Nullhypothese
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Was versteht man unter Nullhypothese?
Die Nullhypothese (kurz: H₀) ist eine Ausgangsannahme in einem statistischen Hypothesentest. Sie beschreibt den Zustand, der als gegeben angenommen wird, solange die Daten keinen ausreichenden Grund liefern, ihn abzulehnen. Typischerweise behauptet die Nullhypothese, dass kein Effekt, kein Unterschied oder kein Zusammenhang zwischen Variablen besteht.
Die Nullhypothese bildet stets ein Gegensatzpaar mit der Alternativhypothese (H₁), die den Effekt oder Unterschied postuliert, den Forschende nachweisen möchten. Im Rahmen eines Hypothesentests wird nicht die Nullhypothese direkt bewiesen, sondern lediglich entschieden, ob die Daten stark genug sind, sie zu verwerfen.
Formell lässt sich die Nullhypothese häufig so formulieren:
Typische Notation der Nullhypothese
Dabei steht μ₁ und μ₂ für die Mittelwerte zweier Gruppen. Die Nullhypothese behauptet in diesem Fall, dass kein Unterschied zwischen den Gruppen existiert.
Warum ist die Nullhypothese für statistische Analysen wichtig?
Die Nullhypothese ist das Herzstück jedes statistischen Hypothesentests. Sie legt den Referenzpunkt fest, anhand dessen der p-Wert berechnet wird. Der p-Wert gibt an, wie wahrscheinlich die beobachteten Daten (oder noch extremere Ergebnisse) wären, wenn die Nullhypothese tatsächlich wahr wäre. Ist dieser Wert kleiner als das vorab festgelegte Signifikanzniveau α (häufig 0,05), wird die Nullhypothese abgelehnt.
Die Nullhypothese schützt vor voreiligen Schlüssen: Sie verlangt, dass Ergebnisse eine gewisse Beweiskraft erreichen, bevor ein Effekt als real angesehen wird. Das ist vergleichbar mit dem Grundsatz „Im Zweifel unschuldig“ aus dem Rechtswesen – ein Angeklagter gilt so lange als unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist.
Praxisbeispiel zu Nullhypothese
Eine Ernährungswissenschaftlerin möchte untersuchen, ob eine proteinreiche Diät den Blutdruck senkt. Sie teilt 60 Personen zufällig in zwei Gruppen auf: Eine Gruppe hält die Diät ein, die andere ernährt sich wie gewohnt. Nach 8 Wochen misst sie den systolischen Blutdruck beider Gruppen.
| Gruppe | n | Mittlerer Blutdruck (mmHg) |
|---|---|---|
| Proteinreiche Diät | 30 | 122 |
| Kontrollgruppe | 30 | 131 |
Die Hypothesen lauten:
- H₀: Die proteinreiche Diät hat keinen Effekt auf den Blutdruck. Der mittlere Blutdruck unterscheidet sich nicht zwischen den Gruppen (μ₁ = μ₂).
- H₁: Die proteinreiche Diät senkt den Blutdruck. Der mittlere Blutdruck der Diät-Gruppe ist niedriger (μ₁ < μ₂).
Ein t-Test liefert einen p-Wert von 0,03. Da dieser Wert unter dem Signifikanzniveau von α = 0,05 liegt, wird die Nullhypothese abgelehnt. Die Daten liefern damit ausreichend Evidenz, um anzunehmen, dass die Diät tatsächlich einen blutdrucksenkenden Effekt hat.