Multiples Testen
In diesem Beitrag
Was versteht man unter Multiplem Testen?
Multiples Testen bezeichnet die Situation, in der innerhalb einer Studie oder Analyse mehrere statistische Hypothesentests gleichzeitig oder nacheinander durchgeführt werden. Das zentrale Problem dabei ist die kumulative Fehlerrate: Je mehr Tests man durchführt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, mindestens einen falsch positiven Befund zu erhalten – also fälschlicherweise einen Effekt zu entdecken, der in Wirklichkeit nicht existiert.
Für einen einzelnen Test gilt per Konvention ein Signifikanzniveau von . Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit, einen falsch positiven Befund (Fehler 1. Art) zu erhalten, beträgt 5 %. Bei k unabhängigen Tests steigt die familienweise Fehlerrate (Family-Wise Error Rate, FWER) jedoch deutlich an:
Familienweise Fehlerrate
Führt man beispielsweise 20 unabhängige Tests auf dem Niveau α = 0,05 durch, liegt die Wahrscheinlichkeit, mindestens einen falschen positiven Befund zu erhalten, bereits bei ca. 64 %.
Warum ist Multiples Testen für statistische Analysen wichtig?
Das Problem des multiplen Testens ist in der Praxis allgegenwärtig – und wird häufig unterschätzt oder schlicht ignoriert. Es tritt überall dort auf, wo mehrere Gruppen verglichen, viele Variablen gleichzeitig untersucht oder mehrere Hypothesen in einer Studie geprüft werden: etwa bei klinischen Studien mit mehreren Endpunkten, bei genomweiten Assoziationsstudien oder bei psychologischen Experimenten mit verschiedenen Messzeitpunkten.
Um die Fehlerrate zu kontrollieren, wurden verschiedene Korrekturverfahren entwickelt. Die bekanntesten sind:
- Bonferroni-Korrektur: Das Signifikanzniveau wird durch die Anzahl der Tests geteilt (). Konservativ, aber einfach anzuwenden.
- Holm-Bonferroni-Methode: Eine schrittweise Variante der Bonferroni-Korrektur, die etwas weniger streng und damit statistisch effizienter ist.
- Benjamini-Hochberg-Verfahren: Kontrolliert nicht die FWER, sondern die False Discovery Rate (FDR) – also den erwarteten Anteil falsch positiver Befunde unter allen positiven Befunden. Besonders geeignet bei einer großen Anzahl von Tests, z. B. in der Genomik.
Praxisbeispiel zu Multiplem Testen
Eine Psychologin untersucht, ob ein neues Entspannungsprogramm den Stresspegel von Studierenden senkt. Sie erhebt dazu zehn verschiedene Variablen: Schlafqualität, subjektives Stressempfinden, Herzrate, Cortisol-Spiegel, Konzentrationsfähigkeit und fünf weitere Skalen. Für jede dieser zehn Variablen führt sie einen t-Test durch – jeweils auf dem Niveau α = 0,05.
| Variable | p-Wert | Signifikant (α = 0,05)? | Signifikant (Bonferroni: α = 0,005)? |
|---|---|---|---|
| Schlafqualität | 0,032 | Ja | Nein |
| Stressempfinden | 0,041 | Ja | Nein |
| Herzrate | 0,180 | Nein | Nein |
| Cortisol | 0,003 | Ja | Ja |
| Konzentration | 0,210 | Nein | Nein |
| Skala 6–10 | > 0,10 | Nein | Nein |
Ohne Korrektur würde die Psychologin drei signifikante Befunde berichten. Nach Bonferroni-Korrektur – das adjustierte Signifikanzniveau beträgt nun – verbleibt nur ein einziger robuster Befund: der Cortisol-Spiegel. Die beiden anderen „signifikanten“ Ergebnisse erweisen sich als nicht mehr haltbar und könnten zufällig entstanden sein.
Dieses Beispiel zeigt: Eine transparente Korrektur für multiples Testen kann den Unterschied zwischen einem belastbaren und einem irreführenden Forschungsergebnis ausmachen.