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Statistik-Glossar

Multivariater Ausreißer

Multivariate Outlier · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter einem multivariaten Ausreißer?

Ein multivariater Ausreißer ist eine Beobachtung, die im Zusammenspiel mehrerer Variablen eine ungewöhnliche Kombination von Werten aufweist – auch wenn die einzelnen Werte für sich betrachtet völlig unauffällig erscheinen. Anders als ein univariater Ausreißer, der einfach einen extremen Wert auf einer einzigen Variablen zeigt, fällt ein multivariater Ausreißer erst dann auf, wenn man mehrere Variablen gleichzeitig in den Blick nimmt.

Das am häufigsten verwendete Maß zur Identifikation multivariater Ausreißer ist die Mahalanobis-Distanz. Sie misst, wie weit eine Beobachtung vom gemeinsamen Schwerpunkt aller Beobachtungen entfernt ist – und berücksichtigt dabei die Streuung und die Korrelationsstruktur der Variablen. Formal gilt für eine Beobachtung :

Mahalanobis-Distanz

Dabei ist der Mittelwertsvektor aller Variablen und die Kovarianzmatrix der Daten. Je größer der Wert , desto weiter entfernt liegt die Beobachtung vom Zentrum der Datenverteilung. Als Faustregel gilt: Beobachtungen mit einem -Wert, der den kritischen Wert der Chi-Quadrat-Verteilung (mit p Freiheitsgraden, wobei p die Anzahl der Variablen ist) bei einem Signifikanzniveau von 0,001 überschreitet, werden häufig als multivariate Ausreißer eingestuft.

Einfach erklärt Stell dir vor, du misst bei Studierenden Körpergröße und Schuhgröße. Jemand mit einer Größe von 1,80 m ist nicht auffällig, und Schuhgröße 38 ist auch nicht auffällig. Aber die Kombination 1,80 m und Schuhgröße 38 ist ungewöhnlich, weil große Menschen typischerweise auch große Füße haben. Genau das erkennt ein multivariater Ausreißer – Kombinationen, die im Gesamtbild nicht zusammenpassen.

Warum sind multivariate Ausreißer für statistische Analysen wichtig?

Multivariate Ausreißer können viele gängige statistische Verfahren erheblich verzerren. Besonders betroffen sind Methoden, die auf Mittelwerten, Varianzen und Kovarianzen basieren:

  • Regressionsanalyse: Einzelne Ausreißer können die Schätzung der Regressionskoeffizienten stark beeinflussen und zu irreführenden Ergebnissen führen.
  • Faktorenanalyse und PCA: Die extrahierten Faktoren oder Hauptkomponenten können durch Ausreißer in eine falsche Richtung gezogen werden.
  • MANOVA und Diskriminanzanalyse: Die Gruppentrennungen können durch einzelne extreme Beobachtungen verwässert oder überschätzt werden.
  • Clusteranalyse: Ausreißer können eigene künstliche Cluster bilden und das Gesamtergebnis verzerren.

Wichtig ist: Ein multivariater Ausreißer muss kein Fehler sein. Er kann auf einen Dateneingabefehler hinweisen, aber auch auf eine echte, inhaltlich bedeutsame Beobachtung. Deshalb sollte man Ausreißer nie automatisch entfernen, sondern immer zunächst inhaltlich prüfen.

Häufiger Fehler Viele prüfen nur univariate Ausreißer – also ob einzelne Variablen extreme Werte zeigen – und übersehen dabei multivariate Ausreißer vollständig. Gerade bei multivariaten Verfahren wie der Regressionsanalyse oder MANOVA kann das zu ernsthaften Verzerrungen führen, ohne dass man es auf den ersten Blick bemerkt.

Praxisbeispiel zu multivariaten Ausreißern

Eine Forscherin untersucht den Zusammenhang zwischen täglicher Lernzeit (in Stunden) und Prüfungsergebnis (in Punkten) bei 150 Studierenden. Sie berechnet für jede Person die Mahalanobis-Distanz und stellt die Ergebnisse tabellarisch dar:

Tabelle 1. Beispielhafte Mahalanobis-Distanzen für ausgewählte Beobachtungen
Person Lernzeit (h/Tag) Prüfungspunkte Mahalanobis-Distanz Auffällig?
A 3,0 72 0,8 Nein
B 6,5 91 1,9 Nein
C 7,0 34 14,3 Ja
D 1,0 88 12,7 Ja

Person C lernt sehr viel (7 Stunden täglich), erzielt aber nur 34 Punkte – eine für den Datensatz untypische Kombination. Person D hingegen lernt kaum (1 Stunde), erreicht aber 88 Punkte. Beide Werte sind für sich allein nicht zwingend extrem, doch im Zusammenspiel widersprechen sie dem Muster der übrigen Daten deutlich. Die hohe Mahalanobis-Distanz signalisiert: Hier lohnt sich ein genauerer Blick.

Gut zu wissen In SPSS lässt sich die Mahalanobis-Distanz direkt bei der linearen Regressionsanalyse als Diagnosewert speichern. In R steht die Funktion mahalanobis() zur Verfügung. Anschließend vergleicht man die berechneten Werte mit dem kritischen Chi-Quadrat-Wert für die entsprechende Anzahl an Variablen.

Ausreißer Mahalanobis-Distanz Multivariate Statistik Datenqualität Regressionsanalyse Voraussetzungsprüfung Kovarianzmatrix

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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