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Statistik-Glossar

Poisson-Regression

Poisson Regression · Zählregression · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Poisson-Regression?

Die Poisson-Regression ist ein Verfahren der verallgemeinerten linearen Modelle (Generalized Linear Models, GLM), das verwendet wird, wenn die abhängige Variable aus Zähldaten besteht – also nicht-negative, ganzzahlige Werte wie die Anzahl von Ereignissen in einem bestimmten Zeitraum oder Gebiet.

Grundlage ist die Annahme, dass die Zielvariable Y einer Poisson-Verteilung folgt. Das Modell verknüpft die erwartete Ereignisanzahl mit den Prädiktoren über den natürlichen Logarithmus als Linkfunktion:

Modellgleichung

Dabei sind die Regressionskoeffizienten und die unabhängigen Variablen. Durch die Log-Linkfunktion wird sichergestellt, dass der vorhergesagte Erwartungswert stets positiv bleibt – was bei Zählgrößen zwingend erforderlich ist. Die Koeffizienten lassen sich durch Exponentiation als Ratenverhältnisse (Incidence Rate Ratios, IRR) interpretieren: Ein IRR von 1,3 bedeutet, dass die erwartete Ereignisanzahl um 30 % steigt, wenn sich der entsprechende Prädiktor um eine Einheit erhöht.

Einfach erklärt Stell dir vor, du zählst, wie oft pro Monat Studierende die Bibliothek besuchen. Diese Zahl kann 0, 1, 5 oder 20 sein – aber nie –3 oder 2,7. Genau für solche Zähldaten ist die Poisson-Regression gemacht: Sie modelliert, welche Faktoren (z. B. Semesterwoche, Fachbereich) beeinflussen, wie hoch diese Zahl im Schnitt ausfällt.

Warum ist Poisson-Regression für statistische Analysen wichtig?

Viele Forschungsfragen in Medizin, Sozialwissenschaften, Ökologie oder Wirtschaft betreffen Zählereignisse: Krankenhauseinweisungen, Unfälle, Publikationen, Reklamationen. Eine klassische lineare Regression ist für solche Daten ungeeignet, weil sie negative oder nicht-ganzzahlige Vorhersagen erzeugen kann und die Residuen systematisch verzerrt sind. Die Poisson-Regression löst dieses Problem durch ein passendes Verteilungsmodell.

Ein zentrales Merkmal der Poisson-Verteilung ist die Equidispersion: Erwartungswert und Varianz sind gleich (). In der Praxis ist diese Annahme jedoch häufig verletzt – die Daten zeigen dann mehr Streuung als erwartet (Überdispersion) oder seltener weniger Streuung (Unterdispersion).

Häufiger Fehler Überdispersion wird oft übersehen. Liegt sie vor und wird ignoriert, sind die Standardfehler zu klein – p-Werte und Konfidenzintervalle sind dann nicht mehr verlässlich. In diesem Fall sollte auf eine Negative-Binomial-Regression oder auf robuste Standardfehler zurückgegriffen werden.

Darüber hinaus erlaubt die Poisson-Regression die Einbeziehung eines sogenannten Offsets: Werden Ereignisse in unterschiedlich langen Zeiträumen oder unterschiedlich großen Gebieten gezählt, lässt sich dieser Unterschied durch einen festen Logarithmus-Term im Modell ausgleichen – etwa die Personenanzahl einer Gruppe oder die Beobachtungszeit.

Gut zu wissen Die Poisson-Regression ist ein Spezialfall der GLMs. Sie nutzt eine Poisson-Fehlerverteilung und den Log-Link. Geschätzt werden die Parameter in der Regel über die Maximum-Likelihood-Methode, nicht über die Methode der kleinsten Quadrate.

Praxisbeispiel zu Poisson-Regression

Eine Forscherin möchte untersuchen, ob das Geschlecht und die Anzahl der Arbeitsjahre die Zahl der Krankheitstage pro Jahr beeinflusst. Sie hat Daten von 200 Beschäftigten erhoben.

Tabelle 1. Beispielhafte Regressionsergebnisse der Poisson-Regression (abhängige Variable: Krankheitstage)
Prädiktor Koeffizient β IRR (exp(β)) p-Wert
Konstante 1,79 5,99 < .001
Geschlecht (weiblich = 1) 0,18 1,20 .032
Arbeitsjahre −0,04 0,96 .018

Interpretation: Der IRR für das Geschlecht beträgt 1,20. Das bedeutet: Weibliche Beschäftigte haben im Durchschnitt eine um 20 % höhere erwartete Zahl an Krankheitstagen als männliche Beschäftigte – unter Kontrolle der Arbeitsjahre. Der IRR für Arbeitsjahre beträgt 0,96: Mit jedem zusätzlichen Arbeitsjahr sinkt die erwartete Anzahl an Krankheitstagen um etwa 4 %. Beide Effekte sind statistisch signifikant.

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