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Statistik-Glossar

Partielles Eta-Quadrat

Partial Eta-Squared / η²p · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was versteht man unter partiellem Eta-Quadrat?

Partielles Eta-Quadrat () ist ein Maß für die Effektgröße in varianzanalytischen Verfahren (ANOVA, MANOVA, ANCOVA). Es gibt an, welchen Anteil der Varianz in der abhängigen Variable durch einen bestimmten Faktor erklärt wird – und zwar unter Herausrechnung der Varianz aller anderen Faktoren im Modell.

Die Formel lautet:

Formel: Partielles Eta-Quadrat

Dabei steht SSEffekt für die Quadratsumme des betrachteten Faktors und SSFehler für die Quadratsumme des Fehlers (Residuen). Die Quadratsummen anderer Faktoren im Modell fließen nicht in den Nenner ein – daher der Zusatz „partiell“.

Einfach erklärt Stell dir vor, du untersuchst, wie sehr Lernmethode und Schlafdauer gemeinsam deine Prüfungsnote beeinflussen. Partielles Eta-Quadrat sagt dir, wie viel Einfluss allein die Lernmethode hat – so als wäre der Einfluss der Schlafdauer schon „aus dem Weg geräumt“. Du bekommst also den bereinigten Anteil jedes einzelnen Faktors.

Als grobe Orientierung für die Interpretation gelten die Konventionen nach Cohen (1988):

Tabelle 1. Konventionen zur Interpretation von partiellem Eta-Quadrat
Effektgröße η²p-Wert
Kleiner Effekt ≈ .01
Mittlerer Effekt ≈ .06
Großer Effekt ≈ .14
Gut zu wissen Partielles Eta-Quadrat unterscheidet sich vom klassischen Eta-Quadrat (η²): Beim klassischen η² steht im Nenner die Gesamtvarianz aller Quadratsummen im Modell. Das partielle η²p bezieht sich dagegen nur auf Effekt- und Fehlerquadratsumme des jeweiligen Faktors. Bei einem Modell mit nur einem Faktor sind beide Maße identisch.

Warum ist partielles Eta-Quadrat für statistische Analysen wichtig?

Ein statistisch signifikantes Ergebnis sagt noch nichts darüber aus, wie bedeutsam ein Effekt in der Praxis ist. Mit wachsender Stichprobengröße werden selbst kleinste Unterschiede signifikant. Partielles Eta-Quadrat ergänzt daher den p-Wert um eine wichtige Information: die praktische Relevanz eines Befundes.

Besonders bei mehrfaktoriellen Designs – etwa einer zweifaktoriellen ANOVA oder einer ANCOVA – ist das partielle Eta-Quadrat dem klassischen η² vorzuziehen, weil es den Beitrag jedes Faktors isoliert betrachtet, unabhängig davon, wie viele andere Prädiktoren im Modell enthalten sind.

Häufiger Fehler Partielles Eta-Quadrat wird häufig mit dem klassischen Eta-Quadrat verwechselt oder gleichgesetzt. In Software wie SPSS wird standardmäßig das partielle η²p ausgegeben – was viele Nutzende nicht wissen. Außerdem können in mehrfaktoriellen Modellen die partiellen η²p-Werte aller Faktoren in der Summe über 1,0 liegen, was bei klassischem η² nicht möglich ist. Das ist rechnerisch korrekt, aber auf den ersten Blick verwirrend.

Darüber hinaus sollte partielles Eta-Quadrat stets zusammen mit der Stichprobengröße und dem Studienkontext interpretiert werden. Ein η²p von .06 kann in der Grundlagenforschung als substanziell gelten, während er in einem klinischen Kontext möglicherweise als zu klein bewertet wird.

Praxisbeispiel zu partiellem Eta-Quadrat

Eine Psychologiestudentin untersucht in ihrer Masterarbeit, ob Lernmethode (Karteikarten vs. Mindmaps vs. Zusammenfassungen) und Tageszeit des Lernens (morgens vs. abends) die Gedächtnisleistung beeinflussen. Sie führt eine zweifaktorielle ANOVA durch.

Die Software gibt folgende Quadratsummen aus:

Tabelle 2. Ergebnisse der zweifaktoriellen ANOVA (vereinfacht)
Quelle SS η²p
Lernmethode 120 .18
Tageszeit 40 .07
Interaktion 15 .03
Fehler 550

Das partielle Eta-Quadrat für die Lernmethode errechnet sich als:

Beispielrechnung: Lernmethode

Das entspricht einem großen Effekt nach den Cohen-Konventionen. Die Tageszeit zeigt mit η²p = .07 einen mittleren Effekt. Die Studentin kann also nicht nur berichten, dass die Lernmethode einen signifikanten Einfluss hat – sie kann auch zeigen, dass dieser Einfluss praktisch bedeutsam ist.

Effektgröße ANOVA Eta-Quadrat Varianzanalyse Signifikanz SPSS Forschungsmethoden

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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