Per-Protocol-Analyse
In diesem Beitrag
Was versteht man unter Per-Protocol-Analyse?
Die Per-Protocol-Analyse (kurz: PP-Analyse) ist eine Auswertungsstrategie in klinischen Studien und kontrollierten Experimenten. Sie beschränkt die statistische Auswertung ausschließlich auf jene Teilnehmenden, die das Studienprotokoll vollständig und korrekt eingehalten haben. Das bedeutet konkret: Nur Personen, die
- die zugewiesene Intervention vollständig erhalten haben,
- keine relevanten Protokollverletzungen begangen haben und
- alle vorgeschriebenen Messzeitpunkte absolviert haben,
fließen in die Auswertung ein. Teilnehmende, die die Studie abgebrochen haben, die Intervention nicht oder nur teilweise erhalten haben oder gegen wichtige Protokollvorgaben verstoßen haben, werden aus der Analyse ausgeschlossen.
Die PP-Analyse steht damit im direkten Gegensatz zur Intention-to-Treat-Analyse (ITT), bei der alle randomisierten Teilnehmenden unabhängig von ihrer tatsächlichen Protokolladhärenz ausgewertet werden.
Warum ist Per-Protocol-Analyse für statistische Analysen wichtig?
Die PP-Analyse beantwortet eine spezifische und wissenschaftlich relevante Frage: Wie wirksam ist eine Intervention unter idealen Bedingungen, wenn sie tatsächlich wie vorgesehen angewendet wird? Man spricht hier vom sogenannten Efficacy-Effekt – also der Wirksamkeit unter optimalen Bedingungen, im Gegensatz zur Effectiveness, die die Wirksamkeit unter realen Alltagsbedingungen misst.
In der Praxis wird die PP-Analyse häufig ergänzend zur Intention-to-Treat-Analyse berichtet. Die Kombination beider Auswertungen gibt ein vollständiges Bild: Die ITT-Analyse zeigt den realistischen Gesamteffekt, die PP-Analyse zeigt den Effekt unter optimaler Adhärenz.
Praxisbeispiel zu Per-Protocol-Analyse
Eine randomisierte kontrollierte Studie untersucht, ob ein neues Blutdruckmedikament wirksamer ist als ein Placebo. Insgesamt werden 200 Personen randomisiert: 100 in die Behandlungsgruppe, 100 in die Placebogruppe.
Nach Studienabschluss zeigt sich folgendes Bild:
| Gruppe | Randomisiert | Protokollverletzungen / Abbrüche | In PP-Analyse eingeschlossen |
|---|---|---|---|
| Behandlung | 100 | 18 | 82 |
| Placebo | 100 | 10 | 90 |
In der ITT-Analyse werden alle 200 randomisierten Personen ausgewertet – unabhängig davon, ob sie die Studie abgeschlossen haben. In der PP-Analyse hingegen fließen nur die 82 Personen der Behandlungsgruppe und die 90 Personen der Placebogruppe ein, die das Protokoll vollständig eingehalten haben.
Wenn nun die 18 ausgeschlossenen Personen in der Behandlungsgruppe vor allem wegen Nebenwirkungen abgebrochen haben, könnte die PP-Analyse die verbleibenden besonders gut verträgenden Teilnehmenden überrepräsentieren – und den Behandlungseffekt damit verzerrt darstellen. Genau dieser Selektionseffekt macht es notwendig, PP- und ITT-Ergebnisse stets gemeinsam zu betrachten und kritisch zu vergleichen.