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Statistik-Glossar

Pairwise Deletion

Paarweiser Ausschluss / Verfügbare-Fälle-Analyse · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Pairwise Deletion?

Pairwise Deletion ist eine Methode zum Umgang mit fehlenden Werten (Missing Data) in einem Datensatz. Anstatt Fälle mit fehlenden Werten vollständig aus der Analyse auszuschließen, werden bei der Pairwise Deletion nur diejenigen Beobachtungen für eine konkrete Berechnung ausgelassen, bei denen mindestens einer der jeweils benötigten Werte fehlt. Jede statistische Kennzahl wird also auf der Basis aller Fälle berechnet, die für genau diese Berechnung vollständige Daten aufweisen.

In der Praxis begegnet man dem Verfahren vor allem bei der Berechnung von Korrelationsmatrizen: Für jede einzelne Korrelation zwischen zwei Variablen werden nur die Beobachtungen herangezogen, bei denen beide Variablen einen gültigen Wert besitzen. Die Stichprobengröße kann dadurch von Paar zu Paar variieren.

Einfach erklärt Stell dir vor, du hast einen Fragebogen mit zehn Fragen, und einige Teilnehmende haben einzelne Fragen übersprungen. Beim paarweisen Ausschluss nimmst du für jede Auswertung genau die Personen mit, die die jeweiligen Fragen beantwortet haben – und lässt nur für diese spezifische Auswertung diejenigen weg, deren Antwort fehlt. So verlierst du weniger Daten, als wenn du alle Personen mit irgendeiner fehlenden Antwort komplett aus der Analyse streichst.

Das Gegenstück zur Pairwise Deletion ist die Listwise Deletion (auch: Complete Case Analysis). Dabei wird jede Beobachtung ausgeschlossen, sobald auch nur ein einziger Wert fehlt – unabhängig davon, welche Variablen gerade analysiert werden.

Warum ist Pairwise Deletion für statistische Analysen wichtig?

Der entscheidende Vorteil der Pairwise Deletion liegt in der Informationsausschöpfung: Es gehen weniger Beobachtungen verloren als bei der Listwise Deletion. Das ist besonders dann wertvoll, wenn der Datensatz viele Variablen enthält und fehlende Werte über verschiedene Fälle verstreut sind – eine häufige Situation in Umfragestudien oder klinischen Datensätzen.

Dennoch bringt das Verfahren wichtige Einschränkungen mit sich:

  • Inkonsistente Stichprobengrößen: Da verschiedene Berechnungen auf unterschiedlichen Teilstichproben basieren, kann die resultierende Korrelationsmatrix mathematisch inkonsistent werden. Im schlimmsten Fall ist sie nicht mehr positiv semidefinit, was zu Problemen bei nachgelagerten Analysen führt (z. B. Faktorenanalyse, Strukturgleichungsmodelle).
  • Verzerrungsrisiko: Wenn Daten nicht zufällig fehlen (Missing Not at Random, MNAR), können paarweise Schätzungen systematisch verzerrt sein.
  • Schwierige Interpretation: Weil jede Kennzahl auf einer anderen Fallbasis beruht, ist ein direkter Vergleich der Ergebnisse innerhalb derselben Analyse nur eingeschränkt möglich.
Häufiger Fehler Viele Anwenderinnen und Anwender wählen Pairwise Deletion, weil Software wie SPSS oder R sie als Standard anbietet, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Gerade bei Faktorenanalysen oder SEM kann eine inkonsistente Korrelationsmatrix die Analyse zum Scheitern bringen oder irreführende Ergebnisse liefern. Prüfe daher immer, ob moderne Alternativen wie Multiple Imputation oder Full Information Maximum Likelihood (FIML) geeigneter sind.
Gut zu wissen Pairwise Deletion liefert unter der Annahme Missing Completely at Random (MCAR) unverzerrte Schätzer. Sobald Fehlende-Werte-Muster systematisch auftreten, sind robustere Verfahren vorzuziehen.

Praxisbeispiel zu Pairwise Deletion

Eine Forscherin untersucht den Zusammenhang zwischen drei Variablen: Stresserleben (A), Schlafqualität (B) und Leistungsfähigkeit (C). Ihr Datensatz umfasst 200 Personen, aber nicht alle haben jede Frage beantwortet.

Tabelle 1. Verfügbare Fallzahlen bei paarweisem Ausschluss
Variablenpaar Gültige Fälle Fehlende Fälle
A & B (Stress & Schlaf) 185 15
A & C (Stress & Leistung) 192 8
B & C (Schlaf & Leistung) 178 22

Bei Pairwise Deletion wird die Korrelation zwischen Stress und Schlaf auf Basis von 185 Fällen berechnet, die Korrelation zwischen Stress und Leistung auf Basis von 192 Fällen und so weiter. Jede Korrelation nutzt die maximal verfügbare Information für genau dieses Paar.

Hätte die Forscherin stattdessen Listwise Deletion gewählt, würden nur diejenigen 170 Personen in alle Berechnungen einfließen, die bei allen drei Variablen vollständige Angaben gemacht haben. Das bedeutet einen Verlust von 30 Fällen – und potenziell auch an statistischer Power.

Die Entscheidung für Pairwise Deletion spart hier Fallzahlen, birgt aber das Risiko einer inkonsistenten Korrelationsmatrix, falls die Forscherin anschließend eine Faktorenanalyse durchführen möchte. In diesem Fall wäre Multiple Imputation die methodisch solidere Wahl.

Fehlende Werte Missing Data Listwise Deletion Multiple Imputation Korrelationsmatrix MCAR Datenbereinigung Stichprobengröße

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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