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Statistik-Glossar

Parallel-Analyse

Parallel Analysis · Horn’s Parallel Analysis · Maximilian Fuchs · 27. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was versteht man unter der Parallel-Analyse?

Die Parallel-Analyse ist ein statistisches Verfahren, mit dem man bestimmt, wie viele Faktoren oder Komponenten in einer Faktorenanalyse oder Hauptkomponentenanalyse (PCA) sinnvoll interpretiert werden sollten. Sie wurde 1965 von John L. Horn entwickelt und gilt heute als eine der zuverlässigsten Methoden zur sogenannten Faktorenanzahlbestimmung.

Die Grundidee ist denkbar einfach: Man erzeugt viele zufällige Datensätze mit denselben Dimensionen wie die eigenen Daten (gleiche Stichprobengröße, gleiche Anzahl an Variablen) und berechnet für diese Zufallsdaten Eigenwerte. Anschließend vergleicht man die tatsächlich beobachteten Eigenwerte mit den mittleren Eigenwerten aus den Zufallsdaten. Ein Faktor wird nur dann beibehalten, wenn sein realer Eigenwert den entsprechenden Zufalls-Eigenwert übersteigt.

Entscheidungsregel

Behalte einen Faktor k bei, wenn gilt:

Sobald der reale Eigenwert erstmals unter den Zufalls-Eigenwert fällt, wird kein weiterer Faktor mehr extrahiert.

Einfach erklärt: Stell dir vor, du wirfst Würfel und notierst zufällige Zahlen in eine Tabelle. Auch in diesen reinen Zufallsdaten entstehen scheinbare Muster. Die Parallel-Analyse prüft, ob die Muster in deinen echten Daten stärker sind als die bloßen Zufallsmuster – und nur dann werden sie als echte Faktoren gezählt.

Warum ist die Parallel-Analyse für statistische Analysen wichtig?

In der Praxis steht man bei jeder Faktorenanalyse vor der Frage: Wie viele Faktoren soll ich extrahieren? Wählt man zu wenige, gehen wichtige Informationen verloren. Wählt man zu viele, interpretiert man zufällige Varianz als bedeutsame Struktur.

Die bekannteste Alternative ist das Kaiser-Kriterium: Behalte alle Faktoren mit einem Eigenwert größer als 1. Dieses Kriterium ist weit verbreitet, aber empirisch wenig belastbar – es überschätzt die Faktorenzahl systematisch, besonders bei größeren Variablenmengen.

Methode Prinzip Bewertung
Kaiser-Kriterium Eigenwert > 1 Einfach, aber häufig zu viele Faktoren
Scree-Plot Visueller Knick im Eigenwert-Verlauf Intuitiv, aber subjektiv
Parallel-Analyse Vergleich mit Zufallseigenwerten Empirisch fundiert, empfohlen

Simulationsstudien zeigen, dass die Parallel-Analyse gegenüber beiden Alternativen deutlich genauer die wahre Faktorenstruktur trifft. Sie ist heute in allen gängigen Statistikprogrammen verfügbar, etwa über das Paket psych in R mit der Funktion fa.parallel().

Häufiger Fehler: Die Parallel-Analyse setzt voraus, dass die Zufallsdaten dieselbe Stichprobengröße und dieselbe Variablenanzahl wie die echten Daten haben. Werden diese Parameter falsch gesetzt, liefert der Vergleich irreführende Ergebnisse.
Gut zu wissen: Es gibt zwei Varianten der Parallel-Analyse – eine für die Hauptkomponentenanalyse (PCA) und eine für die Faktorenanalyse (FA). Die zugrundeliegenden Zufallsmatrizen unterscheiden sich leicht, weshalb man die passende Variante für das jeweilige Verfahren wählen sollte.

Praxisbeispiel zur Parallel-Analyse

Eine Forscherin möchte mit einer Fragebogenstudie die Persönlichkeitsstruktur von 350 Studierenden untersuchen. Ihr Fragebogen enthält 20 Items. Sie führt eine explorative Faktorenanalyse durch und steht vor der Frage: Wie viele Faktoren soll sie extrahieren?

Das Kaiser-Kriterium liefert 6 Faktoren mit einem Eigenwert größer als 1. Der Scree-Plot deutet auf 3 oder 4 Faktoren hin – je nach Interpretation des Knicks. Die Forscherin führt zusätzlich eine Parallel-Analyse durch: Sie simuliert 1.000 Zufallsdatensätze mit je 350 Zeilen und 20 Spalten und berechnet die mittleren Eigenwerte.

Der Vergleich ergibt, dass nur die ersten 4 realen Eigenwerte die entsprechenden Zufalls-Eigenwerte übertreffen. Ab dem 5. Faktor liegt der reale Eigenwert unterhalb des Zufallsniveaus. Die Forscherin entscheidet sich daher für eine 4-Faktoren-Lösung – eine Entscheidung, die sie nun methodisch fundiert begründen kann.

Faktorenanalyse PCA Eigenwerte Dimensionsreduktion Explorative Analyse Kaiser-Kriterium Scree-Plot

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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