachteten Werten im Datensatz abhängt. Das Fehlen ist also vollständig zufällig und steht in keinem systematischen Zusammenhang mit irgendeiner anderen Variable.

Formal ausgedrückt: Sei eine Indikatorvariable, die angibt, ob ein Wert beobachtet (1) oder fehlend (0) ist, und sei die eigentliche Variable mit fehlenden Werten. MCAR liegt vor, wenn gilt:

MCAR-Bedingung

Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wert fehlt, ist unabhängig von allen Daten – sowohl den vorhandenen als auch den fehlenden.

Einfach erklärt Stell dir vor, du führst eine Umfrage durch und einige Fragebögen gehen auf dem Postweg verloren – völlig zufällig, egal ob jemand jung oder alt, gebildet oder nicht gebildet ist. Kein Merkmal der Befragten beeinflusst, ob ihr Fragebogen ankommt oder nicht. Genau das meint MCAR: Das Fehlen passiert wie ein Würfelwurf – ohne jedes Muster.

MCAR ist die stärkste und gleichzeitig restriktivste Annahme unter den drei klassischen Fehlend-Mechanismen. Die anderen beiden sind Missing at Random (MAR), bei dem das Fehlen von beobachteten, aber nicht von fehlenden Werten abhängt, und Missing Not at Random (MNAR), bei dem das Fehlen systematisch mit den fehlenden Werten selbst zusammenhängt.

Warum ist Missing Completely at Random für statistische Analysen wichtig?

Die Unterscheidung zwischen MCAR, MAR und MNAR ist entscheidend, weil sie bestimmt, welche Analysemethoden zulässig sind und ob Ergebnisse verzerrt sein könnten.

Wenn MCAR gilt, hat das einen großen praktischen Vorteil: Ein sogenannter Complete-Case-Ansatz (auch Listenweiser Ausschluss genannt), bei dem alle Fälle mit fehlenden Werten einfach aus der Analyse entfernt werden, liefert unverzerrte Schätzer. Die verbleibende Stichprobe ist weiterhin repräsentativ für die Grundgesamtheit. Allerdings geht dabei Stichprobengröße verloren, was die statistische Power reduziert.

Gut zu wissen MCAR lässt sich mit statistischen Tests näherungsweise prüfen. Der bekannteste ist Little’s MCAR-Test, der untersucht, ob das Fehlmuster zufällig ist. Ein nicht-signifikantes Ergebnis deutet auf MCAR hin – schließt es aber nicht beweiskräftig ein.
Häufiger Fehler Viele Forschende setzen MCAR stillschweigend voraus, nur weil sie keinen offensichtlichen Grund für das Fehlen erkennen. In der Praxis ist MCAR jedoch die Ausnahme, nicht die Regel. Fehlende Werte in Studien hängen häufig von Merkmalen der Teilnehmenden ab – etwa brechen kranke Personen eher aus einer Studie aus. Das wäre dann MNAR, nicht MCAR. Eine unkritische Annahme von MCAR kann zu verzerrten und irreführenden Ergebnissen führen.

Praxisbeispiel zu Missing Completely at Random

Eine Forscherin untersucht den Zusammenhang zwischen Schlafqualität und Konzentrationsfähigkeit bei Studierenden. Sie erhebt Daten per Online-Fragebogen. Durch einen technischen Fehler der Umfrageplattform werden bei 12 % der Teilnehmenden zufällig einzelne Antworten nicht gespeichert – völlig unabhängig davon, wie die Personen geantwortet haben oder welche sonstigen Merkmale sie aufweisen.

Tabelle 1. Fehlende Werte bei Schlafqualität nach Studiengruppe
Gruppe Befragte gesamt Fehlende Werte Fehlend-Anteil
Erstsemester 80 10 12,5 %
Fortgeschrittene 70 8 11,4 %
Masterstudierende 50 6 12,0 %

Der Fehlend-Anteil ist in allen Gruppen nahezu gleich und steht in keinem Zusammenhang mit dem Semester, der Schlafqualität oder anderen Variablen. Das ist ein typisches Muster für MCAR. Die Forscherin kann in diesem Fall einen Complete-Case-Ansatz rechtfertigen: Sie schließt die betroffenen Fälle aus und arbeitet mit den verbleibenden 224 vollständigen Datensätzen weiter, ohne systematische Verzerrungen befürchten zu müssen – lediglich mit etwas weniger statistischer Power.

Anders wäre es, wenn vor allem Studierende mit sehr schlechter Schlafqualität die entsprechende Frage ausgelassen hätten. Dann würde ein systematisches Muster vorliegen, und die MCAR-Annahme wäre verletzt.

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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