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Statistik-Glossar

Poweranalyse

Power Analysis · Teststärkenanalyse · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Poweranalyse?

Die Poweranalyse (auch Teststärkenanalyse) ist ein Verfahren zur Planung und Bewertung statistischer Tests. Sie beantwortet die zentrale Frage: Wie wahrscheinlich ist es, einen tatsächlich vorhandenen Effekt auch tatsächlich zu entdecken?

Vier Größen hängen dabei direkt miteinander zusammen:

  • Signifikanzniveau α – die akzeptierte Wahrscheinlichkeit eines falsch-positiven Ergebnisses (Typ-I-Fehler), typischerweise 0,05.
  • Teststärke (Power, 1 − β) – die Wahrscheinlichkeit, einen echten Effekt zu erkennen. Üblich ist ein Mindestwert von 0,80.
  • Effektgröße – das Ausmaß des erwarteten Effekts (z. B. Cohens d, f oder r).
  • Stichprobengröße n – die Anzahl der Beobachtungen oder Probanden.

Kennt man drei dieser Größen, lässt sich die vierte berechnen. Am häufigsten wird die a-priori-Poweranalyse eingesetzt: Man legt α, die gewünschte Power und die erwartete Effektgröße fest und ermittelt daraus den notwendigen Stichprobenumfang.

Zusammenhang: Power und Fehlertypen

Einfach erklärt Stell dir vor, du suchst mit einer Taschenlampe im Dunkeln nach einem Schlüssel. Die Power beschreibt, wie hell deine Lampe ist: Je größer die Stichprobe und je deutlicher der Effekt, desto heller leuchtet sie – und desto sicherer findest du den Schlüssel, wenn er wirklich da ist.

Warum ist Poweranalyse für statistische Analysen wichtig?

Eine Poweranalyse schützt vor zwei kostspieligen Planungsfehlern:

  • Zu kleine Stichproben (Unterpowerung): Die Studie ist nicht sensitiv genug, um einen echten Effekt zu entdecken. Das Ergebnis wird fälschlicherweise nicht signifikant – ein Typ-II-Fehler. Ressourcen wurden investiert, ohne verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen.
  • Zu große Stichproben (Überpowerung): Mehr Probanden als nötig werden einbezogen, was ethisch bedenklich (z. B. in der Medizin) und wirtschaftlich ineffizient ist.

Viele Fachzeitschriften, Ethikkommissionen und Förderinstitutionen verlangen heute eine dokumentierte Poweranalyse als Bestandteil des Studiendesigns oder des Forschungsantrags.

Häufiger Fehler Eine Poweranalyse nach der Datenerhebung durchzuführen (sogenannte Post-hoc-Power) und damit ein nicht-signifikantes Ergebnis zu „erklären“, ist methodisch problematisch. Die beobachtete Power hängt direkt vom p-Wert ab und liefert keine eigenständige Information. Plane die Poweranalyse daher immer vor der Studie.
Gut zu wissen Für die praktische Berechnung eignen sich kostenlose Tools wie G*Power (für eine Vielzahl von Tests) oder entsprechende Pakete in R (pwr) und Python (statsmodels).

Praxisbeispiel zu Poweranalyse

Eine Psychologiestudentin plant eine Bachelorarbeit, in der sie untersucht, ob ein neues Lernprogramm die Prüfungsleistung verbessert. Sie möchte zwei Gruppen (Kontroll- vs. Experimentalgruppe) mit einem unabhängigen t-Test vergleichen.

Aus der Literatur entnimmt sie, dass vergleichbare Interventionen einen mittleren Effekt erzeugen. Sie setzt daher Cohens d = 0,50 an. Ihre Vorannahmen:

Tabelle 1. Eingabeparameter der a-priori-Poweranalyse
Parameter Gewählter Wert
Signifikanzniveau α 0,05 (zweiseitig)
Gewünschte Power (1 − β) 0,80
Erwartete Effektgröße (Cohens d) 0,50 (mittel)
Benötigte Stichprobengröße (je Gruppe) 64 Personen

Die Poweranalyse ergibt, dass sie mindestens 64 Personen pro Gruppe, also insgesamt 128 Personen, rekrutieren muss. Würde sie nur 30 Personen pro Gruppe befragen, läge die Power lediglich bei etwa 0,37 – sie hätte also nur eine 37-prozentige Chance, den Effekt zu entdecken, selbst wenn er wirklich vorhanden ist. Eine solche Studie wäre von vornherein stark unterpowert.

Poweranalyse Teststärke Stichprobengröße Effektgröße Signifikanzniveau Typ-II-Fehler Studienplanung Hypothesentest

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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