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Statistik-Glossar

Perzentil

Percentile (engl.) · Quantil, Zentil · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Perzentil?

Ein Perzentil ist ein Lagemaß, das eine geordnete Datenreihe in hundert gleich große Abschnitte unterteilt. Das p-te Perzentil (Pp) ist derjenige Wert, unterhalb dessen genau p Prozent aller Beobachtungen liegen. Formal gilt: Sind n Datenpunkte aufsteigend sortiert, so gibt Pp den Wert an der Position

Formel: Position des p-ten Perzentils

der sortierten Datenreihe an. Liegt die berechnete Position zwischen zwei ganzen Zahlen, wird in der Regel zwischen den benachbarten Werten interpoliert. Unterschiedliche Statistikprogramme verwenden dabei leicht abweichende Interpolationsmethoden, weshalb die Ergebnisse je nach Software minimal variieren können.

Perzentile sind ein Spezialfall der allgemeineren Quantile: Während Quantile beliebige Unterteilungen beschreiben, beziehen sich Perzentile immer auf eine Aufteilung in 100 Teile. Bekannte Sonderfälle sind das 25. Perzentil (= 1. Quartil), das 50. Perzentil (= Median) und das 75. Perzentil (= 3. Quartil).

Einfach erklärt Stell dir vor, alle Personen in deiner Studie stellen sich nach ihrer Körpergröße in einer Reihe auf – vom Kleinsten bis zum Größten. Das 80. Perzentil ist dann die Person, vor der genau 80 % aller anderen stehen. 20 % der Personen sind also größer, 80 % kleiner oder gleich groß.

Warum ist Perzentil für statistische Analysen wichtig?

Perzentile sind besonders nützlich, weil sie robust gegenüber Ausreißern sind. Im Gegensatz zum Mittelwert wird ein einzelner extrem hoher oder niedriger Wert die Lage der meisten Perzentile kaum verschieben. Das macht sie zu einem verlässlichen Werkzeug, um Verteilungen zu beschreiben und Gruppen miteinander zu vergleichen.

In der Praxis werden Perzentile unter anderem eingesetzt für:

  • Normwerte und Referenzbereiche – z. B. Wachstumskurven in der Pädiatrie oder Testergebnisse in der Psychologie
  • Streuungsmaße – der Interquartilsabstand (IQR) basiert auf dem 25. und 75. Perzentil und beschreibt die mittlere Streuung der Daten
  • Boxplots – diese Grafiken visualisieren Median, Quartile und mögliche Ausreißer auf einen Blick
  • Leistungsvergleiche – z. B. beim Vergleich von Testergebnissen über verschiedene Gruppen hinweg
Häufiger Fehler Das 80. Perzentil bedeutet nicht, dass jemand 80 % der möglichen Punkte erreicht hat. Es bedeutet, dass diese Person besser abgeschnitten hat als 80 % der Vergleichsgruppe. Perzentile beschreiben immer eine relative Position innerhalb einer Verteilung – keine absoluten Leistungswerte.
Gut zu wissen Bei sehr kleinen Stichproben (z. B. n < 20) sind Perzentile mit Vorsicht zu interpretieren. Die berechneten Werte hängen dann stark von einzelnen Beobachtungen ab und sind wenig stabil.

Praxisbeispiel zu Perzentil

In einer Studie zur Lernzeit von Studierenden werden folgende wöchentlichen Lernstunden (aufsteigend sortiert) erfasst:

Tabelle 1. Wöchentliche Lernstunden von 10 Studierenden (aufsteigend sortiert)
Rang 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Stunden 5 8 10 12 14 15 18 20 22 30

Gesucht ist das 25. Perzentil (P25). Mit der vereinfachten Positionsformel ergibt sich:

Berechnung: Position von P₂₅

Position 2,75 liegt zwischen Rang 2 (8 Stunden) und Rang 3 (10 Stunden). Durch lineare Interpolation ergibt sich:

Interpolation

Das 25. Perzentil beträgt also 9,5 Stunden. Das bedeutet: 25 % der Studierenden lernen weniger als 9,5 Stunden pro Woche, während 75 % mehr lernen. Zum Vergleich läge der Mittelwert bei 15,4 Stunden – deutlich beeinflusst durch den Ausreißer mit 30 Stunden.

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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