Prä-Post-Vergleich
In diesem Beitrag
Was versteht man unter einem Prä-Post-Vergleich?
Ein Prä-Post-Vergleich (auch: Vorher-Nachher-Vergleich) ist ein Studiendesign, bei dem dieselben Untersuchungseinheiten – meist Personen – zu zwei Zeitpunkten gemessen werden: einmal vor einer Intervention (Prä-Messung) und einmal danach (Post-Messung). Das zentrale Interesse gilt der Frage, ob sich ein Merkmal durch die Intervention verändert hat.
Statistisch wird dabei die Differenz zwischen beiden Messzeitpunkten analysiert:
Formel: Differenzwert
Diese Differenzwerte werden anschließend daraufhin geprüft, ob sie systematisch von null abweichen – zum Beispiel mit einem t-Test für abhängige Stichproben (auch: Paardifferenzen-t-Test).
Warum ist der Prä-Post-Vergleich für statistische Analysen wichtig?
Der Prä-Post-Vergleich ist eines der am häufigsten eingesetzten Designs in der angewandten Forschung – etwa in der Psychologie, Pädagogik, Medizin oder den Sozialwissenschaften. Er erlaubt es, Veränderungen innerhalb derselben Gruppe zu messen. Da jede Person als ihre eigene Kontrollbedingung dient, werden viele zwischen-personelle Unterschiede herausgerechnet. Das erhöht die statistische Trennschärfe (Power) im Vergleich zu einem einfachen Gruppenvergleich.
Trotz seiner Stärken hat das Design aber eine entscheidende Schwäche: Es fehlt eine echte Kontrollgruppe. Ohne Vergleichsgruppe lässt sich nicht ausschließen, dass beobachtete Veränderungen auf andere Einflüsse zurückgehen – etwa auf den bloßen Zeitverlauf, natürliche Reifung oder den sogenannten Regressionseffekt zur Mitte.
Ein erweitertes Design, das diese Schwäche abschwächt, ist das Prä-Post-Kontrollgruppendesign: Dabei werden sowohl eine Interventionsgruppe als auch eine Kontrollgruppe zu beiden Zeitpunkten gemessen. Ausgewertet wird dann der Unterschied der Veränderungen zwischen den Gruppen – statistisch umgesetzt als Interaktionseffekt in einer zweifaktoriellen Varianzanalyse mit Messwiederholung oder als Differenz-der-Differenzen-Analyse.
Praxisbeispiel zu Prä-Post-Vergleich
Eine Forscherin untersucht, ob ein einwöchiger Achtsamkeitskurs das subjektiv wahrgenommene Stressniveau von Studierenden reduziert. Sie erhebt bei 30 Teilnehmenden vor Kursbeginn (Prä) und eine Woche nach Kursende (Post) den Wert auf einer validierten Stressskala (0–100 Punkte).
| Person | Prä-Wert | Post-Wert | Differenz (Post − Prä) |
|---|---|---|---|
| 1 | 72 | 58 | −14 |
| 2 | 65 | 60 | −5 |
| 3 | 80 | 61 | −19 |
| 4 | 55 | 50 | −5 |
| 5 | 70 | 55 | −15 |
Die mittlere Differenz beträgt in diesem Auszug −11,6 Punkte. Mit einem t-Test für abhängige Stichproben wird geprüft, ob diese mittlere Differenz über die gesamte Stichprobe hinweg signifikant von null abweicht. Ist das Ergebnis signifikant und die Effektgröße substanziell, kann die Forscherin schlussfolgern, dass das Stressniveau nach dem Kurs im Mittel gesunken ist – allerdings ohne Kontrollgruppe nicht eindeutig kausal auf den Kurs zurückführbar.