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Statistik-Glossar

Partial Least Squares SEM

PLS-SEM · Partial-Least-Squares-Strukturgleichungsmodellierung · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 6 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Partial Least Squares SEM?

Partial Least Squares Strukturgleichungsmodellierung (PLS-SEM) ist ein varianzbasiertes Verfahren zur Schätzung komplexer Kausalmodelle mit latenten Variablen. Es kombiniert zwei Analyseebenen in einem einzigen Modell:

  • Messmodell (outer model): Beschreibt die Beziehung zwischen beobachtbaren Indikatoren (z. B. Fragebogenitems) und den zugehörigen latenten Konstrukten.
  • Strukturmodell (inner model): Spezifiziert die hypothetischen Kausalbeziehungen zwischen den latenten Konstrukten selbst.

Anders als die kovarianzbasierte SEM (CB-SEM, z. B. mit LISREL oder Amos) schätzt PLS-SEM die latenten Variablen direkt als gewichtete Linearkombinationen ihrer Indikatoren. Das Ziel des Algorithmus ist die Maximierung der erklärten Varianz in den abhängigen Konstrukten – nicht die Reproduktion einer beobachteten Kovarianzmatrix.

Formal werden die latenten Variablen als exakte lineare Kombinationen ihrer Indikatoren gebildet:

Gewichtete Linearkombination eines Konstrukts

Dabei ist das latente Konstrukt, die Gewichte und die beobachteten Indikatoren. Die Gewichte werden iterativ so bestimmt, dass die Vorhersagekraft maximiert wird.

Einfach erklärt: Stell dir vor, du möchtest das abstrakte Konzept „Kundenzufriedenheit“ messen und gleichzeitig erklären, wie es die „Kundenbindung“ beeinflusst. PLS-SEM hilft dir, beides in einem Modell zu tun: Es fasst deine Fragen aus dem Fragebogen zu einem Gesamtwert für „Kundenzufriedenheit“ zusammen und prüft dann, ob dieser Gesamtwert tatsächlich die „Kundenbindung“ vorhersagt.

Warum ist PLS-SEM für statistische Analysen wichtig?

PLS-SEM hat sich besonders in der Managementforschung, Psychologie und den Sozialwissenschaften als weit verbreitetes Verfahren etabliert. Es bietet gegenüber der kovarianzbasierten SEM einige entscheidende Vorteile in bestimmten Anwendungssituationen:

  • Kleine bis mittlere Stichproben: PLS-SEM arbeitet auch mit vergleichsweise kleinen Stichproben zuverlässig, während CB-SEM in der Regel größere Fallzahlen voraussetzt.
  • Keine Normalverteilungsannahme: Der PLS-Algorithmus macht keine restriktiven Verteilungsannahmen. Signifikanztests erfolgen über Bootstrapping.
  • Komplexe Modelle: Viele Konstrukte und Indikatoren sind kein Problem – PLS-SEM ist algorithmisch sehr robust gegenüber Modellkomplexität.
  • Explorative Forschungsziele: Das Verfahren eignet sich besonders, wenn das Ziel die Prognose und Erklärung von Varianz ist, nicht die Überprüfung eines konfirmatorischen Theoriemodells.
Gut zu wissen: PLS-SEM unterscheidet zwischen reflektiven und formativen Messmodellen. Bei einem reflektiven Modell werden die Indikatoren als Auswirkungen des Konstrukts betrachtet (klassisches Faktormodell). Bei einem formativen Modell definieren die Indikatoren das Konstrukt gemeinsam. Diese Unterscheidung ist konzeptionell zu begründen und hat erhebliche Auswirkungen auf die Gütebeurteilung.
Häufiger Fehler: PLS-SEM und CB-SEM sind keine beliebig austauschbaren Alternativen. Ein verbreiteter Fehler ist, PLS-SEM allein deshalb zu wählen, weil die Stichprobe zu klein ist oder die Daten nicht normalverteilt sind – ohne dies inhaltlich zu begründen. Die Wahl des Verfahrens sollte immer vom Forschungsziel abhängen: Prognose und Varianzaufklärung sprechen für PLS-SEM, konfirmatorische Theorietests eher für CB-SEM.

Praxisbeispiel zu Partial Least Squares SEM

Eine Forscherin untersucht in ihrer Masterarbeit, ob wahrgenommene Servicequalität und Vertrauen die Kundenbindung in einem Online-Shop vorhersagen. Sie erhebt Daten von 120 Probanden mittels Fragebogen (7-Punkte-Likert-Skala) und modelliert drei latente Konstrukte.

Tabelle 1. Exemplarisches PLS-SEM-Modell mit Konstrukten und Indikatoren
Konstrukt (latent) Typ Beispiel-Indikatoren Rolle im Modell
Servicequalität Reflektiv SQ1, SQ2, SQ3 Exogenes Konstrukt (unabhängig)
Vertrauen Reflektiv V1, V2, V3 Exogenes Konstrukt (unabhängig)
Kundenbindung Reflektiv KB1, KB2, KB3 Endogenes Konstrukt (abhängig)

Die Analyse mit SmartPLS ergibt folgende Ergebnisse:

  • Der Pfadkoeffizient von Servicequalität → Kundenbindung beträgt β = 0,42 (p < 0,01): Ein positiver und signifikanter Effekt.
  • Der Pfadkoeffizient von Vertrauen → Kundenbindung beträgt β = 0,31 (p < 0,05): Ebenfalls signifikant.
  • Das Modell erklärt insgesamt 38 % der Varianz in der Kundenbindung ( = 0,38).

Die Signifikanz der Pfade wird über Bootstrapping mit 5.000 Stichproben ermittelt, da PLS-SEM keine parametrischen Signifikanztests nutzt. Bevor die Strukturmodellpfade interpretiert werden, prüft die Forscherin zunächst die Güte des Messmodells – etwa anhand von Indikatorreliabilität, Average Variance Extracted (AVE) und dem HTMT-Kriterium für diskriminante Validität.

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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